Experten klären auf:

Wieso Altersgrenzen kaum gegen Hass im Netz helfen

Digital
18.03.2026 12:06
Porträt von krone.at
Von krone.at

Dass ein Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien gegen Extremismus und Radikalisierung wirken kann, ist nicht sicher, erklärten Experten bei einer Online-Pressekonferenz am Mittwoch.

Rechtsextreme, antisemitistische und dschihadistische Akteure würden ihre verqueren Inhalte etwa auch in virtuellen Spiel-(Gaming)Räumen und Messenger-Gruppen unter Jugendlichen verbreiten. Erwachsene wären zudem ebenso gefährdet, durch die sozialen Medien radikalisiert zu werden.

„Hass ist auf Gaming-Plattformen weit verbreitet und scheint stellenweise sogar normalisiert zu sein“, sagte Linda Schlegel vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main in Deutschland. „Dort findet man auch wenig Gegenrede.“ Extremistische Akteure nutzen Gaming auf vielfältige Art und Weise, erklärte sie, etwa durch die Produktion eigener Propagandaspiele, indem sie in den Chats kommerzieller Spiele aktiv sind und auf deren Plattformen ihr Propagandamaterial verbreiten. Darin würden sie auch oft Gaming-Ästhetik und -Bezüge gebrauchen.

Kontakt mit Propaganda führt allein nicht zur Radikalisierung
„Die extremistischen Inhalte und Narrative auf den Gaming-Plattformen unterscheiden sich grundsätzlich nicht von jenen auf Social Media“, berichtete Schlegel. Welche Rolle diese in Radikalisierungsprozessen spielen, sei aber nicht klar. „Das bloße In-Kontakt-Kommen mit Propaganda ist nicht ausreichend, um eine Radikalisierung anzustoßen“, sagte sie.

„Es gibt mehrere zentrale Faktoren, warum Menschen hasserfüllte Inhalte im Internet verbreiten“, so Jörg Matthes vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. „Manche Leute neigen etwa aufgrund bestimmter Persönlichkeitsmerkmale eher dazu, aggressiv und abwertend zu kommunizieren.“ Menschen verbreiten auch manchmal Hass online, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und soziale Anerkennung zu erlangen, erklärte er. „Außerdem entwickeln Opfer von Hasskommentaren häufiger eine höhere Bereitschaft, selber hasserfüllte Inhalte zu verbreiten.“

„Anders als häufig angenommen betrifft solche Radikalisierung (durch soziale Medien, Anm.) nicht nur Jugendliche“, sagte Matthes. „Diese Dynamiken gelten auch für Erwachsene.“ Einzelne Maßnahmen wie Verbote, das Löschen von Inhalten und Bestrafungen würden demnach nicht ausreichen, Extremismus und Hass im Internet zu vermindern. Die Pressekonferenz wurde von „Diskurs. Das Wissenschaftsnetzwerk“ organisiert.

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