Europäische Vernetzung

Datenschützer üben Kritik an der ID Austria

Digital
18.03.2026 10:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

Österreich sieht sich zwar als Vorreiter im E-Government, bei der europäischen digitalen Identität droht das Land aber den Anschluss zu verlieren, warnt die Datenschutz-NGO epicenter.works.

Bei einer Pressekonferenz anlässlich eines Treffens des von der EU kofinanzierten „Aptitude“-Projekts sagte Geschäftsführer Thomas Lohninger, dass Österreich bei der Implementierung der aktuellen EU-Regularien, die den Bürgern mehr Datenschutz liefern sollen, im Rückstand sei.

Bis Jahresende sollte für jeden EU-Bürger zumindest ein auf europäischer Ebene interoperables Projekt des „European Digital Identity Wallet“ verfügbar sein, sei es ein in allen Mitgliedsländern verwendbarer digitaler Ausweis oder Führerschein. Dieses sollte dem seit 2024 geltenden EU-Standard eIDAS v2 entsprechen. Auch Österreich sei dazu verpflichtet. Die hiesige ID Austria basiere jedoch noch auf Version 1 aus dem Jahr 2017.

Kein Budget vorhanden
Viele Mitgliedstaaten seien hier hoch aktiv, etwa Deutschland, wohingegen in Österreich kein Geld für die Schaffung interoperabler Systeme zur Verfügung stehe. „Meines Wissens ist dafür noch immer nichts budgetiert“, so Lohninger. Egal welcher Digitalisierungsstaatssekretär hierzulande zuständig sei, ob aktuell Alexander Pröll oder davor Claudia Plakolm (jetzt: Bauer) oder Florian Tursky (alle ÖVP), immer hätten sie die Umsetzung aufgeschoben und auf das gute Funktionieren der heimischen Insellösung verwiesen. Am „Aptitude“-Konsortium ist Österreich auch nicht beteiligt.

Die bei der Pressekonferenz vertretenen Experten betonten, dass der neue Standard mehr Schutz für die Bürger bringe. So könnten die Behörden in Österreich derzeit jede Nutzung der ID Austria überwachen, etwa beim digitalen Altersnachweis oder Führerschein. Künftig soll das nicht möglich sein. Wenn man sich beim Mieten eines Autos mit dem digitalen Führerschein ausweise oder eine Adult-Only-Website für sich freischalte, solle das der Staat nicht automatisch erfahren. Beim europäischen Wallet könne jede Bürgerin und jeder Bürger kontrollieren, welche Daten geteilt werden, unterstrich die französische Telekom-Expertin Claire Levallois Barth.

Warnung vor Big Tech
Eine noch offene Frage ist, wie Privatanbieter und vor allem Big-Tech-Konzerne aus dem ID-Business herausgehalten werden können, erklärte der französische Beauftragte für die Digitale ID, Florent Tournois. Lohninger erinnerte daran, dass etwa Google und Samsung größtes Interesse zeigten, als „Wallet Provider“ aufzutreten. Es brauche nur einen einzigen Mitgliedstaat, der für eine entsprechende Zertifizierung sorgen könnte. „Wir werden die Nutzer definitiv davor warnen“, sagte der Datenschützer.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

krone.at
krone.at
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt