1156 PS auf Crashkurs

Denza Z9 GT: Dieses Auto ist lebensgefährlich!

Motor
07.07.2026 05:00

Viele warten auf den Marktstart von BYDs Luxusmarke Denza in Österreich. Wo sonst bekommt man so viel Leistung um so wenig Geld? Der Denza Z9 GT bietet 1156 PS zum China-Preis, inklusive Megawatt-Laden. Der Haken? Fahrwerk und Lenkung sind überfordert, das Auto kaum zu bändigen!

Schon mal einen Porsche bei Temu bestellt? Der Gedanke kam mir während meiner Testfahrt beim Event des German Car Awards (bei dem ich in der Jury sitze). Das erste Aha-Erlebnis hatte ich, als ich auf der Landstraße hinter einem sehr langsamen Lkw ausgeschert bin, um ihn zu überholen. Fuß aufs Fahrpedal und – whowhowhowhowhou! Der Z9 konnte sich nicht entscheiden, ob er links gegen die Leitplanke oder rechts gegen den Lkw donnern wollte. Geradeaus fahren war jedenfalls definitiv nicht sein Plan. Meiner schon.

Der Grund für die Slalomfahrt? Die Lenkung ist schwammig und undefiniert, außerdem reagiert sie verzögert. Dass sie völlig gefühllos ist, brauche ich nicht dazusagen, das ist bei vielen chinesischen Autos ohnehin üblich und stört viele Kunden gar nicht. Nur: Bei einer derartigen Motorleistung wird so etwas zu einem unabschätzbaren Risiko.

Es ist aus genannten Gründen auch bei gemäßigtem Tempo grundsätzlich anstrengend bis schwierig, den Denza Z9 exakt durch Kurven zu zirkeln. Vor allem wegen des verzögerten Ansprechens der Lenkung. Doch wenn man richtig beschleunigt, wird es endgültig heikel – und man sollte viel Platz um sich herum haben. Denn jetzt neigt der Wagen dazu, Schlangenlinien zu fahren, als hätte der Fahrer drei Promille. Vollgas kann zum fatalen Crash führen!

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Fast 3 Tonnen außer Kontrolle
Die elektrische Supersport-Limousine macht einen auf Taycan-Sport-Turismo-Konkurrent, allerdings eine Nummer größer und noch stärker: 5,18 Meter Länge und 3,13 Meter Radstand überragen die Werte des Taycan um mehr als 20 cm, und mit 850 kW/1156 PS ist der Chinese sogar so stark wie der brandneue Porsche Cayenne Turbo Electric, der stärkste Serien-Porsche aller Zeiten. Also noch stärker als der Taycan Turbo GT im absoluten Maximum (1108 PS für zwei Sekunden bei über 90% SoC), der als Sport Turismo nicht zu bekommen ist. Auch das maximale Drehmoment ist mit 1210 Nm beachtlich.

In 2,7 Sekunden wuchtet der dreimotorige Allradler seine 2820 kg DIN-Leergewicht auf 100 km/h, Höchsttempo 270 km/h. Ein Bruchteil der Performance wäre schon mehr als genug, denn das Luftfahrwerk fühlt sich dem Komfort verpflichtet, nicht der Straßenlage. Dass das in China gilt, ist klar. Der Testwagen steht allerdings in Europa-Spezifikation da.

Auch die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig. Davon zeugen ...
Auch die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig. Davon zeugen ...(Bild: Stephan Schätzl)
... mitlackierte Dichtungsgummis und ...
... mitlackierte Dichtungsgummis und ...(Bild: Stephan Schätzl)
... schlecht passende Übergänge.
... schlecht passende Übergänge.(Bild: Stephan Schätzl)

Dabei hätte der Z9 GT technisch gesehen alles, was er braucht. Bis hin zur Hinterachslenkung. Aber offenbar sind dem Hersteller Fahrwerks-Gags wie das Drehen auf der Stelle, der Heckschwenk beim Vorwärts-Einparken oder das Fahren im diagonalen Krebsgang wichtiger, als das Auto bei flotter Fahrt auf der Straße zu halten. Mit den zwei voneinander unabhängigen Motoren an den Hinterrädern könnte man auch Sinnvolleres machen, als sie gegenläufig drehen zu lassen. 

Auch bestenfalls als Gag kann man die aktiven Seitenwangen der Sitzlehnen betrachten. Sie drücken dem Fahrer schon bei leichtester Kurvenfahrt in die Rippen.

Rasantestes Schnellladen
Nicht ins Schleudern kommt der Denza beim Laden, obwohl hier die Performance beinahe noch brachialer ist: Die maximale Ladeleistung beträgt 1300 kW, also zweieinhalbmal so viel wie beim neuen Cayenne. BYD ist dabei, auch in Europa ein eigenes Ladenetz aufzubauen, das diese Ansprüche bedienen kann. Im Idealfall soll der Z9 GT dann von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten laden. Das ist sensationell. Der Akku fasst 122,49 kWh und reicht nach WLTP für 600 Kilometer. Mit Wechselstrom geht nur die Mindestanforderung: 11 kW.

Schnittig mit etwas Design-Folklore
Das Design des Denza Z9 GT ist besser gelungen als sein Fahrwerk, abgesehen von den riesigen Fake Vents (den Luftein- oder -auslassattrappen) an den Seiten. Verantwortlich für die Optik ist Ex-Audi-Designer Wolfgang Egger.

Der durchaus sorgfältig gearbeitete Innenraum verzichtet auf Exotik bei Layout und Materialauswahl. Die Holz-Leder-Metall-Optik kommt gut, Kunststoff oder den aus Sparsamkeitsgründen mittlerweile auch im automobilen Oberhaus gern genutzten „Klavierlack“ sucht man hier vergebens. 

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Wirklich hochwertig wirkt das alles dennoch nicht. Vor allem die lieblos in das, was wie Displays aussieht, hineingefrästen Luftauslässe im Cockpit sind irritierend. Der Testwagen war mit Kameras und Displays statt Spiegeln ausgestattet, wobei vor allem der Innenspiegel für mich komplett sinnlos war, und zwar aus zwei Gründen: Das Display spiegelt stark, sodass man relativ wenig erkennt. Außerdem muss sich das Auge ständig adaptieren, was ein echter Unsicherheitsfaktor ist. Besonders für (Gleitsicht-)Brillenträger. Anders als bei solchen Systemen üblich kann man ihn nicht einmal auf einen realen Spiegel umschalten. Man kann sich schon fragen, ob Leute, die bei einem Hersteller solche Features freigeben, jemals Auto gefahren sind.

Der Innenspiegel ist digital und lässt sich nicht auf einen klassischen Spiegel umschalten.
Der Innenspiegel ist digital und lässt sich nicht auf einen klassischen Spiegel umschalten.(Bild: Stephan Schätzl)

Den Fahrwahlhebel am Lenkrad kennt man vom ehemaligen Kooperationspartner Mercedes, die Blinker-/Wischerlogik auch.

„Sicherheit, neu definiert“
Das ist kein süffisanter Seitenhieb, sondern ein Marketingspruch von Denza. Der bezieht sich aber nicht auf ein besonders sicheres, stabiles Fahrwerk im üblichen Sinn, sondern auf ein außergewöhnliches Sicherheitsfeature: Im Fall eines Reifenplatzers kann der Denza Z9 GT auf drei Rädern weiterfahren, ohne von der Fahrbahn abzukommen – bei bis zu 180 km/h! 

(Bild: Stephan Schätzl)

Kampfpreis, aber kein Schnäppchen
Zur Markteinführung verschleuderte Denza den elektrischen Z9 GT in Deutschland ab 115.000 Euro. Mittlerweile kostet er 144.500 Euro. Die Ausstattung ist generell so überbordend wie die Motorleistung und reicht vom Matrixlicht bis zum Tiefkühlfach (bis minus 6 Grad) in der Mittelkonsole. Zum Vergleich: Ein Porsche Taycan Turbo S Sport Turismo kommt in Österreich mindestens auf gut 215.000 Euro.

Es wird auch eine Plug-in-Hybrid-Version geben. Die Kombination aus einem Zweiliter-Vierzylinder (207 PS) und drei E-Motoren bietet 870 PS Systemleistung. 

Bei uns in Österreich ist die Marke Denza noch nicht aufgeschlagen. Pardon, angekommen. Das soll allerdings noch in diesem Jahr passieren.

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