ÖVP-Vorstoß für Graz

Riesen-Parkgaragen sollen Verkehrsproblem lösen

Steiermark
24.04.2026 13:39

Über kaum ein Thema wird in Graz so leidenschaftlich debattiert wie über den Verkehr. Die ÖVP legt nun im Wahlkampf ein Konzept vor, das mehrere große Parkgaragen abseits des Stadtzentrums vorsieht – von Webling über Gösting bis Don Bosco. Die Pläne sind teils spektakulär, einige laut Experten auch rasch umsetzbar.

Die Stoßrichtung der aktuellen Grazer Stadtregierung, insbesondere der grünen Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, ist klar: mehr Radwege, mehr Öffis, weniger Autos und Parkplätze. Die ÖVP kritisiert das seit Jahren, spricht von „Dauerstau und Baustellenchaos“ und sorgt sich um die Innenstadtwirtschaft, die für Autofahrer nur noch schwer erreichbar sei. „2000 Parkplätze wurden gestrichen, der öffentliche Verkehr wurde aber nicht merklich ausgebaut“, kritisiert Spitzenkandidat Kurt Hohensinner.

Am Freitag legten er und Klubobfrau Anna Hopper ein Konzept vor, das Mobilität und Parken „neu denken“ soll. Es ist „ein großer Wurf“, so Hohensinner. „Es ist nicht der KI entsprungen, sondern basiert auf unseren Gemeinderatsinitiativen der vergangenen viereinhalb Jahre.“

Von links: Guido Strohecker, Anna Hopper, Kurt Hohensinner und Kurt Fallast
Von links: Guido Strohecker, Anna Hopper, Kurt Hohensinner und Kurt Fallast(Bild: Christian Jauschowetz)

Mehr Autos unter der Erde, mehr Platz an der Oberfläche
Der Ansatz: Mehrere große Parkgaragen am Stadtrand bzw. am Rande der Innenstadt sollen den Kfz-Verkehr abfangen, attraktive Öffi- und Radverbindungen (mit Rad-Verleihsystemen an allen Standorten) die Menschen dann in die Innenstadt bringen. Dort soll es mehr Platz für Menschen und Grünflächen geben. Internationale Vorbilder sind Städte wie Laibach, Amsterdam, Barcelona, Utrecht und Groningen.

Die aktuellen Tiefgaragenkapazitäten seien bei Weitem nicht ausreichend: In Graz kommen statistisch 30 Einwohner auf einen Stellplatz – in Salzburg sind es elf Bewohner, in Linz zehn. Zudem sind in einigen Garagen die meisten Stellplätze fix vermietet, nur noch 20 bis 30 Prozent der Kapazitäten würden „Gastparkern“ zur Verfügung stehen. 

Verkehrsplaner Kurt Fallast und Architekt Guido Strohecker haben daher für die ÖVP ein Konzept ausgearbeitet, das in Summe mehr als 12.000 neue Parkplätze vorsieht – durch den Ausbau bestehender Standorte wie am Murpark, aber auch durch teils völlig neue, visionäre Konzepte.

Bis zu 6000 Parkplätze in Webling
Der spektakulärste Plan ist wohl eine Hoch- und Tiefgarage direkt im Verteilerkreis Webling. Sie alleine soll bis zu 6000 Stellplätze bieten und einen Großteil der aus dem Süden kommenden Einpendler abfangen. „Die Fläche wird derzeit jämmerlich genutzt“, meint Fallast. Die Straßenbahnlinie 5 müsste bis zur Garage verlängert werden.

Fallast und Strohecker sehen in Webling auch das Potenzial als „Logistik-Hub“: Lastwagen und Lieferautos könnten hier Ware abliefern, die dann über Transportstraßenbahnen zum Andreas-Hofer-Platz gebracht wird, die „letzte Meile“ der Zustellung übernehmen schließlich Lastenräder und E-Transporter.

Vision für den Obi-Parkplatz in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße
Vision für den Obi-Parkplatz in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße(Bild: Strohecker & Partner Architekten)

Dachpark beim Obi-Parkplatz
Ebenfalls aufsehenerregend ist das Konzept für den Obi-Parkplatz in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße: Dieser könnte zu einer Hoch- und Tiefgarage mit 1100 Plätzen ausgebaut werden. Mit der Bim-Linie 4 wäre eine ideale Anbindung ans Zentrum gegeben. Architekt Strohecker sieht zudem die Möglichkeit eines grünen Dachparks. Das wäre attraktiv für die Bewohner der großen Messequadrant-Siedlung, die direkt daneben gerade errichtet wird.

Standorte von Don Bosco bis Andritz
Das Potenzial für gleich 2000 Parkplätze wird im Bereich Don Bosco gesehen, konkret auf einem derzeit brachliegenden Grundstück neben dem Dialysezentrum. Öffentliche Anschlüsse bieten hier diverse Buslinien, die Straßenbahnlinie 4 (Haltestelle „Jochen-Rindt-Platz“) und eine künftige Bimlinie 8. Auch könnte die Tiefgarage Parkdruck aus dem neuen Stadtteil Reininghaus nehmen. 

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Wir sind überzeugt: Das ist ein Zukunftskonzept, das realisierbar ist. 

ÖVP-Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner 

Die weiteren Standorte im ÖVP-Konzept: eine neu errichtete Tiefgarage am Andreas-Hofer-Platz (400 Pkw), eine Park-und-Ride-Anlage bei der Maut Andritz mit 1000 Plätzen (die ist derzeit zwar schon in Planung, aber deutlich kleiner) und eine ebenso große Anlage in Gösting im Bereich der Exerzierplatzstraße (gegenüber dem Interspar). In diesem Bereich planen die ÖBB ja einen neuen Bahnhof, auch die Straßenbahn soll bis hierhin verlängert werden. Primär für Anrainer gedacht ist eine Innenstadtgarage am Lendkai (Ecke Pflanzengasse) mit 400 Plätzen.

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Wir wollen nicht mehr Autos in die Innenstadt bringen, sondern sie von der Oberfläche bringen.

Verkehrsplaner Kurt Fallast

Private Investoren notwendig
Ist das alles nur eine Vision? Nein, betont Strohecker: Mit den jeweiligen Grundeigentümern seien Vorgespräche geführt worden, alle haben sich grundsätzlich interessiert gezeigt. Einige Projekte wie Murpark, Andritz oder Lendkai könnten relativ rasch umgesetzt werden. Das gilt auch für Don Bosco, wo es bereits eine Genehmigung für eine Tiefgarage gibt. Andere wie Gösting oder der Obi-Parkplatz sind mittel- bis langfristig zu sehen. 

Aber wer soll es finanzieren? Aus dem angespannten Stadtbudget alleine wird es kaum möglich sein. Hohensinner spricht von einer „Mischform zwischen Stadt und privaten Investoren“, es würde ausgetüftelte Modelle geben.

NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner (rechts) mit Ralph Kranner
NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner (rechts) mit Ralph Kranner(Bild: Neos Steiermark)

NEOS wollen Fahrverbote für Pendler
Auf einen Ausbau von Park-&-Ride-Anlagen drängen übrigens auch die NEOS, der Ausbau würde derzeit nur „schleppend“ verlaufen. Ralph Kranner, der auf dem vierten Listenplatz kandidiert, macht auf jüngste Aussagen von Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl aufmerksam, wonach die Autobahngesellschaft im Norden und Süden der Stadt Grundstücke reserviert hat – in Hinblick auf die Sanierung des Plabutschtunnels in den 2030er-Jahren, die Graz in Sachen Verkehr stark belasten wird.

NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner fordert weiters ein stadtweites Fahrverbot für Pendler-Durchzugsverkehr auf Nebenstraßen und verweist etwa auf die prekäre Verkehrssituation am Ruckerlberg: „Die Menschen in den Wohngebieten haben ein Recht auf Lebensqualität. Schleichverkehr, Lärm und gefährliche Situationen sind für sie längst unzumutbar geworden.“

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