Multiple Sklerose kann auch Kinder und Jugendliche treffen. Eine frühe Diagnose und moderne Therapien ermöglichen heute den meisten Betroffenen ein aktives Leben mit guten Zukunftsperspektiven. Wichtig ist, die ersten Symptome schon rechtzeitig zu erkennen.
Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. In seltenen Fällen beginnt die chronische Erkrankung aber bereits im Kindes- oder Jugendalter. Dank moderner Diagnoseverfahren und wirksamer Therapien können die meisten Betroffenen heute dennoch ein aktives und weitgehend uneingeschränktes Leben führen. Entscheidend ist, die Erkrankung früh zu erkennen und rasch zu behandeln.
Wenn das Immunsystem die Nerven angreift
„Multiple Sklerose entsteht, wenn das Immunsystem irrtümlich die schützende Hülle der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark angreift. Dadurch werden Nervenimpulse nicht mehr zuverlässig weitergeleitet“, erklärt Mag. Dr. Christian Lechner, Oberarzt für Neuropädiatrie an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Pädiatrie I und erster Sekretär der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).
Mag. Dr. Lechner weiter: „Je nachdem, welche Bereiche betroffen sind, können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Die Erkrankung verläuft im Kindes- und Jugendalter in der Regel schubweise, kann im weiteren Verlauf jedoch auch langsam fortschreiten.“
MS im Kindesalter ist selten. Schätzungen zufolge beginnen lediglich drei bis zehn Prozent aller Erkrankungen vor dem 18. Lebensjahr. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 14 bis 15 Jahren, bei Kindern unter elf Jahren tritt die Krankheit nur sehr selten auf.
Europa zählt weltweit zu den Regionen mit der höchsten MS-Häufigkeit. In Österreich weist vor allem Tirol mit jährlich 2,19 Neuerkrankungen pro 100.000 Kindern und Jugendlichen eine vergleichsweise hohe Zahl an pädiatrischen MS-Fällen auf.
Warnsignale früh erkennen
Da unterschiedliche Bereiche von Gehirn und Rückenmark betroffen sein können, zeigt sich die Erkrankung nicht bei allen Kindern gleich. „Zu den häufigsten ersten Anzeichen gehören Sehstörungen durch eine Entzündung des Sehnervs, Taubheitsgefühle oder Kribbeln, Muskelschwäche sowie Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme. Manche Kinder entwickeln außerdem Doppelbilder, Schwindel oder Schluckstörungen“, so der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.
Treten solche Beschwerden erstmals auf oder kehren sie wiederholt zurück, sollte eine kinder- und jugendärztliche Abklärung erfolgen. Besteht der Verdacht auf MS, werden die Betroffenen an spezialisierte neuropädiatrische Zentren überwiesen.
Früher Therapiebeginn verbessert die Prognose
Kinder und Jugendliche erholen sich nach einem MS-Schub häufig schneller als Erwachsene. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie wichtig eine rasche Diagnose ist. Moderne Medikamente können dazu beitragen, die Zahl der Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
„Je früher mit einer hochwirksamen krankheitsmodifizierenden Therapie begonnen wird, desto besser lässt sich der Krankheitsverlauf langfristig beeinflussen“, betont Mag. Dr. Lechner. Er hat sich unter anderem auf entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems im Kindes- und Jugendalter spezialisiert.
Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt
Warum manche Menschen an Multipler Sklerose erkranken und andere nicht, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken.
Als Risikofaktoren gelten neben einer genetischen Veranlagung unter anderem eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus sowie starkes Übergewicht im Kindes- und Jugendalter. Diese Faktoren erhöhen zwar das Risiko, führen aber in den allermeisten Fällen nicht dazu, dass ein Kind tatsächlich an Multipler Sklerose erkrankt.
Unterstützung für die ganze Familie
Die Diagnose MS löst bei Familien oft große Verunsicherung aus. Neben der medizinischen Behandlung stehen heute jedoch zahlreiche Unterstützungsangebote zur Verfügung. Je nach Bedarf können Kinder und Jugendliche eine Rehabilitation in einem spezialisierten Kinder- und Jugend-Rehabilitationszentrum mit neurologischem Schwerpunkt in Anspruch nehmen.
Physiotherapie, Ergotherapie, psychologische Begleitung und weitere Therapieangebote helfen dabei, den Alltag zu bewältigen und die Selbstständigkeit zu fördern. Weitere Informationen finden Eltern auf der Internetplattform „Kinderärzte im Netz“ der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).
Zudem gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass regelmäßige Bewegung bei jungen MS-Patienten positive Effekte hat. Sportliche Aktivität kann sich sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Gesundheit günstig auswirken. Eine bessere Fitness wird bei Kindern mit Multipler Sklerose unter anderem mit einer geringeren Krankheitsaktivität in Verbindung gebracht.
„Für Jugendliche ist außerdem wichtig zu wissen, dass die Therapie auch in beschwerdefreien Phasen konsequent fortgesetzt werden sollte. Damit schaffen Jugendliche die besten Voraussetzungen, langfristig aktiv zu bleiben und ihren Alltag uneingeschränkt gestalten zu können“, ergänzt Mag. Dr. Lechner.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.