„Krone“-Kommentar

„Der schöne Clemens“: Bauerntheater am Küniglberg

Kolumnen
13.06.2026 19:12

Was denken Sie sich, wenn Theaterstücke „Der keusche Adam“, „Die Liab am Almsee“ oder „Valentins Sündenfall“ betitelt sind? Sie tippen wahrscheinlich auf leichte Kost – und haben nicht unrecht. Denn das sind Titel aus dem Repertoire der legendären Löwingerbühne. Die leichte, für manche auch (zu) seichte Kost servierte der ORF vor allem in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfolgreich seinem damals noch weit größeren Publikum. Dieses lachte oder schmunzelte zumindest.

Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Geschäftsführender ...
Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur(Bild: Krone KREATIV/Imre Antal, stock.adobe.com)

Absehbares Finale und schlechte Schauspieler
In dieser Woche erinnerte der ORF an die legendäre Löwingerbühne. Allerdings nicht, weil da auf dem Küniglberg etwas inszeniert wurde, was zum Lachen oder Schmunzeln anregen hätte können. Nein, die Stiftungsratssitzung zur Bestellung des künftigen ORF-Generaldirektors war alles andere als witzig. Aber sie trug andere Merkmale des einfachen Bauerntheaters – womit ich freilich weder die Löwingers posthum beleidigen möchte, noch den Bauernstand. Bauerntheater, das zeichnet sich durch einfache Handlung, absehbares Finale, und oft auch durch schlechte Leistungen der Darsteller und des Regisseurs aus.

Womit man zur Erkenntnis kommen muss: Die Stiftungsratssitzung war wohl unter Löwinger-Niveau. Wie das Theater ausgehen würde, das wusste man in der Republik schon seit Wochen – hatte doch der Bundeskanzler als Schattenintendant dieses Theaters schon über den Ausgang entschieden: „Der schöne Clemens“, also der bisherige APA-Chef Pig, muss gewinnen.

„Der schlaue Heinz“ und „Der brave Gregor“
Leicht fand Schattenintendant Stocker dafür die richtigen Statisten – die in den sogenannten „Freundeskreisen“ von ÖVP und SPÖ formierten Stiftungsräte. Deren Anführer, „Der schlaue Heinz“ und „Der brave Gregor“ machten, was ihnen gesagt worden war. „Der schlaue Heinz“, nicht nur Laiendarsteller, sondern auch noch Laien-Regisseur, heckte mit Helfern einen bezaubernden Plan aus: Die roten Stiftungsräte wählen allesamt den vom schwarzen Kanzler auserwählten Kandidaten Pig, dann reichen die Stimmen auch, wenn ein paar schwarze Stiftungsräte andere Kandidaten wählen. So schaut es doch ganz danach aus, als hätten die Schwarzen frei und unabhängig abgestimmt.

Schlau, oder? Erst recht, wenn sich das Theaterstück in epische Länge zieht – das spricht doch zusätzlich dafür, wie sehr sich der Stiftungsrat mit den Kandidaten auseinandergesetzt hat, bevor er in der Geisterstunde tat, was erwartet wurde. „Spät, aber doch“ ist auch ein Löwinger-Titel …

Wann ist Bauerntheater gut? Wenn es lustig, aber nicht zu seicht ist. Wenn das Publikum nicht für blöd verkauft wird. Genau das aber ist diese Woche am Küniglberg passiert. Kein Applaus, kein Spaß.

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