Der neue Glückstrend

Wie viel Glimmer steckt schon in Ihrem Alltag?

Der Kaffee schmeckt besonders gut, Sie erwischen eine grüne Ampelwelle, im Radio läuft plötzlich Ihr Lieblingssong und jemand schenkt Ihnen im Vorbeigehen ein Lächeln. Nichts Weltbewegendes. Und trotzdem passiert dabei etwas mit uns. Willkommen in der Welt der Glimmer!

Die Jungen tun es längst: Sie glimmern. Und nein, dafür braucht es weder Glitzer noch den neuesten Beauty-Filter. Gemeint sind winzige Momente, die sich einfach gut anfühlen: Sonne im Gesicht, mit Freunden herzhaft lachen oder der Hund, der einen begrüßt, als wäre man zwei Jahre statt zwei Stunden weg gewesen.

Dass diese kleinen Wohlfühlmomente heute Glimmer heißen, geht auf die US-amerikanische Sozialarbeiterin Deb Dana zurück. „Wir warten oft auf das große Glück und übersehen dabei, wie viel Schönes ein ganz normaler Tag bereithält“, erklärt die klinische Psychologin Mag. Dr. Karin Flenreiss-Frankl.

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Wohlbefinden kommt nicht nur von den großen Dingen, die in unserem Leben passieren.

Mag. Dr. Karin Flenreiss-Frankl, klinische Psychologin in Wien

Warum Ärger lauter ist als Glück
Glimmer kann man sich als positives Gegenstück zu Triggern vorstellen. Während ein Trigger Stress oder Unbehagen auslösen kann, schenkt uns ein Glimmer kurz das Gefühl: Gerade ist alles gut.

Schade nur, dass der Lieblingssong gerne „durchrutscht“ und sich Ärger  dafür zuverlässig Gehör verschafft. Haben Sie das auch schon festgestellt? Und warum ist das überhaupt so? „Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, mögliche Gefahren ernst zu nehmen. Das war für unser Überleben wichtiger, als sich möglichst lange über einen schönen Sonnenuntergang zu freuen“, so die Gesundheitspsychologin.

5 Fakten rund um Glimmer

1. Begriff ist noch relativ jung
Deb Dana führte „Glimmers“ 2018 in ihrem therapeutischen Ansatz rund um die Polyvagal-Theorie ein.

2. Glimmern mit Wirkung?
Durchaus! Die Glimmer-Forschung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber eine aktuelle Meta-Analyse von 20 Studien mit knapp 5000 Menschen zeigt: Das bewusste Wahrnehmen und Genießen positiver Erfahrungen kann positive Gefühle und das psychische Wohlbefinden fördern sowie Ängste und depressive Beschwerden lindern. 

3. Positive Gefühle als Stresspuffer
Eine Studie mit 382 Menschen deutet darauf hin: Wer häufiger positive Gefühle erlebt, kann besser mit Stress umgehen und psychisch weniger darunter leiden

4. Glimmer kostet nichts
Für einen Glücksmoment braucht es weder Wellnessurlaub noch Lottogewinn. Oft steckt er mitten im Alltag.

5. Glimmer statt Trigger?
Als Merkhilfe funktioniert es: Trigger alarmieren, Glimmer signalisieren Sicherheit. Wissenschaftlich sollte man die beiden jedoch nicht als simple Gegenspieler verstehen. 

„Es geht nicht darum, Stress wegzulächeln“, betont Mag. Dr. Flenreiss-Frankl. „Ein schöner Moment darf neben einem schwierigen existieren. Beides kann gleichzeitig wahr sein.“

Gerade an belastenden Tagen können solche kleinen Lichtblicke helfen, den Blick wieder etwas zu weiten. Sie lösen zwar nicht unsere Probleme, erinnern uns aber daran, dass unser Alltag nicht nur aus ihnen besteht. Und manchmal reicht genau das, um innerlich ein wenig Luft zu bekommen.

Nur nicht übertreiben!
Natürlich wären wir nicht im Jahr 2026, wenn sich daraus nicht gleich die nächste Optimierungsaufgabe machen ließe: fünf Glimmer vor dem Frühstück, Dankbarkeitstagebuch führen und abends kontrollieren, ob man heute ausreichend glücklich war. Genau darum geht es nicht.

„Sobald wir aus Wohlbefinden eine Leistung machen, erzeugen wir neuen Druck“, ist die Psychologin überzeugt. Vielmehr geht es um eine kleine Verschiebung der Aufmerksamkeit: Was ist jetzt gerade angenehm? „Wohlbefinden kommt eben nicht nur von den großen Dingen, die in unserem Leben passieren“, betont Mag. Dr. Flenreiss-Frankl abschließend. 

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