Benzin, Vollhybrid oder reiner Elektriker – das gibt es in der Kleinwagen-Liga alles schon. BYD drängt nun mit einem Plug-in-Hybriden in die Vier-Meter-Klasse, der Dolphin G DM-i verspricht mit vollem Tank und aufgeladenem Akku über 1000 km Reichweite.
Mit über einer Stunde Verspätung startete die Präsentation des Dolphin G am in Berlin, bei einem Kleinwagen mit Plug-in-Hybrid ist der größte chinesische Autohersteller aber der Erste. Genau 4,14 Meter ist der Fünfsitzer mit den zwei Tankdeckeln lang, damit 17 cm kürzer als der ATTO 2 DM-i. „Ein Auto, das speziell für Europa designed wurde“, wie BYD-Vizepräsidentin Stella Li verrät. Genau genommen der erste BYD, der eigens für Europa entwickelt wurde. Gefertigt wird er allerdings in Hefei in China.
Beim Design mit der glatten Front und der durchgehenden Heckleuchte ist der Kleine sofort als BYD erkennbar, in den Radkästen sitzen 16 bzw. 18 Zoll große Felgen. Beim Fahrwerk gibt es nur eine Wahl: vorne McPherson, hinten einfache Verbundlenker.
Im Innenraum findet man Klassen-üblich viel harte Kunststoffe, aber ansehnlich eingerichtet. Sogar Ambiente-Licht strahlt einem entgehen und in den besseren Aufstattung leuchtet einem die Sonne durch das Panorama-Glasdach. Das jedoch dankenswerterweise auch eine Rollo hat.
Im Cockpit ist ein 8,8 Zoll großes Tachodisplay in Klavierlack gebettet, der angezeigte Inhalt dürfte auch hier gerne größer dargestellt werden. Größer ist jedenfalls das Infotainment-Display, je nach Ausstattung stehen 10,1 oder 12,8 Zoll parat. Das System ist Google-basiert, das umfasst natürlich auch das Navi. Unter dem Infotainment befinden sich tatsächlich noch ein paar Tasten und Schalter, z.B. zum Einschalten, für den Fahrmodus oder, um zwischen Hybrid- oder reinen Elektro-Betrieb umzuschalten. Allerdings: Einen Drehregler für die Lautstärke gibt es nicht, die lässt sich nur über das Lenkrad oder den Touchscreen einstellen.
Überraschend viel Platz
In der zweiten Reihe kann ein 1,80-m-Mensch dank 2,61 m Radstand überraschend gut hinter einem Gleichgroßen sitzen, da bleibt sogar noch Platz für die Knie. Und das, obwohl der Kofferraum mit 425 Litern für ein Auto dieser Klasse groß ausfällt. Der 49-l-Tank sitzt nämlich flach unter der Rückbank, die LFP-Akkus im Unterboden.
Zwei Akkus zur Wahl
Bei Letzteren gibt es zwei Größen: Das Einstiegsmodell Active hat bloß 7,42 kWh Akku-Kapazität, damit sind laut WLTP-Norm bis zu 40 km drinnen. Geladen wird auch lediglich mit 3,3 kW. Die Kunden werden wohl eher zu den besseren Ausstattungen Boost, Comfort und Sport greifen: Da sitzt eine Blade-Batterie mit 18,3 kWh im Boden, die für rein elektrische 105 km reichen soll. An der Wallbox sind dann auch nur 6,6 kW Ladeleistung drinnen, dafür geht es auch am Schnelllader – und das mit 39 kWh in 26 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Mittel Vehicle-2-Load kann das Auto auch als Stromspender eingesetzt werden.
Der 163 PS und 210 Nm starke Elektro-Motor arbeitet im Hybrid-Modus mit einem 1,5-l-Vierzylinder-Benziner zusammen – und zwar in mehreren Konstellationen: Der Verbrenner kann als Generator zum Aufladen der Akkus dienen, als alleiniger Antrieb arbeiten oder seine 95 PS und 126 Nm gemeinsam mit dem E-Motor an die Vorderräder schicken. Dann geht es in 8,3 Sekunden von 0 auf 100 km, bei 180 km/h wird abgeregelt. Im Norm-Betrieb soll der Verbrauch bei 4,3 bzw. 4,5 l/100 km liegen, dann sollen sich 1020 bzw. 1040 km ausgehen.
Die erste Ausfahrt
Die versprochene Reichweite konnten wir auf unserer ersten Fahrt unmittelbar nach der Präsentation in Berlin natürlich nicht ausloten, was aber schon auffiel: Der Übergang vom E- zum Verbrenner-Betrieb verläuft überaus leise. Beim Beschleunigen wird auch nicht lärmend aufgeheult. Wie viel vom Akkustand man „aufheben“ will, kann der Fahrer wählen – und dabei zeigte sich: Arbeitet der Benziner dann alleine, gönnt er sich in der Stadt bzw. im Umland auch nur bescheidene 3,5 l/100 km.
Das Fahrwerk steckt selbst übles Kopfsteinpflaster ohne Poltern weg, da hat der chinesische Hersteller deutlich dazugelernt. Die Lenkung ist im Comfort-Modus allzu leichtgängig, in der Einstellung Sport liefert sie dem Fahrer bessere Rückmeldung.
Anfang Juli erfolgt die Markteinführung, Preise für Österreich sind noch nicht offiziell. In Deutschland wird es bei 28.990 Euro losgehen. Als Hauptgegner würde sich der Toyota Yaris aufdrängen, der beginnt hierzulande ab 23.490 Euro, lädt seine Akkus als Vollhybrid allerdings nicht per Stecker auf.
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