Nicht zu billig!

China-Ansage an Autobauer: Benehmt euch im Ausland

Motor
02.09.2026 06:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Chinesische Hersteller erobern die Weltmärkte mit Technik, Tempo – und aggressiven Preisen. Bei Letzteren setzt Peking nun mit einer Art Export-Knigge an: Autobauer sollen im Ausland keine Rabattschlachten anzetteln und sich auch sonst möglichst benehmen.

Gleich drei chinesische Behörden haben neue Richtlinien für Autohersteller veröffentlicht, die im Ausland produzieren und verkaufen. Darin geht es um Korruption und Kartellrecht, Arbeitsbedingungen, Werbung, Händler und Datenschutz. Der auffälligste Punkt betrifft allerdings jene Waffe, mit der chinesische Hersteller derzeit besonders gerne kämpfen: den Preis.

Die Unternehmen sollen ihre Preise künftig an Kosten, Angebot und Nachfrage sowie den jeweiligen Marktbedingungen ausrichten. Häufige oder drastische Preisänderungen seien zu vermeiden, wenn dadurch Kunden geschädigt oder das Markenimage beeinträchtigt werden könnte. Auch Preise, die lediglich dazu dienen, sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, sind ausdrücklich unerwünscht. 

Das liest sich fast wie eine Bedienungsanleitung dafür, wie man den chinesischen Preiskrieg nicht nach Europa exportiert.

Denn was Peking im Ausland verhindern möchte, kennt man im eigenen Land nur zu gut. Der chinesische Automarkt leidet seit Jahren unter enormen Überkapazitäten und einem erbitterten Wettbewerb. Hersteller überbieten sich mit Preisnachlässen, neuen Modellen und immer kürzeren Produktzyklen.

Für Käufer klingt das zunächst erfreulich. Wer sein Auto allerdings kurz vor einer Preissenkung gekauft hat, sieht plötzlich auch dessen Restwert abstürzen.

Nun soll es im Ausland geordneter zugehen. China fordert seine Hersteller außerdem auf, lokale Arbeitsgesetze einzuhalten, Korruption und Kartellverstöße zu vermeiden, wahrheitsgemäß zu werben und für vernünftigen Kundendienst zu sorgen.

Chinas Autoindustrie expandiert in atemberaubendem Tempo. 2025 exportierte das Land laut offiziellen Angaben rund 8,32 Millionen Fahrzeuge in mehr als 200 Länder und Regionen. In mehr als 80 Märkten haben chinesische Unternehmen bereits in eigene Produktion investiert.

Denn geht es längst nicht mehr nur darum, fertige Autos nach Europa zu verschiffen. BYD baut ein Werk in Ungarn, Chery bereitet die Produktion in Barcelona vor. Chinesische Marken wollen dauerhaft in Europa bleiben – und zunehmend auch im Premiumsegment mitmischen.

Genau dort kann ein permanenter Preiskrieg zum Problem werden. Wer heute ein Elektro-SUV für 60.000 oder 70.000 Euro als Premiumprodukt verkauft und es wenige Wochen später mit fünfstelligem Rabatt anbietet, beschädigt nicht nur Restwerte, sondern auch das eigene Markenimage.

Die neuen Vorgaben sind daher auch eine Form von Markenpflege. Peking will aus Exporteuren langfristig globale Autobauer machen.

Und noch etwas dürfte eine Rolle spielen: Chinas Autohersteller stehen international ohnehin unter genauer Beobachtung. Die EU erhebt Zusatzzölle auf Elektroautos aus chinesischer Produktion, weil sie Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Subventionen sieht. Eine öffentlich ausgetragene Rabattschlacht würde den politischen Druck kaum verringern.

Die Botschaft aus Peking ist deshalb ziemlich klar: „Geht hinaus und verkauft Autos. Gerne sehr viele. Aber benehmt euch dabei nicht wie zu Hause!“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
KMM
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung