Trotz Entschuldigung

Sager wirkt nach: Mütter-Aufstand gegen Kanzler

Innenpolitik
07.08.2026 19:55

Mamma mia: Bundeskanzler Stocker lieferte mit Aussagen zur Kinderbetreuung einen Eklat. Nach heftiger Kritik entschuldigte er sich auch offiziell. Die „Krone“ hat Mütter im ganzen Land nach ihrer Meinung dazu gefragt. Und die haben eine klare Meinung.

Der Kanzler sucht bei seiner Sommertour die Nähe zu den Bürgern. Beim jüngsten Tour-Halt in Salzburg baute Christian Stocker jedoch eine meterhohe Mauer auf. Eine der wie immer vorab ausgewählten Teilnehmerinnen fragte den ÖVP- und Regierungschef nach mehr finanzieller Unterstützung für Mütter. Die Antwort stieß viele Frauen vor den Kopf.

Donnerstag, 17 Uhr: Im Hotel Pitter startet die öffentliche Fragerunde. Kurz nach Beginn steht eine Frau im Publikum auf und wendet sich an Stocker: „Herr Bundeskanzler“, fragte sie, „wie wollen Sie Frauen und Kinder glaubwürdig unterstützen, wenn das politische System sie im Alltag mit unbezahlter Care-Arbeit, finanziellen Belastungen und struktureller Unsichtbarkeit alleine lässt?“ Österreichs Frauen würden pro Woche 96 Stunden unbezahlte Kinderbetreuung leisten.

Der Kanzler im Wortlaut

„Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit, weil Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen. Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als Business Case sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe. Familie ist Verantwortung für einander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, Familie ist etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen. Ich habe meine Kinder nicht erzogen als Rechenbeispiel.“

Stockers Antwort sorgt im Saal für Erstaunen und Empörung. Und selbst die sonst redegewandte Moderatorin Arabella Kiesbauer bleibt kurz sprachlos zurück. Kiesbauer, selbst zweifache Mutter, sieht sich zu einer Klarstellung genötigt: „Ohne uns Mütter würde das System zusammenbrechen ...“

Zitate für die Ewigkeit

Stocker ist nicht der Einzige, der für (s)einen brisanten Sager in Erinnerung bleiben wird. Ein kleiner Auszug:

  • „Wahlkampf ist die Zeit der fokussierten Unintelligenz.“ – Michael Häupl 2005
  • „Und das wird heute was G’scheites in Donawitz oder das übliche Gesudere?“ – Alfred Gusenbauer 2008
  • „Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig.“ – Häupl 2015
  • „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist.“ – Norbert Hofer 2021
  • „Und? Habts scho Mittag gessen? Ja? Ja?“ – Sebastian Kurz 2016
  • „So sind wir nicht.“ – Van der Bellen 2021
  • „Wisst‘s, was die billigste warme Mahlzeit in Österreich ist? Ist nicht gesund, aber billig: Ein Burger bei McDonalds.“ – Karl Nehammer 2023

Der Sager, der Stocker länger nicht loslassen wird, sorgte für viel politischen Nachhall. Grünen-Chefin Leonore Gewessler schrieb: „Mamas verdienen keine Verhöhnung.“ FPÖ-Chef Herbert Kickl sprach ebenfalls von „Verhöhnung“ und erinnerte an das „Burger-Gate“ von Karl Nehammer. Die ÖVP blieb leise. Niederösterreichs Landeschefin Johanna Mikl-Leitner schrieb: „Ich kenne unseren Kanzler so, dass er meint, dass unsere Kinder für uns Eltern bei aller Arbeit aber vor allem noch viel mehr Freude bedeuten.“

Aber auch in der Bevölkerung fühlen sich viele vor den Kopf gestoßen, die „Krone“ hat sich umgehört:

„Ich empfinde diese Aussage als eine Frechheit. Zu behaupten, dass Kinderbetreuung zu Hause keine Arbeit sei, wird der täglichen Leistung vieler Eltern überhaupt nicht gerecht.“

Stefanie Pichler (33), Braunau

„Ich bin selbst zweifache Mutter. Diese Aussage ist einfach nur heftig und herabwürdigend. Generell werden Mütter vom Staat Österreich viel zu wenig wertgeschätzt!“

Lisa Ortner (36), Klagenfurt

„Als sechsfache Mutter verstehe ich die Aussage von unserem Bundeskanzler nicht. Ich würde ihn gerne zu meinen Kindern und mir einladen, damit er sich überzeugen kann, was alles zu tun ist.“

Anita Schildberger (46), Melk

„Ich habe zwei Kinder, und deren Betreuung ist die wichtigste und herausforderndste Aufgabe, die es gibt. Man hat 24 Stunden am Tag Arbeit – ohne Feiertage und Krankenstand.“

Ciara Alonzo, Graz

„Kinderbetreuung ist viel härter als jeder andere Job, den ich bisher gemacht habe. Jeder, der behauptet, dass es einfach sei, dem gebe ich gerne mal mein zweijähriges Kind für ein Wochenende.“

Silvia (45), Thüringerberg

„Herr Stockers Aussage ist an Realitätsferne kaum zu überbieten! Familie bedeutet Verantwortung und täglich unbezahlte Arbeit. In welcher Zeit leben Sie, Herr Bundeskanzler?“

Sophie Forcher (46), Birgitz

Die Aussage kam politisch zur Unzeit, just drei Tage vor dem Equal Pension Day — jenem Tag, an dem Männer bereits so viel Pension bezogen haben wie Frauen bis Jahresende.

Am Tag danach dämmerte das dem Kanzler. „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch“, schrieb er. „Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung