Arbeiter aus Brasilien

Menschenhandel in Tiroler Hotel: Aus mit „Samba“

Tirol
03.05.2026 08:45

Ein massiver Fall von mutmaßlicher illegaler Beschäftigung, der sich bis hin zum Verdacht auf Menschenhandel erstreckt, wurde durch eine koordinierte Aktion der Finanzpolizei und der Tiroler Exekutive aufgedeckt. Auslöser war eine anonyme Anzeige über die unerlaubte Beschäftigung mehrerer brasilianischer Staatsangehöriger in einem Hotelbetrieb im Bezirk Landeck.

Der Verdacht wiegt schwer – nach der Anzeige geriet der Hotelier arg in Bedrängnis, ehe er Besuch von der Finanz, Abteilung Betrugsbekämpfung, und der Polizei bekam. Und der hatte es in sich – es wurde eine umfassende Beschäftigungskontrolle durchgeführt.

Im Waschraum und WC versteckt
Im Hotel selbst löste dies einigen Wirbel aus. Bereits zu Beginn der Kontrolle hätten zwei Personen versucht, sich dem Zugriff der Beamten zu entziehen, indem sie sich in einer Toilette und in einem Waschraum versteckten. „Insgesamt trafen die Beamtinnen und Beamten acht Arbeiterinnen und Arbeiter an, die nicht zur Sozialversicherung angemeldet waren“, heißt es vonseiten der Ermittler.

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Alle acht Personen wurden wegen illegalen Aufenthaltes im Bundesgebiet festgenommen.

Die Ermittler

Da es sich bei den Personen ausschließlich um brasilianische Staatsangehörige handelte, sei umgehend eine Intensivkontrolle unter Einbeziehung der fremden- und grenzpolizeilichen Einheit PUMA der Landespolizeidirektion Tirol initiiert worden. „Die Überprüfung der Reisedokumente sowie der zwingend erforderlichen Bewilligung nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz ergaben, dass diese Papiere gänzlich fehlten. In Folge wurden die acht Personen wegen illegalen Aufenthaltes im Bundesgebiet festgenommen“, so die Ermittler weiter.

Unter anderem die Finanzpolizei deckte die illegale Beschäftigung und den mutmaßlichen ...
Unter anderem die Finanzpolizei deckte die illegale Beschäftigung und den mutmaßlichen Menschenhandel auf.(Bild: P. Huber)

Im Zuge der Kontrolle sei nur ein Dienstnehmer angetroffen worden, der ordnungsgemäß zur Sozialversicherung angemeldet war. „In Summe hatte der Hotelbetreiber für seinen Betrieb nur vier Beschäftigte tatsächlich angemeldet“, hieß es.

Arbeiter angeworben und ausgebeutet
Der Hotelier geriet immer noch ärger in Erklärungsnot – die Schlinge zog sich immer enger. Aufgrund der Gesamtumstände wurde letztlich auch das Landeskriminalamt, Ermittlungsbereich Menschenhandel, eingeschaltet. „Es bestand der dringende Anfangsverdacht, dass die Arbeitskräfte im Zuge ihrer illegalen Beschäftigung gezielt ausgebeutet worden sein könnten.“

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Bei den Vernehmungen brachen sie jedoch ihr Schweigen und gaben zu, bereits in Brasilien gezielt für die Arbeit in Tirol angeworben worden zu sein.

Die Ermittler

Die Brasilianer hätten zunächst noch behauptet, sich ausschließlich als Urlauber im Hotel aufzuhalten. „Im Rahmen umfangreicher Vernehmungen brachen sie jedoch ihr Schweigen und gaben zu, bereits in Brasilien gezielt für die Arbeit in Tirol angeworben und vom Hotelbetreiber illegal beschäftigt worden zu sein“, schildern die Ermittler.

Damit habe sich neben dem Verdacht auf gewerbsmäßige Schwarzarbeit auch der schwerwiegende Verdacht erhärtet, dass die Brasilianer Opfer von Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung geworden sind.

Hausdurchsuchung, weiterer Aufgriff
Bei einer gerichtlich bewilligten Hausdurchsuchung seien diverse Datenträger als Beweismittel sichergestellt worden. Zudem wurde bei dieser Kontrolle ein weiterer Brasilianer bei Arbeiten in der Hotelküche angetroffen. „Auch für ihn lagen weder eine Bewilligung nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz noch eine Anmeldung zur Sozialversicherung vor“, hieß es.

Strafen und strafrechtliche Konsequenzen
Auf den Tiroler Hotelier warten nun empfindliche Strafen und auch strafrechtliche Konsequenzen. Es folgen Anzeigen nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz, dem allgemeinen Sozialversicherungsgesetz und dem Arbeitszeitgesetz. In Summe erwarten den Arbeitgeber Strafen in Höhe von rund 40.000 Euro. Zudem werde wegen des Verdachts auf Unterentlohnung ermittelt.

Doch damit nicht genug: Außerdem werde ermittelt, wie die Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter erfolgte. Entsprechende Anzeigen und Kontrollmitteilungen an das Finanzamt und die Finanzstrafbehörde sowie an die Österreichische Gesundheitskasse würden folgen.

Zuden ergehen Anzeigen an die Staatsanwaltschaft Innsbruck aufgrund des Verdachts des Menschenhandels und der organisierten Schwarzarbeit nach dem Strafgesetzbuch sowie die Ausbeutung eines Fremden nach dem Fremdengesetz.

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