Landwirte unter Druck

Gurkerl-Alarm: Heimische Ware wird verdrängt

Österreich
28.07.2026 11:01

Ob zur Brettljause, am Würstelstand oder als Garnitur zum Fiakergulasch – das süßsaure Essiggurkerl gehört einfach dazu. Doch wer glaubt, dass dieses kulinarische „Kulturgut“ am Teller automatisch auch in Österreich angebaut wurde, irrt sich gewaltig: Bei einem Test stammte nur jedes achte Glas von heimischen Produzenten.

Saure Zeiten für Österreichs Gurkerlbauern: Billige Importware und fehlende Herkunftsangaben machen es schwer, heimische Produkte im Supermarktregal sichtbar zu halten. Ein aktueller Store-Check zeigt: Nur bei jedem achten Essiggurkerl-Glas ist klar erkennbar, dass die Gurken aus Österreich stammen.

In den getesteten Gläsern stecken häufiger Gurken aus dem Ausland als aus Österreich. Genannt ...
In den getesteten Gläsern stecken häufiger Gurken aus dem Ausland als aus Österreich. Genannt wurden unter anderem die Türkei, Polen und Deutschland.(Bild: Krone-Collage/Kwangmoozaa - stock.adobe.com, EkaterinaVladimirova - stock.adobe.com)

Der Verein „Wirtschaften am Land“ hat 98 Gurkerl-Produkte in Supermärkten und Diskontern in drei Bundesländern überprüft. Bei 56 Gläsern blieb die Herkunft der Gurken im Dunkeln. Das ist möglich, weil für eingelegte Gurken keine verpflichtende Herkunftsangabe auf dem Etikett gilt. Für den Konsumenten wird damit der Griff zum heimischen Produkt zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Einlegegurken anzubauen, ist aufwendig, zeitintensiv und erfordert sorgfältige Handarbeit. ...
Einlegegurken anzubauen, ist aufwendig, zeitintensiv und erfordert sorgfältige Handarbeit. Gleichzeitig gelten in Österreich höhere Produktionsstandards, etwa bei den Arbeitsbedingungen.(Bild: Land schafft Leben)

Essiggurkerl aus Indien
Besonders auffällig ist die Situation bei den Eigenmarken der Handelsketten: Von 40 überprüften Produkten wiesen gerade einmal fünf Österreich als Ursprungsland klar aus. 31 Eigenmarken-Gurkerl kamen ganz ohne Herkunftskennzeichnung ins Regal. Wo Hersteller auf Nachfrage Auskunft gaben, zeigte sich zudem ein klares Bild: In den Gläsern stecken häufiger Gurken aus dem Ausland als aus Österreich. Genannt wurden unter anderem die Türkei, Polen und Deutschland. Bei neun Produkten wurde Indien als Ursprungsland angegeben.

Franz Waldenberger (Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ), Robert Pichler (Wirtschaften am ...
Franz Waldenberger (Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ), Robert Pichler (Wirtschaften am Land) und Thomas Krahofer (Geschäftsführer efko) fanden bei der Pressekonferenz deutliche Worte für die Probleme der Gurken-Bauern. (vlnr.)(Bild: Wirtschaften am Land)

Höhere Standards 
Für die heimischen Betriebe ist das ein harter Wettbewerb. Der Anbau von Einlegegurken ist aufwendig, zeitintensiv und verlangt viel Handarbeit. Gleichzeitig gelten in Österreich höhere Produktionsstandards, etwa bei den Arbeitsbedingungen. Das hat seinen Preis – und genau hier geraten heimische Gurkerl gegenüber billiger Importware ins Hintertreffen.

Efko-Geschäftsführer Thomas Krahofer fordert bei der heutigen Pressekonferenz einen Schulterschluss von Landwirtschaft, Politik und Handel: „Wer hohe Standards erwartet, muss faire Wettbewerbsbedingungen ermöglichen. Nur so können wir die Versorgungssicherheit gewährleisten und die Wertschöpfung im Land behalten.“

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Wir importieren Gurkerl vom anderen Ende der Welt, während die österreichischen Gurkerlbetriebe ums Überleben kämpfen.

Maria Fanninger, Gründerin „Land schafft Leben“

Maria Fanninger, Gründerin von „Land schafft Leben“ beschäftigt sich eingehend mit der österreichischen Lebensmittelproduktion und warnt: „Dass wir bei den Eigenmarken mehr indische als klar gekennzeichnete heimische Produkte im Regal vorfinden, sollte uns wachrütteln. Wir importieren Gurkerl vom anderen Ende der Welt, während die österreichischen Gurkerlbetriebe ums Überleben kämpfen.“

Dabei ist die Gurkerlproduktion gerade in Oberösterreich ein wichtiger Wirtschaftszweig. Rund 90 Prozent der österreichischen Einlegegurken werden dort angebaut, doch die Anzahl der Betriebe schrumpft. „Es gab einmal 400 Produzenten in diesem Bundesland, heute sind es nur noch 12 Betriebe“, mahnt Präsident Franz Waldenberger von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

Selbstversorgung gefährdet
Die Selbstversorgung mit Gurkerl in Österreich sei bereits von 80 auf 50 Prozent gesunken, so Waldenberger. Wer diesen Negativ-Trend aufhalten möchte, muss beim Einkauf bewusst zu österreichischen Produkten greifen. Nur wenn die Herkunft transparent auf dem Etikett steht, kann jeder selbst entscheiden, ob er heimische Bauern unterstützen und damit auch die Produktion im eigenen Land sichern will.

 

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