Datenblätter sind geduldig, gerade wenn es um die WLTP-Reichweite von Elektroautos geht. Viel interessanter sind reale Testfahrten, wie die des norwegischen Automobilklubs NAF. Aus dem Sommer-Testfeld stachen zwei Kandidaten besonders positiv heraus.
Der NAF fährt den Mega-Test zweimal pro Jahr, einmal unter nordisch-winterlichen, einmal unter nordisch-sommerlichen Bedingungen. Zu nordisch gehört in dem Fall auch, dass Autobahnfahrten, wie bei uns üblich, nicht Teil der Strecke sind. Daher sind die Ergebnisse nur bedingt auf den Alltag hierzulande umzulegen. Autobahn ist zwar dabei, aber man darf in Norwegen nirgends schneller als 110 km/h fahren. Auf Landstraßen gilt in der Regel Tempo 80, in Ortschaften 50.
Andererseits führt die Teststrecke insgesamt bergauf, was den Verbrauch steigert und die Reichweite verringert. Mehr als die Hälfte der Fahrzeuge erreichte die WLTP-Angabe nicht.
Überraschung: Einige Kandidaten der 24 Kandidaten haben die angegebene Reichweite teils merklich übertroffen.
China-Stromer pulverisiert eigene WLTP-Angabe
Besonders hervorzuheben ist diesbezüglich der Xpeng X9, ein chinesischer Van, der bei uns noch kaum bekannt sein dürfte. Er kam 650 Kilometer weit, was per se nicht zum Testsieg reicht, sondern nur zu Platz fünf. Aber: Er schaffte 11,4 Prozent mehr, als seine WLTP-Angabe von 580 Kilometer versprach. Im Ranking der WLTP-Angaben liegt der X9 nur auf Rang 10.
Top ist der Xpeng bei der Ladezeit von 10 auf 80% SoC. Zwar genehmigte er sich eine Minute mehr als versprochen, brillierte aber mit einer Zeit von 13 Minuten! Nur wenig länger brauchte der Smart #5 mit 15 Minuten, wobei er die Angabe sogar um drei Minuten unterschritt.
BMW Sieger im Reichweitenranking
Die beste Realreichweite erzielte der neue BMW iX3 50 xDrive, obwohl nicht einmal die reichweitenstärkste Variante teilnahm. Im besten Fall gibt BMW für den iX3 805 Kilometer an, ausstattungsbedingt gelten für den Testkandidaten jedoch nur 770 Kilometer. Die übertraf der BMW und setzte sich mit realen 781 Kilometern an die Spitze.
Die Ladedauer ist okay, aber nicht Spitze. Von 10 auf 80 Prozent brauchte der iX3 23 Minuten und damit 2 Minuten länger als vom Hersteller versprochen.
Auf den Plätzen folgen der Lucid Gravity mit 720 Kilometern sowie der Mercedes-Benz CLA mit 675 Kilometern. Grundlage waren jeweils Batterien mit 109, 123 bzw. 90 kWh Speicherkapazität.
Der direkte Konkurrent des iX3, der Mercedes GLC, kam auf 665 Kilometer. Er übertraf die WLTP-Angabe um 22 Kilometer. Als er schon stand, fuhr der BMW noch 116 Kilometer weiter.
Kleiner Kia glänzt trotz geringer Reichweite
Obwohl der Kia EV2 in Sachen Reichweite ganz am Ende der Tabelle zu finden ist, darf er sich dennoch zu den Siegern zählen: Er übertraf die angegebene Reichweite um 5,4 Prozent und erzielt damit den zweitbesten Wert aller Kandidaten. Die reale positive Abweichung beträgt 17 Kilometer. Er blieb nach 325 Kilometern stehen.
Die größte negative Abweichung verzeichnete der MG IM6, der statt der versprochenen 505 lediglich 446 Kilometer schaffte. Die größten Abweichungen nach dem MG lieferten der Hyundai Ioniq 9 mit 566 Kilometern (-34 km) sowie der Mercedes-Benz CLA mit 675 Kilometern (-33 km).
Der Test wurde Anfang Juni bei Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad Celsius durchgeführt.
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