Die Prostatakrebs-Früherkennung steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Neue bildgebende Verfahren könnten Tausende Männer vor unnötigen Eingriffen bewahren – und gleichzeitig gefährliche Tumore treffsicherer erkennen. In Österreich wird nun ein umfassendes Screening-Konzept vorbereitet, das genau darauf abzielt.
Die Magnetresonanz-Untersuchung (MRT), die ohne Strahlung auskommt, entwickelt sich zunehmend zum zentralen Baustein der modernen Prostatakarzinom-Früherkennung. Sie wird vor allem nach auffälligen PSA-Blutwerten eingesetzt und kann helfen, unnötige Biopsien zu vermeiden. Auf dieser Grundlage entsteht derzeit ein neues, organisiertes Screening-Modell für Österreich.
PSA-Test brachte ersten großen Fortschrit
Bereits die Einführung des PSA-Tests in den 1990er-Jahren markierte einen Wendepunkt. Laut dem Leiter der Universitätsklinik für Urologie an der MedUni Wien/AKH, Shahrokh Shariat, konnte die Sterblichkeit durch Prostatakrebs dadurch um 51 Prozent gesenkt werden. Während früher etwa jeder zweite Betroffene starb, ist diese Zahl heute deutlich geringer.
PSA-Tests gelten mittlerweile auch laut deutscher Leitlinie als Basis der Früherkennung. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass die früher übliche Tastuntersuchung keinen Stellenwert mehr hat.
Problem: Überdiagnosen und unnötige Eingriffe
Trotz ihres Erfolgs haben PSA-Tests auch Schattenseiten. Sie führen häufig zu Überdiagnosen und Übertherapien. Bei 20 bis 30 Prozent der diagnostizierten Männer wird ein Tumor entdeckt, der zu Lebzeiten nie Probleme verursacht hätte.
Die Folgen: unnötige Biopsien, Operationen und belastende Nebenwirkungen wie Inkontinenz, erektile Dysfunktion oder psychischer Stress.
Zudem ist die Verteilung der Tests unausgewogen. Mehr als die Hälfte der Männer über 80 wird regelmäßig getestet, obwohl sie kaum profitieren. Gleichzeitig erhält nur etwa ein Drittel der Männer zwischen 40 und 70 Jahren – also jener Gruppe mit dem größten Nutzen – überhaupt einen PSA-Test.
MRT erhöht Trefferquote deutlich
Hier setzt die MRT an. Studien zeigen, dass sie die Genauigkeit der Früherkennung deutlich verbessert. Eine internationale Analyse unter Wiener Beteiligung aus dem Jahr 2024 mit Daten von mehr als 80.000 Männern belegt:
Zusätzlich zeigte eine aktuelle Studie, dass MRT-Untersuchungen auch Aussagen über den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf ermöglichen.
Österreich plant organisiertes Screening
In Österreich soll nun ein strukturiertes Früherkennungsprogramm entstehen. Bisher gibt es lediglich ein sogenanntes opportunistisches Screening – Untersuchungen erfolgen also unsystematisch und oft abhängig von Bildung und Einkommen.
Ein breiter Konsensprozess unter Leitung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie sowie des Berufsverbands der Urologen Österreichs hat bereits ein Konzept erarbeitet. Mehr als 70 Beteiligte aus über 20 Organisationen waren eingebunden. Die Finalisierung ist bis Juli 2026 geplant, die öffentliche Kommunikation soll im Sommer starten.
Künftig sollen alle Männer zwischen 50 und 70 Jahren gezielt eingeladen werden. Der Ablauf:
Von 1000 Teilnehmern hätten demnach etwa 100 bis 160 erhöhte PSA-Werte. Nach weiteren Abklärungen würden nur noch zehn bis 30 Männer tatsächlich eine Biopsie benötigen. Bei neun bis 22 Männern würde schließlich ein Karzinom festgestellt.
Effizienter und gerechter
Das neue Modell soll nicht nur präziser, sondern auch effizienter sein. Erwartet werden:
Gleichzeitig sollen gefährliche Tumore besser erkannt werden. Zudem könnte das System sozial gerechter werden, da alle Männer der Zielgruppe gleich eingeladen werden.
Ein Blick nach Irland zeigt das Potenzial: Dort konnte die Zahl der PSA-Tests durch ein organisiertes Screening von 500.000 auf rund 200.000 pro Jahr gesenkt werden.
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