Expertin berichtet

Trainingstherapie: So wird Bewegung zur Medizin

Trainingstherapeuten helfen Menschen mit chronischen Erkrankungen oder nach Verletzungen und Operationen durch gezieltes Training, wieder fit für den Alltag zu werden. Das Ziel: Beschwerden lindern, Belastbarkeit erhöhen, Folgeerkrankungen verhindern und langfristig die Lebensqualität steigern.

„Mehr bewegen!“ – dieser Rat ist allgegenwärtig. Und doch bringt er viele Menschen eher zur Verzweiflung als zu mehr Aktivität. „Jene, die ohnehin einen Bezug zu Sport haben, können damit meist etwas anfangen. Bewegungsmuffel hingegen sind mit diesem simplen Ratschlag heillos überfordert“, berichtet Dr. Anita Birklbauer, Sportwissenschafterin und Trainingstherapeutin aus Salzburg.

Trainingstherapie ist weit mehr als nur Bewegung. „Sie bezeichnet einen komplexen, wissenschaftlich fundierten Handlungsprozess.“ Ziel ist es, durch strukturiertes und gezieltes Training Krankheiten vorzubeugen oder deren Verlauf positiv zu beeinflussen. Die Wirkung ist umfassend: „Symptome, körperliche Leistungsfähigkeit, Lebensqualität, Morbidität und Mortalität können positiv beeinflusst werden.“

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Bewegung wird wie ein Medikament eingesetzt und entsprechend der Probleme dosiert, angepasst sowie regelmäßig kontrolliert.

Dr. Anita Birklbauer, Sportwissenschafterin und Trainingstherapeutin, Sportrix

Vielfältiger Einsatzbereich
Einfacher gesagt: Bewegung wird wie ein Medikament eingesetzt. „Sie wird entsprechend der Probleme dosiert, angepasst und regelmäßig kontrolliert.“ Denn nicht jeder Mensch benötigt dieselbe „Dosis“. Das Spektrum der möglichen Übungen ist breit – und die Therapie daher äußerst individuell.

Viele Patienten mit chronischen Erkrankungen leiden nicht nur an einem, sondern gleichzeitig an mehreren Problemen. Der Vorteil der „Poly-Pille Sport“ ist, dass sie ganzheitlich und vielseitig wirkt – ohne negative Nebenwirkungen.

Durchgeführt wird Trainingstherapie von speziell ausgebildeten Experten: „Trainingstherapeutinnen und -therapeuten sind vom Bundesministerium akkreditierte SportwissenschafterInnen, die evidenzbasiert Trainingspläne erstellen.“ Ihr Ziel: „Die Wiederherstellung physiologischer Funktionen und des Wohlbefindens – auf Basis individuell dosierter Bewegung.“ Nebenbei vermitteln sie auch, wie sich ein aktiver Lebensstil dauerhaft in den Alltag integrieren lässt.

Für wen ist Trainingstherapie sinnvoll?

Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist groß – und reicht quer durch nahezu alle Krankheitsbilder:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck, nach Herzinfarkt)
  • Stoffwechselerkrankungen (wie Diabetes, Adipositas)
  • Krebs (unterstützend zur medikamentösen/operativen Therapie)
  • Orthopädische Beschwerden (z.B. Rückenprobleme, Osteoporose)
  • Neurologische und psychosomatische Erkrankungen (wie Depression, Angstzustände, Demenz)
  • Lungenerkrankungen

Entscheidend ist immer die richtige Dosis. Denn je nach Erkrankung sind unterschiedliche Intensitäten notwendig – falsche Belastung kann dagegen sogar schaden. Wie bei Medikamenten gilt daher auch hier: Jeder Mensch reagiert anders, daher muss die Therapie individuell abgestimmt werden.

Ärztliche Verordnung nötig
Zu finden sind Trainingstherapeuten in Rehazentren, Spitälern, physikalischen Instituten, Arztpraxen und seit 2025 auch immer mehr in Wohnortnähe.
„Seit 1. Jänner 2025 kann Trainingstherapie mit ärztlicher Überweisung auch ohne Reha- oder Krankenhausaufenthalt in Anspruch genommen werden.“ Trainingstherapeuten dürfen nun auch selbstständig arbeiten. Damit hat Österreich zu Ländern wie Australien oder Kanada aufgeschlossen, wo diese Therapieform schon länger etabliert ist, wie die Sportwissenschafterin und Trainingstherapeutin erklärt.

Übernehmen Krankenkassen die Kosten? 
Dr. Birklbauer: „Kosten der Trainingstherapie als eigenständige Leistung werden im niedergelassenen Bereich nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Im Rahmen einer medizinischen Rehabilitation kann sie jedoch als Teil eines medizinisch-therapeutischen Leistungspakets von den Sozialversicherungsträgern übernommen werden.“

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