Gut statt Plastik

Neuer VW T-Roc: Vom Spartaner zum kleinen Tiguan

Motor
02.06.2026 01:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Bestseller war der VW T-Roc schon bisher, jedenfalls in Deutschland. Und das, obwohl er streng genommen nur ein leicht hochgestellter Golf-Ersatz mit etwas billiger Innenraum-Anmutung war. Das hat sich mit der zweiten Generation grundlegend geändert: ein echter Wohlfühl-VW.

In Deutschland war der erste T-Roc im vergangenen Jahr das zweitmeistverkaufte Auto überhaupt, hinter dem VW Golf (in Österreich war er aber nicht einmal unter den Top 10 zu finden). Da muss der neue eigentlich richtiggehend einschlagen: Er tritt jetzt eher auf wie ein kleiner Tiguan. Oder genauer gesagt: wie die Coupé-Version eines kleinen Tiguan, weil das Heck ziemlich flach abfällt.

(Bild: Stephan Schätzl)

Er ist um 13 Zentimeter auf 4,37 Meter gewachsen damit an die zehn Zentimeter länger als der Golf; auch der Radstand wurde vergrößert, und zwar um vier Zentimeter auf 2,63 m. Die Front hat einen mächtigen Kühlergrill bekommen, dennoch wirkt sie fast zierlich. Jedenfalls von außen betrachtet. Beim Blick von innen heraus durch die Windschutzscheibe wähnt man sich in einer größeren Klasse.

In die großen Radhäuser passen bis zu 20 Zoll große Räder, am Heck findet man das schon fast obligatorische durchgehende Leuchtenband mit dem rot leuchtenden VW-Logo.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Ein Hoch auf den Innenraum
Der eigentliche Aha-Moment kommt aber beim Einsteigen. Der alte T-Roc war innen bestenfalls zweckmäßig und oft genug Anlass für Kritik. Viel hartes Plastik, wenig Liebe zum Detail. Geschichte. Der neue Innenraum wirkt durchdacht, hochwertig und stimmig. Materialien, die man gern angreift, sauber verarbeitete Flächen und kleine Details, die zeigen, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Selbst das Türfach ist ausgekleidet, und es passt sogar eine 1,5-Liter-Metall-Trinkflasche hinein.

Am Lenkrad befinden sich echte Tasten (danke!), auf der Mittelkonsole ein Lautstärkeregler, mit dem man auch die Fahrmodi einstellen kann. Der Tacho ist ein Display mit mehreren Ansichten, darunter Rundinstrumente oder auch die Navi-Karte, und man findet leicht den Bordcomputer, der den Spritverbrauch für unterschiedliche Strecken anzeigt.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Besonderes Schmankerl: Am Tacho (und am optionalen Head-up-Display) werden auch Navi-Anweisungen aus Google Maps über Apple CarPlay angezeigt.

Bevor es losgeht, noch schnell ein paar Assistenzsysteme deaktivieren. Das funktioniert angenehm unkompliziert, ein paar Tippser genügen. Auch der Travel Assist macht seine Sache gut und lässt sich bei Bedarf auf klassischen Tempomat umschalten. Es sind diese kleinen Dinge, die man im Alltag schätzen lernt.

Ein Auto aus Europa für Europa

Die erste Generation des T-Roc kam 2017 auf den Markt und etablierte sich schnell. Im Modelljahr 2022 folgte ein Update. Im vergangenen Jahr entschieden sich europaweit rund 292.000 Neuwagenkäufer für den kompakten Allrounder, der im portugiesischen Werk Palmela nahe Lissabon produziert wird. Insgesamt wurden bis dato mehr als zwei Millionen Exemplare verkauft. Damit ist der T-Roc nach dem Tiguan das weltweit erfolgreichste SUV von Volkswagen.

Weniger angenehm ist das Rangieren auf engem Raum. Insbesondere an einer Steigung, wenn die Berganfahrhilfe aktiviert ist. Um sie abzuschalten, muss man tief ins Menü eintauchen. Aber auch ohne Berganfahrhilfe ist das Gas-Dosieren teilweise etwas heikel. Das Siebengang-DSG hat ein gewisses Eigenleben. Workaround: Ab der dritten Ausstattung Style kann der T-Roc auch selbsttätig parken.

Auch die Bremsen verlangen etwas Eingewöhnung. Nichts Dramatisches, aber spürbar. Insgesamt fährt sich der VW T-Roc aber wirklich gut. Der Motor ist leise, er zieht gut und macht ganz brav seine Arbeit. Das Getriebe kuppelt oft aus und dann gleitet man gefühlt ewig dahin.

In den Kofferraum passen 475 Liter (30 mehr als früher) bzw. 1350 Liter.
In den Kofferraum passen 475 Liter (30 mehr als früher) bzw. 1350 Liter.(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Mit dem 150 PS starken 1,5-Liter-Mildhybrid-Vierzylinder, der die Vorderachse antreibt, ist der T-Roc absolut ausreichend motorisiert. Obwohl er über 100 kg schwerer ist als sein Vorgänger. Der Testwagen bringt laut Zulassungsschein 1439 kg auf die Waage. Das wird ein Grund dafür sein, dass er statt 8,3 jetzt 8.9 Sekunden von 0 auf 100 braucht. Das Höchsttempo beträgt 212 km/h.

Der Verbrauch liegt in der Praxis bei rund sieben Liter auf 100 Kilometer. Das geht angesichts des Prospektwertes von 5,8 l/100 km sehr in Ordnung.

Fahren: Genau das richtige Gefühl
Was den T-Roc wirklich auszeichnet, ist das Gefühl hinter dem Lenkrad. Die Lenkung wirkt direkt, präzise und vor allem natürlich. Der T-Roc liegt gut, auch in schnellen Kurven, da kommt ihm wahrscheinlich auch sein Sportfahrwerk zugute (gehört zur R-Line). Und trotzdem ist er nicht unkomfortabel. Fahrwerk können sie bei VW, und vieles andere auch (wieder).

Kein Schnäppchen, aber teuer ist anders
Der Basispreis des neuen VW T-Roc beträgt 29.990 Euro, also 3500 Euro mehr als vor zehn Jahren der des Tiguan mit 125 PS. Und dabei hat der Basis-T-Roc hat nur einen 115-PS-Vierylinder unter der Haube. Das Basismodell rollt auf Stahlfelgen, aber es sind praktisch alle Assistenten an Bord – bis auf automatisierte Fahrfunktionen -, der Tempomat ist aber serienmäßig, außerdem Keyless, Parkpiepser vorn und hinten und Einzonen-Klimaautomatik.

(Bild: Stephan Schätzl)

Der gut ausgestattete Testwagen kratzt fast an der 50.000-Euro-Marke, bringt aber auch Ausstattungsdetails wie das wirklich gute Matrix-Fernlicht und das Head-up-Display mit. Das ist viel Geld, keine Frage. Aber es passt ins Bild eines Autos, das sich deutlich über seinem Vorgänger positioniert.

Derzeit hat man nur die Wahl zwischen 115 und 150 PS, Frontantrieb ist obligatorisch. Es folgen jedoch ein 204-PS-Allradler und zwei Vollhybride.

Gelb ist übrigens die einzige aufpreisfreie Lackfarbe. Wer ein ganz normales Weiß will, zahlt extra.

Fahrzit:
Warum nicht gleich so? Der neue T-Roc hat im Vergleich zum Vorgänger einen Quantensprung hingelegt und gibt glaubwürdig den kleinen Bruder des aktuellen Tiguan. Er fühlt sich intuitiv vertraut an, wirkt hochwertig, fährt sich angenehm (wenn man sich an Gasannahme und Bremsgefühl gewöhnt hat) und überzeugt dort, wo man es im Alltag merkt – im Detail.

Warum?
Endlich ein adäquater Innenraum!
Echte Tasten am Lenkrad
Feines Fahrgefühl

Warum nicht?
Indifferentes Bremsgefühl

Oder vielleicht …
… Cupra Formentor, Skoda Karoq, Hyundai Kona, Ford Puma, Toyota C-HR, BMW X1

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