Die Erde erhitzt sich immer weiter, angetrieben vor allem durch das Verheizen fossiler Brennstoffe. Ein neuer Bericht enthüllt, wer die größten Investoren in Kohle, Öl und Gas sind und damit gegen die Klimaziele arbeitet – weltweit und in Österreich.
Global halten Großinvestoren derzeit Aktien und Anleihen von Unternehmen aus fossilen Industrien im Wert von über 6,5 Billionen US-Dollar – Das sind 5720 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie, die von der deutschen NGO Urgewald zusammen mit 25 Partnerorganisationen, darunter Attac Österreich, erstellt wurde.
„Schlechteste Investitionen“
Mehr als 95 Prozent dieser Investitionen fließen in Unternehmen, die ihre fossilen Aktivitäten ausweiten, indem sie neue Öl- und Gasquellen erschließen oder Kohlekraftwerke bauen, erläutert Urgewald in einer Aussendung. „Unternehmen, die ihre fossilen Aktivitäten ausweiten, während der Planet brennt, sind die schlechteste Investition, die man sich vorstellen kann“, kommentiert Heffa Schücking, Geschäftsführerin der NGO, den Bericht.
Demnach gehen fast ein Viertel (23 Prozent) der weltweiten institutionellen Investitionen in fossile Brennstoffe von den US-amerikanischen Vermögensverwaltern Vanguard und BlackRock sowie dem saudischen Public Investment Fund aus. Europas größter Investor ist der norwegische Ölfonds (GPFG).
Erste, Raiffeisen, VIG an der Spitze
Die größten fossilen Investoren in Österreich sind laut dem Bericht die Erste Group (1,7 Milliarden US-Dollar), die Raiffeisen Bankengruppe (1,5 Mrd.) und die Vienna Insurance Group (1,1 Mrd.). Allein diese drei Finanzinstitute stehen demnach hinter 85 Prozent sämtlicher fossilen Investitionen mit Ursprung in Österreich, die insgesamt fünf Milliarden US-Dollar ausmachen.
Laufzeiten bis ins nächste Jahrhundert
Besonders kritisieren die NGOs die langen Laufzeiten von Wertpapieren, in die investiert wird. Weltweit halten die institutionellen Investoren 64 Milliarden US-Dollar in Anleihen, die erst nach 2050 fällig werden – dem Jahr, in dem die Welt null Treibhausgasemissionen ausstoßen dürfte, um die Klimaerwärmung möglichst gering zu halten. Solche Investitionen seien somit unvereinbar mit den Klimazielen. Die fossile Anleihe mit der längsten Laufzeit wurde von Petrobras, dem staatlichen Ölkonzern Brasiliens herausgegeben und läuft bis ins Jahr 2115.
In Österreich ist die Erste Group mit Abstand am stärksten in fossile Anleihen mit besonders langen Laufzeiten investiert. Sie hält auf Holding-Ebene Wertpapiere mit Laufzeiten bis 2051 oder länger im Wert von 27,9 Mio. US-Dollar.
„Investieren in fossile Vergangenheit“
Angesichts der Zahlen in dem Bericht fordert Attac Österreich, fossile Investitionen einzuschränken. Attac-Wirtschaftsexperte Mario Taschwer: „Kohle, Öl und Gas sind weiterhin profitabel, und solange es kein Verbot gibt, werden Finanzakteur*innen auch künftig in die fossile Vergangenheit investieren und so die Klimakrise weiter befeuern.“
Im Bericht wird betont, dass es auch anders geht: Mehrere Vermögensverwalter, darunter mit BNP Paribas Asset Management der drittgrößte in Europa, tätigen keine Investitionen in neue Anleihen von Unternehmen, die neue Öl- und Gasquellen suchen.
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