Sonnblickobservatorium

Europas älteste Messstation feiert 140. Geburtstag

Salzburg
02.09.2026 06:00

Seit dem Jahr 1886 wird am Hohen Sonnblick auf mehr als 3100 Metern Seehöhe gemessen, beobachtet und geforscht. Was einst als einfache Wetterwarte begann, ist heute ein international bedeutender Forschungsstandort. Die „Krone“ hat mit dem Leiter des Observatoriums gesprochen.

Sonne, Temperatur und Wind – viel mehr wurde hoch am Berg zu Beginn nicht gemessen. Als das Observatorium 1886 auf 3106 Metern Seehöhe eröffnet wurde, stand vor allem die Wetterbeobachtung im Mittelpunkt. „Früher war es eine reine Wetterwarte. Mittlerweile ist das Sonnblick Observatorium aber ein immens wichtiger Forschungsstandort. Es kommen internationale Wissenschaftsteams extra zu uns“, erzählt Christian Maier von der GeoSphere Salzburg. Er ist seit Anfang des Jahres Leiter der Einrichtung hoch über Rauris, die am Mittwoch ihren 140. Geburtstag begeht.

Das heutige Observatoriumsgebäude
Das heutige Observatoriumsgebäude(Bild: GeoSphere Austria)

Die lange Geschichte ist der große Schatz der Station. Beispielsweise wurden erste Messungen der Gletscher bereits 1896 dokumentiert. Später kamen weitere Erhebungen hinzu, etwa zur Tiefe der Schneedecke oder auch zur Sonnenscheindauer.

Was früher mit mechanischen Instrumenten wie dem Sonnenschein-Autografen erfasst wurde, übernehmen längst digitale Messgeräte. Laut Maier bleibt der Gipfel für die Forschung wichtig – trotz modernster Technik.

Mittels modernster Technik werden verschiedenste Daten gemessen und erfasst.
Mittels modernster Technik werden verschiedenste Daten gemessen und erfasst.(Bild: GeoSphere Austria)

365 Tage im Jahr wird am Sonnblick gearbeitet
„Wir führen Langzeitmessungen durch, die für die Wissenschaft essenziell sind“, erklärt Maier gegenüber der „Krone“. Bis auf ein paar wenige Tage nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sind die Aufzeichnungen lückenlos. Diese Unmenge an Daten seit Beginn gibt den Forschern die Möglichkeit, die aktuellen Messwerte mit jenen zu vergleichen, die vor mehr als 100 Jahren erhoben wurden.

Die Geschichte des Observatoriums

  • Am 2. September 1886 wurde die Messstation am Hohen Sonnblick eröffnet. Seitdem wird dort nahezu lückenlos gemessen.

  • Gegründet wurde das Observatorium von Julius Hann, Ignaz Rojacher und Karl Alfred Zittel.

  • Die Seilbahn ist nur für den Betrieb der Warte vorgesehen. Besucher müssen eine stundenlange Wanderung auf sich nehmen. Einkehr: im benachbarten Zittelhaus.

Damit das auch so bleibt, kümmern sich zwei Techniker rund um die Uhr darum, dass die Geräte auf 3106 Metern zuverlässig arbeiten. Sie wechseln sich im Zwei-Wochen-Takt ab.

Das Team des Observatoriums. Verwaltet wird die Forschungsstation durch die GeoSphere Austria.
Das Team des Observatoriums. Verwaltet wird die Forschungsstation durch die GeoSphere Austria.(Bild: Hermann Scheer)

Ein Problem drängt sich aber seit einigen Jahren immer mehr in den Vordergrund: das sich rasant ändernde Klima. „Schneearme Winter und steigende Temperaturen sorgen dafür, dass immer weniger Schnee über den Sommer liegen bleibt. Damit fehlt in der sogenannten Nährzone des Gletschers die Grundlage für neues Eis“, sagt Maier.

Seit dem Jahr 1946 gibt es auch eine eigene Seilbahn hinauf, die ebenso zur Forschung genutzt ...
Seit dem Jahr 1946 gibt es auch eine eigene Seilbahn hinauf, die ebenso zur Forschung genutzt wird.(Bild: Hannes Wallner)

Nach Einschätzung des Observatoriumsleiters könnten in den kommenden 15 Jahren die Eismassen rund um den Sonnblickgipfel völlig verschwunden sein. Sogar in diesem schlimmen Fall werden die Arbeiten der Meteorologen aber weitergehen.

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