In exakt einer Woche ist es so weit, knapp 226.000 Grazer sind dazu aufgerufen, einen neuen Gemeinderat zu wählen. Die großen Skandale und Aufreger blieben im Wahlkampf bisher aus, ebenso geizten die Parteien allerdings auch mit Visionen.
„Wahlkampf ist die Zeit der fokussierten Unintelligenz“, sagte der Wiener Ex-Bürgermeister Michael „man bringe den Spritzwein“ Häupl einmal. Nun, Derartiges würde der Politik an dieser Stelle natürlich nie unterstellt werden. Zumal der Wahlkampf in der steirischen Landeshauptstadt bisher ohne große Aufreger über die Bühne geht. Eine Woche vor dem Urnengang sorgte lediglich der rechte Lautsprecher Gerald Grosz jüngst mit bemüht jenseitigen Videos bei der einen oder dem anderen für leicht erhöhten Blutdruck.
Auch mit großen Visionen wurde gegeizt. Da, wie oben erwähnt, aber niemandem Einfältigkeit unterstellt werden soll, geschah dies wohl aus Rücksichtnahme auf die ziemlich klammen Stadtkassen – der Schuldenstand der Murmetropole ist, wie der vieler Gemeinden, in den letzten Jahren ja förmlich explodiert. Einzig die Volkspartei unter Kurt Hohensinner setzte mit der Neugestaltung des Murufers zumindest ein kleines Ausrufezeichen – wobei in Zeiten wie diesen, siehe Stadtkassen ...
Ein wahres Feuerwerk an mehr oder weniger realistischen Ideen feuerten die Neos ab: Sie wollen Schluss mit dem Proporz machen, Dreijährige zum Deutsch-Test schicken und gleich 1000 Mitarbeiter in der Verwaltung mit KI einsparen. Blöd nur, dass Spitzenkandidat Philipp Pointner und Partei-Globetrotter Alexis Pascuttini (Ex-FPÖ und aktuell noch immer KFG-Klubchef) zumindest laut Umfragen damit nicht zu den Wählern durchdringen.
Die Meinungsforscher sehen unisono Amtsinhaberin Elke Kahr und ihre KPÖ am 29. Juni vorne. Doch die lagen bekanntlich mit ihren Einschätzungen schon oft daneben, oft kilometerweit. Das ist auch aktuell die einzige Hoffnung der Konkurrenz: Für die ÖVP, dass es doch ein Match um Platz eins gibt. Für die Koalitionspartner Grüne und SPÖ, dass sich doch irgendwie eine Neuauflage der Links-Regierung ausgeht. Für die Freiheitlichen, dass die blaue Welle trotz eines völlig farblosen Spitzenkandidaten doch nicht bricht. Für die Neos, dass Pointner und Pascuttini eben doch überzeugen. Und letztlich für den KFG, dass es sich doch mit dem Einzug in den Gemeinderat ausgeht.
Genießen Sie Ihren Sonntag!
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