„Krone“-Kommentar

So sind sie halt, die (ehemaligen) Großparteien

Kolumnen
18.05.2026 05:00

Wie am Wochenende zu lesen war, haben Stockers ÖVP und Bablers SPÖ die neue Führungsgarnitur des ORF längst ausgepackelt. Diese Mauschelei lief nicht einmal in nobler Diskretion ab. Damit ist der nächste ORF-Chef beschädigt, noch bevor er „gewählt“ wurde.

Überraschend ist das nicht. So sind sie halt, die ehemaligen Großparteien. Sie lernen einfach nicht dazu. Weder aus den Affären der Vergangenheit noch aus den Meinungsumfragen der Gegenwart.

Irgendwie kann man sich schwer des Eindrucks erwehren, die alten Regierungsparteien wollen nur noch eine nette Zeit ihrer vermeintlichen Bedeutung genießen, bevor es mit der Macht final zu Ende geht.

Analysiert für die „Krone“: Innenpolitik-Experte Claus Pándi
Analysiert für die „Krone“: Innenpolitik-Experte Claus Pándi(Bild: Krone KREATIV)

Die von Parteisekretären ins Geschäft der Lobbyisten übergelaufenen obersten ORF-Stiftungsräte von ÖVP und SPÖ sind da nur die Nachtwächter eines untergehenden Systems. Eines Systems, das sich in der Zweiten Republik wie ein pilzartiges Geflecht ausgebreitet und Österreich auf fast unsichtbare Art zusammengehalten hat. Jetzt, mit dem wirtschaftlichen Niedergang, zerfällt auch dieses Geflecht unaufhaltsam.

Der ORF ist ein Symbol für die verzweifelten Versuche der Koalition, die ewigen Proporzverhältnisse zu retten. Die politischen Kräfte, die jetzt am Ruder sind, können oder wollen nichts ändern. Auch weil sie erschöpft sind, weil sie Kritik nur als Beleidigung sehen, weil sie keine Ideen mehr haben, und weil sie selbst die letzten Profiteure der fast alles lähmenden Verhältnisse sind.

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