Dass der Audi A4 mittlerweile A5 heißt, daran haben wir uns schon gewöhnt. Jetzt gibt es ihn auch als RS5 mit 639 PS, und wieder müssen wir uns an etwas Neues gewöhnen: Erstmals ist sportliche Mittelklasse-Topmodell ein Plug-in-Hybrid! Damit bringt es allerdings auch eine halbe Tonne mehr auf die Waage als der Vorgänger. Ob und wie man das spürt, haben wir auf dem Großglockner erfahren...
Es ist nicht das erste Mal, dass beim sportlichsten Mittelklasse-Audi die Zahlen durchgewürfelt werden: Aus dem Audi 80 Avant wurde 1994 mithilfe von Porsche der legendäre RS2 abgeleitet. Ein Allrad-Kombi mit 315 PS aus einem Turbo-Fünfzylinder. Soetwas hatte es bis dahin nicht gegeben. Die Nachfolger durften sogar Achtzylinder unter der Fronthaube führen, beim bislang letzten RS4 war es ein 2,9-l-V6 mit 450 PS.
Nur Hubraum gleich
Auch im neuen RS5 steckt ein 2,9-l-V6, allerdings hat dieser bis auf die Hubraumzahl nichts gemeinsam mit dem Vorgänger-Motor. Statt Wastegate wurde nun ein Turbo mit Variabler Geometrie verbaut, die Kühlung wurde verändert, der Motor arbeitet nun nach dem Miller-Zyklus, bei dem die Einlassventile früher schließen, der Wirkungsgrad erhöht und gleichzeitig der Verbrauch gesenkt wird. Zwanzig Prozent weniger Sprit soll dieser Motor im Hochlast-Betrieb weniger brauchen als jener im Vorgänger. Gleichzeitig leistet er mit 510 PS um 60 PS mehr.
Bis zu 80 km elektrisch
Der Verbrenner erhält erstmals auch Elektro-Unterstützung: Ein an die Achtgang-Tiptronic angehängter E-Motor steuert 177 PS bei, damit machen sich in Summe 639 PS über alle vier Räder her – und satte 825 Nm Drehmoment. Der E-Motor holt seinen „Saft“ aus 22 kWh (netto) großen Akkus, die allerdings nur mit einem 11-kW-AC-Stecker geladen werden können. Oder mittels Rekuperation bzw. über die Lichtmaschine. Rein elektrisch soll der RS5 mit einer vollen Ladung über 80 km weit stromern – und das sogar mit künstlichem Sechszylinder-Sound aus den Boxen.
Boost für zehn Sekunden
Gedacht ist die Elektro-Unterstützung aber für ein Plus an Leistung: In 3,6 Sekunden schieben die zwei Motoren das 2370 kg schwere Auto aus dem Stand auf 100 km/h, das ist drei Zehntel schneller als der RS4. Die volle Leistung wird entfaltet, wenn man den „Boost“-Knopf am Lenkrad drückt. Der wirkt zehn Sekunden lang, in jedem der sieben Fahrmodi.
Driften wie nie zuvor
Denn die spreizen sich vom Elektro-Betrieb EV über RS Sport bis hin zu RS Torque Rear – und damit lässt den RS5 so quer fahren wie noch kein Mittelklasse-Audi zuvor. Dabei will dieser RS5 eigentlich jede Kurve so exakt und schnell wie möglich fahren, sogar der Verlauf von bekannten Rennstrecken ist im Infotainment (erstmals hat auch der Beifahrer einen eigenen Bildschirm) gespeichert: Dafür haben die Ingenieure ein elektromechanisches Differential an der Hinterachse verbaut.
Bis zu 2000 Nm an ein Rad
Und das funktioniert so: Ein kleiner E-Motor mit nur 11 PS und 40 Nm schickt in Kurven für 15 Sekunden bis zu 2000 (!) Nm an jenes Rad, das mehr Grip hat. Und tatsächlich spürt man, wie der RS5 damit gierig aus jeder Kurve herausbeschleunigt. Und das gepaart mit einer Lenkungen, die jeden Befehl direkt ausführt, wie auf Schienen. „Es fühlt sich nicht mehr wie ein Audi an, sondern um eine brutale Stufe besser“, verrät ein Ingolstädter stolz. Das Fahrwerk mit den neuen Zweiventil-Dämpfern ist überraschend komfortabel, lässt gleichzeitig kaum Rollbewegung zu.
Über elf Zentimeter länger
Das alles hat aber einen Preis. Nicht nur die 108.300 Euro für die Limousine bzw. die 110.400 Euro für den Avant, zu dem in Österreich ab diesem Sommer 80 Prozent der RS5-Kunden greifen werden. Es ist ist das Gewicht: Mit 2370 kg ist der Neue um eine halbe Tonne schwerer als der Vorgänger, den er mit 4,90 Metern Länge (+11,4 cm), 2,90 Metern Radstand (+7,7 cm) und 2,10 Metern Breite (+7,7 cm) deutlich überragt.
Ob man das spürt? In den Kurven nicht. Aber auf der Bremse fühlt es sich danach an. Dabei steht der RS bei der Bremsung von 100 auf 0 km/h schon nach 30,5 Metern, damit vier Meter früher als der Vorgänger. Und er hat erstmals auch an der Hinterachse Carbon-Keramik-Scheiben. Standard sind Stahlscheiben, sogar in Verbindung mit dem Sport-Paket – mit dem nicht bei 250 km/h, sondern erst bei 285 km/h abgeregelt wird.
Einen Haken hat der E-Antrieb noch: Vom Kofferraum blieben wegen der Akkus nur noch 361 Liter übrig. Aber Schönheit hat eben ihren Preis. Und mittlerweile auch, dass es noch Sechszylinder gebaut werden.
Warum?
Sensationell direkte Lenkung
Driften wir nie zuvor in einem Mittelklasse-Audi
Warum nicht?
Hohes Gewicht
Kleiner Kofferraum
Oder vielleicht...
BMW M3, Mercedes-AMG C 63 S E Performance
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