Akupunktur

Wie feine Nadeln bei Schlafproblemen helfen

Regeneration & Schlaf
17.05.2026 17:00

Schäfchenzählen klappt bei Ihnen nicht, um leichter einzuschlafen? Nur ein Grund, warum immer mehr Menschen bei Schlafproblemen auf Akupunktur setzen. Doch helfen die feinen Nadeln wirklich gegen nächtliches Grübeln und Wachliegen? Und für wen lohnt sich diese Methode überhaupt? Dr. Michael Saletu klärt auf.

Wer nachts stundenlang wachliegt, ständig aufschreckt oder in der Früh wie gerädert aufsteht, sucht oft nach einer Lösung ohne Medikamente. Akupunktur gilt dabei für viele als sanfte Alternative. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass diese Methode bei bestimmten Schlafproblemen hilft – allerdings nicht bei allen.

„Am besten wirkt Akupunktur bei Schlaflosigkeit, wenn diese durch Stress, innere Anspannung oder ein ‚überdrehtes‘ Nervensystem verursacht wird“, erklärt Schlafmediziner Dr. Michael Saletu. Gute Einsatzgebiete sind demnach Einschlaf- und Durchschlafstörungen mit häufigem nächtlichen Erwachen sowie stress- oder emotionsassoziierte Schlaflosigkeit. Auch Menschen, die trotz ausreichender Schlafdauer keinen erholsamen Schlaf haben, berichten teils über Verbesserungen.

Studien und Metaanalysen zeigen, dass Akupunktur die subjektive Schlafqualität und die empfundene Schwere von Schlaflosigkeit verbessern kann. Wichtig zu wissen ist aber: „Schlafmedizinische Fachgesellschaften sprechen bislang jedoch keine allgemeine Empfehlung dafür aus“, so Dr. Saletu.

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Akupunktur kann in manchen Fällen dabei helfen, den Einsatz von Schlafmitteln zu reduzieren, bitte jedoch nie eigenmächtig die Dosierung ändern.

Schlafmediziner Dr. Michael Saletu

„Weniger geeignet ist Akupunktur hingegen als alleinige Behandlung, wenn die Schlafstörung eine klare körperliche Ursache hat – etwa bei obstruktiver Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) oder dem Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine mit starkem Bewegungsdrang, besonders in Ruhe oder am Abend). Auch bei Schlafproblemen durch Alkohol bzw. bestimmte Substanzen oder bei sehr kurzer Schlafdauer reicht Akupunktur nicht aus. Hier sind Medikamente oder kognitive Verhaltenstherapie oft wirksamer, Akupunktur wird dann bei Bedarf ergänzend eingesetzt“, berichtet Dr. Saletu. In solchen Fällen sei eine schlafmedizinische Abklärung wichtig.

Wie läuft die Behandlung ab?
Vor dem Start ist eine ausführliche Anamnese erforderlich: Der spezialisierte Facharzt spricht mit dem Patienten über sein Schlafverhalten, Stress, Emotionen und Begleitsymptome wie Herzklopfen oder Grübeln. Danach nimmt der Arzt eine Einteilung nach der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) vor, z.B. ob innere Unruhe („Shen“) oder ein Mangel an beruhigenden Körperressourcen („Yin-Mangel“) vorliegt. Er wählt die Akupunkturpunkte aus und setzt die Nadeln, die dann 20 bis 30 Minuten an der Stelle bleiben. In der Zwischenzeit ruht sich der Patient aus.

Üblich sind sechs bis zehn Sitzungen, ein- bis zweimal pro Woche. Viele Patienten bemerken erste positive Veränderungen nach zwei bis vier Terminen, eindeutigere Effekte oft erst nach Abschluss der Serie. Nebenwirkungen gelten als selten und mild, wenn die Akupunktur fachgerecht durchgeführt wird. Gelegentlich kommt es zu kleinen Blutergüssen, Müdigkeit oder kurzfristigen emotionalen Reaktionen.

So sehen die Erfolgschancen aus
Wie gut die Erfolgschancen sind, hängt stark von der Ursache der Schlafstörung ab. Studien zufolge profitieren am ehesten Menschen mit stressbedingter oder vegetativ bedingter Schlaflosigkeit. „Akupunktur kann in manchen Fällen dabei helfen, den Einsatz von Schlafmitteln zu reduzieren, bitte jedoch nie eigenmächtig die Dosierung ändern!“, betont Dr. Saletu. Besonders sinnvoll sei sie als Teil eines Gesamtkonzepts mit Schlafhygiene, Entspannungsverfahren oder kognitiver Verhaltenstherapie.

Probleme mit Akupressur „wegdrücken“?
Hier werden dieselben Punkte mit Fingerdruck statt mit Nadeln stimuliert. Auch dafür gibt es positive Studien zur subjektiven Schlafqualität, allerdings ist die Datenlage schwächer als bei der Akupunktur. Akupressur eignet sich gut als Selbsthilfemaßnahme für Menschen mit Angst vor Nadeln oder zwischen zwei Akupunktur-Sitzungen. Die Wirkung gilt als milder – dafür aber als unkompliziert, alltagstauglich und risikoarm.

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