Wenn es überall schnieft und hustet, scheint die Diagnose oft schnell gestellt. Doch manche Symptome können täuschen. Nicht jeder Schnupfen ist eine Erkältung, nicht jeder Ohrenschmerz eine Ohrenentzündung und nicht jeder Husten bakteriell: HNO-Arzt Dr. Stefan Edlinger klärt auf.
Kaum werden die Tage kühler, beginnt es im Büro, in der Schule oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder überall zu schniefen und zu husten. Für viele Betroffene stellt sich dann rasch die Frage: Ist das noch eine gewöhnliche Erkältung oder steckt bereits mehr dahinter?
Mit sinkenden Temperaturen haben Schnupfen und Co. Hochsaison. Oft handelt es sich um eine akute Rhinosinusitis, also eine Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen. Sie beginnt meist mit einer Virusinfektion: Die Schleimhäute schwellen an, die Nase ist verstopft, und Druck im Gesicht, Husten oder Kopfschmerzen können den Alltag erschweren.
Bei wiederkehrenden Symptomen sollte man auch in der kalten Jahreszeit an eine Allergie denken.

Dr. Stefan Edlinger, HNO-Kassenarzt in Wien
Bild: Dr. Stefan Edlinger
Farbe des Nasensekrets ist kein Indiz
Die Farbe des Nasensekrets sagt wenig darüber aus, ob Bakterien beteiligt sind. „Entscheidend für eine Antibiotika-Therapie sind Verlauf, Schweregrad und klinischer Befund“, erklärt der HNO-Kassenarzt Dr. Stefan Edlinger im Fachmagazin „Ärzte Krone“. „Halten die Symptome aber lange an, sind sie besonders stark oder nehmen nach einer Besserung erneut zu, sollte die Situation neu beurteilt werden.“
Ohrenschmerzen sind besonders bei Kindern häufig, bedeuten aber nicht automatisch eine Mittelohrentzündung. Entscheidend sind Mittelohrerguss und Entzündungszeichen. „Ein gerötetes Trommelfell allein beweist noch keine akute Mittelohrentzündung“, so der HNO-Experte. Nach Atemwegsinfekten können zudem Tubenfunktionsstörungen mit Druckgefühl oder schlechterem Hören auftreten.
Bei Erwachsenen gehen Ohrenschmerzen mitunter auch von Zähnen, Kiefergelenk, Mandeln oder Rachen aus. Halsweh und Heiserkeit sind weitere typische Begleiterscheinungen viraler Erkrankungen.
Bei Rachenentzündung und Kehlkopfentzündung steht meist die symptomatische Behandlung im Vordergrund. Ausgeprägte Schluckbeschwerden, Atemprobleme oder Stridor (ein pfeifendes oder ziehendes Atemgeräusch durch eine Verengung der Atemwege) erfordern hingegen eine rasche ärztliche Abklärung.
Allergie statt Infekt?
Akute Heiserkeit im Rahmen eines Infekts ist meist vorübergehend. Bleibt die Stimme länger verändert, sollte die Ursache weiter untersucht werden – insbesondere bei Rauchern. Wer im Herbst immer wieder unter Schnupfen leidet, muss nicht einen Infekt nach dem anderen haben. Auch eine allergische Rhinitis kommt infrage: Ambrosia (Ragweed), Beifuß, Schimmelpilze und Hausstaubmilben können Auslöser sein.
„Bei wiederkehrenden Symptomen sollte man auch in der kalten Jahreszeit an eine Allergie denken. Niesattacken, Juckreiz, wässriges Sekret und Augenbeschwerden sind dafür typische Hinweise“, meint Dr. Stefan Edlinger.
Die Nase als Schutzschild
Eine intakte, gut befeuchtete Nasenschleimhaut bildet eine wichtige Barriere gegenüber Viren, Allergenen und anderen Reizen. Auch Husten kann einen viralen Atemwegsinfekt länger überdauern, ohne auf eine bakterielle Ursache hinzuweisen. Anhaltender Schnupfen, Sekret, das von der Nase in den Rachen läuft, oder Allergien können Husten ebenfalls begünstigen.
Bei den meisten herbstlichen HNO-Beschwerden genügt es zunächst, die Beschwerden gezielt zu lindern und die weitere Entwicklung zu beobachten. Bestimmte Warnzeichen machen jedoch eine rasche ärztliche Untersuchung notwendig: Dazu zählen Schwellungen rund um das Auge, Sehstörungen und neurologische Symptome.
Auch schwere Schluckbeschwerden, Atemnot oder ein pfeifendes oder ziehendes Atemgeräusch sind Alarmsignale. Dr. Edlinger betont aber: „Die meisten Beschwerden sind unkompliziert. Entscheidend ist, Veränderungen im Verlauf zu erkennen.“
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