„Würde wieder töten“

Keine Reue nach Terroranschlag: Lebenslang

Kärnten
27.05.2026 20:37

Sechs Opfer hat der Terroranschlag von Villach im Vorjahr gefordert: Ein 14-Jähriger wurde bei dem Messerattentat ermordet, fünf weitere Menschen schwer verletzt. Der dafür angeklagte Syrer zeigt sich beim Hochsicherheitsprozess am Klagenfurter Landesgericht zwar geständig – doch ohne Reue. Das Urteil: Lebenslang!

Zwei Tage hätte der Terrorprozess dauern sollen, doch schon nach nicht einmal einer Stunde waren die Plädoyers der Rechtsvertreter abgeschlossen – danach wurde der Angeklagte erstmals ausführlicher befragt. Der 24-Jährige sitzt gesichert hinter Panzerglas, bewacht von vier schwer bewaffneten Beamten. Weißes Hemd, schwarze Hose, regungsloser Blick: Während des Prozessauftakts in Klagenfurt verzieht er keine Miene. Nur einmal lächelt er: Als ein beklemmendes Tatort-Rekonstruktions-Video abgespielt wird, das auch ihn zeigt.

Aussagen sorgen für Fassungslosigkeit
„Ich habe schon alles gesagt“, erklärt der Kurde zunächst knapp. Doch auf die Fragen des Gerichts geht er schließlich doch ein – und sorgt mit seinen Aussagen für Fassungslosigkeit. Der Angeklagte gibt an, sich weiterhin der Terrororganisation Islamischer Staat verpflichtet zu fühlen.

Reue? Fehlanzeige. Er bereue nichts, würde alles noch einmal genauso machen. Mehr noch: Er würde sogar „noch mehr Menschen töten – mindestens zehn waren das Ziel“. Männer zwischen 14 und 45 Jahren – so, „wie es der IS vorgibt“.

Der Prozess startet am Mittwochvormittag in Klagenfurt.
Der Prozess startet am Mittwochvormittag in Klagenfurt.(Bild: Kerstin Wassermann)

Dabei hatte seine Geschichte einst völlig anders begonnen. Der heute 24-Jährige war ursprünglich aus Syrien geflüchtet, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. „Ich hatte damals Angst um mein Leben“, hatte er der Polizei erzählt. Seine Familie floh ebenfalls und wurde über verschiedene Länder Europas verteilt. 

Blitzradikalisierung innerhalb von drei Monaten
Doch dann folgte laut den Ermittlungen eine Blitzradikalisierung: Innerhalb von nur drei Monaten wurde aus dem zuvor unauffälligen jungen Mann ein mutmaßlicher IS-Kämpfer. Auch heute fühle er sich der Mission der Terrororganisation weiterhin verpflichtet. Sein Ziel sei es, an der Errichtung eines Staates des IS mitzuwirken.

Auf die Frage des Richters, wo dieser Staat entstehen solle, antwortet der Angeklagte ohne Zögern: „Auf der ganzen Welt.“

Attentat in Villach dauerte nur 84 Sekunden
Die Tat selbst wird durch das oben erwähnte Video in den Gerichtssaal geholt. Es zeigt, wie der Attentäter durch die Villacher Innenstadt streift, wo das Leben pulsiert. 

Und dann sind es letztlich genau 84 Sekunden. So lange dauerte es, bis für viele Menschen nichts mehr so war wie zuvor. Denn in dieser kurzen Zeit wurden sechs Menschen Opfer des terroristischen Angriffs – insgesamt verliefen zwischen der ersten Messerattacke und der Verhaftung sechs Minuten. Zwei weibliche Polizeibeamte waren übrigens die ersten Einsatzkräfte beim Täter; sie konnten ihn überwältigen und fesseln. „Er hat sich nicht gewehrt“, sagen sie.

Heute sitzt der 24-Jährige dafür als verdächtiger Terrorist und Mörder auf der Anklagebank. Im Schwurgerichtssaal von Klagenfurt wurde sogar ein spezieller Glasverschlag errichtet, um ihn zu isolieren. Denn an seiner Gefährlichkeit hat sich auch in langer Einzelhaft nichts geändert. „Es war eine monströse Tat“, sagt auch der Gerichtspsychiater. „Die mit keiner Erkrankung oder psychischen Störung erklärt werden kann.“ Der religiöse Fanatismus, der Wahn, mache fassungslos. „Aber man kann nur danebengehen und sagen: Das gibt es also auch.“

Denn das Ziel des binnen drei Monaten online radikalisierten Attentäters sei es gewesen, als Märtyrer zu sterben, Angst und Schrecken zu verbreiten, „die Zivilgesellschaft zu erschüttern“, wie es heißt. Das ist ihm nicht gelungen. „Wir sind Villach“ ist zum Synonym für Zusammenhalt, Gemeinschaft und Stärke geworden.

Und wie ahndet die Zivilgesellschaft so ein Verbrechen? Die Höchststrafe beträgt lebenslange Haft, die von der Staatsanwältin auch gefordert wurde. Die Geschworenen brauchen nicht lange, um dem zu folgen: Einstimmiger Schuldspruch wegen terroristischer Straftaten, vor allem wegen des Mordes und des Mordversuches – lebenslange Haft, nicht rechtskräftig.

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