Studie mit Uni Wien

Geburtenstarke Länder blockieren Gleichstellung

Österreich
29.05.2026 16:13
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universität Wien kommt zu dem Schluss, dass die Entwicklung der Weltbevölkerung Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen und Männern bremsen könnte. Warum das demnach Länder mit hohen Geburtenraten blockieren ...

Sollen Frauen im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt dieselben Chancen wie Männer haben? Oder: Sind Frauen ebenso geeignete politische Führungspersonen? Die Antworttendenzen auf diese Fragen präsentieren sich in Umfragen im weltweiten Schnitt recht stabil. Einer Studie im Fachmagazin „PNAS Nexus“ zufolge liegt dies zum Teil an hohen Geburtenraten in Ländern mit recht dominanten klassischen Geschlechterrollenvorstellungen. Westliche Länder und andere driften eher auseinander.

Daten aus fast 80 Ländern ausgewertet
Die Forschenden untersuchten, wie Menschen weltweit über Geschlechtergerechtigkeit denken. Für die Untersuchung wurden Daten aus internationalen Umfragen aus den Jahren 1995 bis 2022 ausgewertet. Insgesamt flossen Informationen aus fast 80 Ländern ein, in denen rund 85 Prozent der Weltbevölkerung leben. Die Forschenden stellten fest, dass die Unterstützung für Geschlechtergleichstellung in vielen Ländern zwar zugenommen hat. Betrachtet man jedoch den weltweiten Durchschnitt, zeigt sich kaum Veränderung.

Laut der Studie liegt das vor allem daran, dass sich westliche und nicht-westliche Länder unterschiedlich entwickeln. In vielen westlichen Staaten steigt die Unterstützung für Gleichberechtigung stärker an. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in Ländern mit traditionelleren Rollenbildern oft schneller, weil dort die Geburtenraten höher sind.

Die Forschenden erklären, dass Länder mit geringerer Unterstützung für Gleichstellung häufig mehr Geburten verzeichnen. Außerdem bekommen Frauen mit eher traditionellen Ansichten im Durchschnitt früher und mehr Kinder. Da Eltern ihre Werte oft an ihre Kinder weitergeben, könne dies dazu beitragen, dass sich klassische Rollenbilder länger halten.

Laut den Autoren sei in der Studie ersichtlich, dass demografische Entwicklungen gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen bremsen oder verhindern können. Niedrige oder hohe Geburtenraten beeinflussen also nicht nur die Altersstruktur der Bevölkerung, sondern auch, welche Werte und Einstellungen in einer Gesellschaft bestehen bleiben. Die Forschenden betonen aber auch, dass dabei viele andere Faktoren eine Rolle spielen – etwa Bildung oder allgemeine gesellschaftliche Trends. Trotzdem könne die Bevölkerungsentwicklung eine „starke kulturelle Kraft“ sein.

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