Eigentlich nimmt man an, die Autohersteller treiben die Elektromobilität voran, indem sie Elektroautos immer attraktiver machen. So ist das prinzipiell auch bei Mercedes. Doch beim CLA Shooting Brake mit „Hightech-Hybrid“ sieht es so aus, als würden sie auch mit den Verbrennern nachhelfen …
Der Mercedes CLA ist als Viertürer wie auch als Shooting Brake genannter, sportlich geschnittener Kombi erhältlich, außerdem in mehreren Elektroversionen sowie mit 48 Volt hybridisierten Verbrennern. Die Stromer (hier der Viertürer im Fahrbericht!) glänzen mit effizienten Antrieben und Top-Ladeperformance.
Nun haben wir auch einen Verbrenner im Test, und zwar den mit Laderaum.
Zunächst die Schokoladenseiten
Der CLA Shooting Brake ist derzeit wohl einer der lässigsten Kombis auf dem Markt. Flach, elegant und deutlich sportlicher gezeichnet als übliche Familienfrachter. Er will aber auch gar kein Lastwagen sein, sondern gewissermaßen das Coupé unter den Kombis.
Mit 4,72 Metern Länge ist er größer, als seine schlanke Silhouette vermuten lässt. Nur 1,47 Meter hoch, verlangt er Fondpassagieren beim Einsteigen ein kurzes Einziehen des Kopfes ab. Einmal drinnen, gibt es jedoch überraschend wenig zu klagen. Selbst mit knapp 1,90 Meter Körpergröße bleibt hinter dem entsprechend eingestellten Fahrersitz ordentlich Platz für Knie und Kopf.
Auch der Kofferraum ist alltagstauglicher, als die Dachlinie erwarten lässt. 455 Liter passen hinein, nach dem Umlegen der Rücksitzlehnen werden daraus 1290 Liter. Die Ladefläche ist dann fast völlig eben. Der Boden lässt sich zwar nicht variieren, doch dafür öffnet man die Heckklappe ausgesprochen stilvoll: Mercedes-Stern wegklappen, fertig. Kein Herumtasten nach einem schmutzigen Knopf unter der Kante.
Vorne wartet die inzwischen typische Mercedes-Bildschirmwelt. In unserem Testwagen zieht sich der aufpreispflichtige Superscreen als durchgehende Glaswand über das Armaturenbrett. Das sieht eindrucksvoll aus, lässt das Cockpit aber enger wirken, als es tatsächlich ist.
Die Bedienung ist besser geworden, aber noch lange nicht perfekt. Am Lenkrad gibt es Walzen für Lautstärke und Tempomat. Das ist ein klarer Fortschritt gegenüber den Mercedesmodellen der vergangenen Jahre, die an dieser Stelle ausschließlich auf Touchflächen setzten. Einige davon sind trotzdem geblieben und funktionieren noch immer weniger zuverlässig als richtige Tasten.
Qualitativ leistet sich der fast 78.000 Euro teure Testwagen ebenfalls einen kuriosen Ausrutscher: Klopft man mit der Hand aufs Lenkrad, scheppert es wie eine Babyrassel. Baby-Benz hin oder her – das sollte in dieser Preisklasse nicht passieren.
Die Fensterheber folgen einer Idee, die Volkswagen nach einem veritablen Shitstorm bereits wieder verworfen hat: Es gibt nur zwei Schalter, für die hinteren Fenster muss zuerst umgeschaltet werden. Wenigstens nerven sie in Schönheit – sie erinnern an Walflossen.
Spritziger Motor, schläfriges Getriebe
Widmen wir uns dem Elefanten, der längst im Raum steht – dem Antrieb. Unser CLA 220 4Matic ist das stärkste Benzinmodell. Mercedes spricht von einem Hightech-Hybrid. Ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit 190 PS arbeitet dabei mit einem 22 kW starken Elektromotor zusammen, der in die Achtgangautomatik integriert ist. Das ergibt 211 PS Systemleistung und kräftige 380 Nm.
Auf dem Papier passt das. Der 1710 Kilogramm schwere Kombi beschleunigt in 7,2 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 234 km/h. Auch in der Praxis fühlt sich der Antrieb grundsätzlich spritzig an.
Aber: Die Achtgangautomatik ist erschreckend oft mit sich selbst beschäftigt. Rollt man an eine Kreuzung heran und will wieder beschleunigen, vergeht mitunter eine gefühlte Ewigkeit, bis nach dem Tritt aufs Gaspedal etwas passiert. Beim Überholen ist es nicht besser. Erst wartet man, dann sortiert sich das Getriebe, irgendwann kommt der Schub. Manchmal werden die Gänge zudem derart ruppig eingelegt, dass es regelrecht im Gebälk kracht.
Das passt weder zum Anspruch der Marke noch zum ansonsten ausgesprochen entspannten Charakter des Autos.
Denn wenn das Getriebe gerade nicht nervt, fährt der CLA Shooting Brake richtig angenehm. Das tiefergelegte Komfortfahrwerk trifft eine erfreulich gute Balance. Es federt sauber, hält den Aufbau unter Kontrolle und lässt den Kombi auf kurvigen Straßen präzise und leichtfüßig wirken. Auch die Lenkung passt grundsätzlich – abgesehen von seltenen, nicht nachvollziehbaren Eingriffen, obwohl die entsprechenden Assistenzsysteme deaktiviert waren. Lenkkräfte, Lenkgefühl, Präzision – alles top.
Beeindruckend ist außerdem, wie lange der Mercedes segeln kann. Bis Tempo 100 schaltet der Benziner ab, wenn die Bedingungen passen. Ob er dann tatsächlich segelt, hängt davon ab, ob die Straße frei ist, denn der CLA verfügt über adaptive Rekuperation. Ist frei, wird gesegelt, ansonsten bremst der Elektromotor und rekuperiert mit bis 25 kW.
Was sehr für den Antrieb spricht: Unser Testverbrauch von 6,3 Litern pro 100 Kilometer ist für einen 211 PS starken, gut 1,7 Tonnen schweren Allradkombi ausgesprochen gut.
Die Preise
Preislich beginnen sowohl der elektrische als auch der hybridisierte CLA Shooting Brake bei gut 50.000 Euro. Der getestete CLA 220 4Matic kostet mindestens rund 59.000 Euro. Mit fast 20.000 Euro an Extras landet unser Auto knapp unter 78.000 Euro. Darunter befindet sich manches Blingbling, aber auch essentielle Ausstattung – etwa das Navigationssystem.
Fahrzit
Mercedes fahren war noch nie billig. Das ist auch nicht das Hauptproblem dieses CLA. Das Auto selbst ist nämlich gelungen. Es sieht hervorragend aus, ist praktischer als erwartet, fährt komfortabel und bleibt erstaunlich sparsam. Nur das Getriebe passt nicht dazu. Es reagiert zu langsam, schaltet bisweilen ruppig und raubt einem ansonsten feinen Antrieb viel von seinem Reiz. Daher ist der Stromer für uns die bessere Wahl.
Warum?
Dynamischer Auftritt
Geräumiger als erwartet
Feines Fahrverhalten
Warum nicht?
Nervende Getriebeabstimmung
Oder vielleicht …
… einfach die Elektroversion. Dank der Ladeperformance sind auch lange Strecken kein Problem.
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