VW-Chef schonungslos

„Wir waren dabei, unseren Markenkern zu verlieren“

Motor
11.04.2026 12:00

„Wir waren dabei, unseren Markenkern zu verlieren“, sagt VW-Chef Thomas Schäfer. „Verlässliche Autos, die man versteht.“ Er will nun Autos bauen, die dem Namen Volkswagen wieder gerecht werden. Keine Kompromisse mehr. Wir trafen ihn bei einer Art Startschuss für die Markenzukunft.

In den vergangenen Jahren war VW in Europa mit den ID-Modellen (nach anfänglichen Schwierigkeiten) zwar erfolgreich, trotzdem wirken sie nach wie vor wie Fremdkörper im Portfolio. Zu den Gründen gehören das Design, die Materialqualität, die Fahrzeugbedienung und die Modellbezeichnungen. Alles Dinge, die intern auf dem Prüfstand stehen – und nicht bestanden haben.

Vor Journalisten hat VW eine Reihe neuer Modelle präsentiert (ID. Polo, ID. Cross, ID. Polo GTI und ID.3 GTI, die erst zu einem späteren Zeitpunkt offiziell vorgestellt werden). Sie zeigen, dass Schäfer intern viel bewegt hat.

Krone: Herr Schäfer, die neuen Modelle haben viel von dem, was wir seit Jahren bei VW vermisst haben. 
Thomas Schäfer: 

Es gibt einige Dinge, die für mich bei Volkswagen nicht verhandelbar sind. Das eine sind richtige Tasten, insbesondere am Lenkrad. Zweitens: Türen brauchen richtige Griffe. Dann natürlich vier Fensterheber in der Fahrertür und Haltegriffe. Und ein Volkswagen braucht einen echten Namen. Man kann vieles neu denken, aber diese Grundlagen darf man nicht antasten.

Ein Volkswagen muss sich intuitiv bedienen lassen. Und dazu gehören einfach so Grundfeste wie Türgriffe und Knöpfe. Am Ende der vergangenen Dekade gab es den Zeitgeist, ein Auto solle wie ein Smartphone auf Rädern sein. Digital und möglichst nur mit Touch-Oberflächen. Das hat sich aber nicht durchgesetzt. Ein Auto ist kein Smartphone. Selbst in China gibt es jetzt einen Trend zurück. Künftig sind dort wieder manuelle Türgriffe und Hard Keys für bestimmte Funktionen vorgeschrieben.

Der VW ID. Polo ist das erste Fahrzeug einer komplett neuen Generation – echte Tasten und Knöpfe ...
Der VW ID. Polo ist das erste Fahrzeug einer komplett neuen Generation – echte Tasten und Knöpfe halten wieder Einzug.(Bild: Volkswagen)

Die Autos werden jetzt langsam erschwinglicher. Trotzdem ist es so, dass vor nicht allzu langer Zeit günstige Autos halb so teuer waren wie jetzt günstige Elektroautos. Werden Autos in absehbarer Zeit wirklich wieder leistbar? 
Es sind vor allem die Rahmenbedingungen, die Autos aller Hersteller teurer machen. Das merkt der Kunde insbesondere bei den preisgünstigen Modellen überproportional.Jetzt starten wir mit Modellen unserer European Urban Car Family mit Preisen ab etwa 25.000 Euro. Das ist ein wichtiger Schritt. Das geht nur mit einer signifikanten Senkung der Batteriekosten. Vor Jahren wäre es nicht möglich gewesen, diese Autos wirtschaftlich hinzustellen. Der nächste Schritt ist die Serienversion des ID. Every1 zu Preisen ab rund 20.000 Euro. Sie startet im kommenden Jahr. Alles darunter wäre heute nicht darstellbar.

Warum hat es die europäische Autoindustrie seit Jahren so schwer
Verlässlichkeit in den Rahmenbedingungen ist für die Autoindustrie die Basis. Je mehr Klarheit, desto besser. Andere Regionen sind hier weiter. China hat einen Plan. Die USA scheinen einen Plan zu haben. Europa muss sich entscheiden, welchen Weg es gehen will, und diesen dann auch konsequent verfolgen. Für mich gibt es keinen Zweifel, dass die Zukunft der Mobilität in Europa elektrisch ist.

Wie sieht die batterietechnologische Perspektive aus? Geht es Richtung Festkörperbatterie? 
Die Feststoffbatterie wird sicher eine Rolle spielen, deswegen sind wir zum Beispiel bei Quantum Scape auch investiert. Diese Akkus werden im ersten Schritt teurer sein und eher im Premium- und Luxussegment eingesetzt werden. Für Volumenmarken wie uns geht es um kosteneffiziente Batterien, die Reichweite und Preis in ein gutes Verhältnis bringen – etwa Natrium-Batterien oder LFP-Zellchemie mit größeren Reichweiten können hier interessant werden.

Die Fragen wurden bei einem Round-Table-Gespräch gestellt.

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