Immer wieder stand hinter dem Unfallkrankenhaus im obersteirischen Kalwang ein Fragezeichen. Nun „brennt der Hut wirklich“, befürchtete am Dienstag Bürgermeister Mario Angerer eine Schließung des Spitals. Die AUVA dementiert die Gerüchte allerdings, diese würden jeglicher Grundlage entbehren.
Rückblick in das Jahr 2018: Damals standen Schließungen von Unfallspitälern in Österreich im Raum, auch Kalwang galt als Wackelkandidat. Mitten im Hochsommer gab es Proteste der Belegschaft. Dann ein Machtwort aus Wien: Es werden keine Standorte zugesperrt.
„Nach ein paar Jahren Ruhe kann die Diskussion wieder von vorne losgehen“, befürchtete damals Bürgermeister Mario Angerer (ÖVP). Jetzt scheint es so weit zu sein. Mittels offenem Brief wandte er sich am Dienstag plötzlich an die Öffentlichkeit: „Im Raum steht, dass das über die Region hinaus bekannte und für die Obersteiermark unverzichtbare UKH Kalwang kurz vor der Schließung stehen könnte. Als Gründe werden notwendige Einsparungen der AUVA, notwendige Kooperationen und strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen genannt.“
Dass es Veränderungen braucht, ist klar. Ein Zusperren ist aber nicht akzeptabel.

Bürgermeister Mario Angerer (ÖVP)
Bild: Christian Jauschowetz
Klares Dementi von der AUVA
Angerer warnt vor „dramatischen Auswirkungen für die ganze Region“, falls der mehr als hundert Jahre alte Standort geschlossen werden sollte. Es geht um mehr als 200 Arbeitsplätze und etwas mehr als 2000 Operationen, die pro Jahr durchgeführt werden. Der Bürgermeister berichtet gegenüber der „Krone“ von Gesprächen mit Verantwortlichen der AUVA, Mitarbeitern und Belegschaftsvertretern, die seine Befürchtung nähren: „Es brennt wirklich der Hut.“ Im September sollen in Wien die Würfel fallen.
Von der AUVA heißt es allerdings auf „Krone“-Anfrage: „Es gibt keinerlei Überlegungen zur Schließung unseres Standortes Kalwang, eine der beiden Säulen unseres UKH Steiermark.“ Der Fokus liege jedenfalls auf „dem Ausbau zukunftsfähiger und sinnstiftender Kooperationen mit dem Land Steiermark und der Kages. Beste Beispiele dafür sind unsere Erstversorgungsambulanz Graz-West sowie die kürzlich beschlossene Rettungskooperation in Graz.“
Auch in einem Schreiben an Angerer heißt es noch am Dienstag klar und deutlich: „Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage.“ Ähnliches steht in einem Brief an die Mitarbeiter des Unfallkrankenhauses.
Landesregierung reagiert rasch
Die blau-schwarze Landesregierung hat rasch auf den Vorstoß von Angerer reagiert. Noch am Dienstag ging ein Brief von Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ), Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) und Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) an die AUVA, in dem man sich klar für den Standort Kalwang ausspricht. Auch FPÖ-Klubobmann Marco Triller äußerte sich ähnlich, SPÖ-Chef Max Lercher kritisiert, gemeinsam mit 16 regionalen Bürgermeistern, dass die Gesundheitspolitik immer stärker auf Zentralisierung ausgerichtet sei.
Zusammenarbeit mit Rottenmann gefordert
Bürgermeister Angerer sieht aber auch die Landesregierung gefordert. Es müsse eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem UKH Kalwang und dem nicht weit entfernten LKH Rottenmann geben. Dieses Spital soll ja modernisiert werden und den neuen Schwerpunkt Unfallchirurgie bekommen. „Kalwang und Rottenmann dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beide Standorte könnten einander sinnvoll ergänzen“, plädiert er für eine Kooperation. Diese hat er schon im Herbst des Vorjahres angeregt.
Auch die AUVA steht laut eigenen Angaben „jederzeit“ für konstruktive Gespräche zur Verfügung. Bedauerlicherweise sei man in solche Strukturüberlegungen bis dato nicht eingebunden.
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