„Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen.“ Dieser Satz wird dem früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt zugeschrieben. Doch Visionen können Politik auch beleben. Im aktuellen Grazer Wahlkampf ist es wohltuend, wenn Parteien mit mutigen Konzepten an die Öffentlichkeit gehen. Nach der ÖVP setzen nun auch die NEOS eine Duftmarke.
Wahlkampf in Graz? Nun, im Stadtbild ist das erst in homöopathischen Dosen zu spüren. Die Masse an Plakaten und Wahlkampfständen in der Herrengasse wird aber sicher noch folgen. Inhaltlich legen es die Parteien bisher sehr unterschiedlich an: Die KPÖ surft auf der Beliebtheitswelle von Bürgermeisterin Elke Kahr und verspricht im Grund nur eine Fortsetzung der bisherigen Politik. Ähnlich legen es die Grünen an: Vizebürgermeisterin Judith Schwentner hofft, dass jener Teil der Wählerschaft, der ihre Verkehrswende gutheißt, treu bleibt.
Die FPÖ wirbt und plakatiert fleißig – aber vorerst nicht mit Spitzenkandidat René Apfelknab, der bisher generell kaum in Erscheinung getreten ist, sondern mit Landeshauptmann Mario Kunasek. Er ist eher eine Wohlfühlkampagne, sie soll das Feld für die Blauen im schwierigen urbanen Raum aufbereiten.
Zu kämpfen hat die SPÖ, die unbedingt wieder in den Stadtsenat will. Spitzenkandidatin Doris Kampus setzt auf das Thema Gesundheit und spricht bei Auftritten auch über ihre private Situation: Ihre Tochter Flora hat eine Behinderung. Es ist vor allem ein Problemaufriss, wiewohl es mit einem Gesundheitszentrum für jeden Bezirk und einem „Welcome Center“ für Ärzte auch schon Lösungsvorschläge gibt. Ähnlich verhält es sich mit dem KFG, der den seit Jahren verschleppten Stadion-Ausbau thematisiert.
Gibt es auch echte Visionen? Ja. Die ÖVP hat mit einem spektakulären Vorschlag für zahlreiche neue Tief- und Parkgaragen rund um die Innenstadt und am Stadtrand aufhorchen lassen. Und die NEOS streben, wie sie heute bekannt gegeben haben, zumindest 1000 Mitarbeiter weniger in der Stadtverwaltung und eine Halbierung der Kosten für Politiker und Parteien an. Beide Vorstöße kann man belächeln – es sind aber immerhin Versuche, Politik über das tägliche Klein-Klein hinaus zu denken.
In den nächsten Wochen bitte noch mehr davon. Ich wünsche Ihnen einen schönen Donnerstag!
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