Wie Mercedes, nur echt

China-Autohersteller zieht Tunnel-Looping durch!

Motor
19.08.2026 09:21
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Auto fährt in einem Straßentunnel die Seitenwand hoch, über die Decke und auf der anderen Seite wieder herunter – so war das vor 16 Jahren in einem legendären Mercedes-Werbespot. Spektakulär, aber Fake. Ein chinesischer Hersteller hat den Stunt nun real umgesetzt. Ist dabei aber auch nicht ganz ehrlich.

Das Augenzwinkern von Michael Schumacher am Ende des Spots verriet es: Computer-Animation hat kräftig nachgeholfen, damit der Flügeltürer-Mercedes SLS AMG im Film sauber seinen Looping fährt und auch sicher wieder landet.

Der Voyah Passion S an der Tunneldecke – die Sekunden nach der Landung werden nicht gezeigt.
Der Voyah Passion S an der Tunneldecke – die Sekunden nach der Landung werden nicht gezeigt.(Bild: Voyah)

Auftritt Voyah. Die Premiummarke des chinesischen Dongfeng-Konzerns wollte das Ganze in echt über die Bühne bringen und schickte dafür den brandneuen Passion S in einen eigens präparierten Tunnel. Gut fünf Meter lang, knapp zwei Meter breit und in der Allradversion rund 2,6 Tonnen schwer. Trotzdem hat der elektrische Brocken offenbar tatsächlich eine komplette 360-Grad-Runde über Wand und Tunneldecke geschafft.

Genauer gesagt waren es nicht die Tunnelwände, sondern eigens aufgebaute Rampen. Außerdem haben sie nicht nur ein Exemplar losgeschickt, wie man an den Reifenspuren (und in Videos auf Social Media) im Tunnel erkennen kann. Wie viele Fahrzeuge vor der endgültigen Aufzeichnung geschrottet wurden, wird nicht bekannt gegeben.

Und eine saubere Landung ist in keinem Video zu sehen. Auch das offiziell „ungeschnittene“ Video reißt ab, kurz bevor das Auto endgültig wieder in der Spur ist. Vermutlich ist es gegen die Tunnelwand gekracht und wurde zerstört. Ein komplettes Video des Stunts mit einem vorher und nachher unbeschädigten Voyah Passion S scheint es nicht zu geben.

Prinzipiell ist die Aktion keine Hexerei, sondern reine Physik. Der Voyah musste nach Angaben des Herstellers mit ungefähr 130 km/h in die Konstruktion fahren. Der Lenkwinkel beim Übergang auf die gebogene Tunnelwand: exakt 16 Grad. Danach heißt es Geschwindigkeit halten und hoffen, dass die Fliehkräfte groß genug bleiben, um das Auto auch kopfüber gegen die Fahrbahn zu drücken.

Viel Spielraum gibt es offenbar nicht. Schon drei bis fünf km/h weniger hätten laut Voyah gereicht, damit der rund 2,6 Tonnen schwere Wagen den Kontakt zur Tunneldecke verliert.

Voyah betont, dass es sich um ein serienmäßiges Fahrzeug gehandelt habe und der eigentliche Stunt ohne digitale Tricks durchgeführt worden sei. Einen unabhängig zertifizierten Rekordnachweis gibt es allerdings nicht. Entsprechend gilt: Die spektakuläre Aktion ist eine Herstellerdemonstration, kein amtlich bestätigter Weltrekord.

Langweilig ist das Auto dahinter ohnehin nicht. Der Passion S erinnert mit flachem Dach, breiten Hüften und auffälligem Heckspoiler nicht zufällig ein wenig an Ferrari Purosangue und Xiaomi YU7.

Auch beim Antrieb herrscht kein Mangel. In der Allradversion arbeiten vorne 175 und hinten 300 kW starke Elektromotoren zusammen. Macht 475 kW oder 637 PS sowie 765 Nm. Der Strom kommt aus einem 98,1 kWh großen 800-Volt-Akku, als Normreichweite werden nach dem chinesischen CLTC-Zyklus 700 Kilometer angegeben. An Bord ist ein üppiges Arsenal an Sensoren inklusive vier Lidar-Einheiten.

Interessant ist auch der Preis. Die zunächst angebotene Topversion wurde in China für 309.900 Yuan angekündigt – umgerechnet grob 37.000 Euro. Da kann man schon mal ein paar Exemplare für einen guten Stunt opfern.

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