„Leute sehen es ein“

Immer mehr Gemeinden prüfen jetzt eine Poolsteuer

Österreich
02.05.2026 14:46

Während Waldbrände aktuell Hochsaison haben, schwappen Österreichs Becken wieder über. Bei 200.000 Pools ist auch eine Wasserknappheit zu befürchten – Gemeinden arbeiten deshalb mit allen Tricks. Eine Poolsteuer ist nur eine Möglichkeit.

Sobald die Temperaturen steigen, beginnt in Österreich ein sehr spezielles Ritual: Meist wird ab dem 1. Mai geschrubbt, angeschlossen – und vor allem gefüllt, was das Zeug hält. Was nach harmloser Sommerfreude klingt, bringt vielerorts aber die Wasserversorgung an ihre Grenzen. Denn Österreich ist längst ein echtes „Land der Pools“: Mindestens 200.000 private Schwimmbecken gibt es laut Wirtschaftskammer im Land. Und die haben es in sich. Ein Standardpool verschlingt mit rund 45.000 Litern Wasser in etwa so viel, wie ein Mensch pro Jahr Trinkwasser verbraucht.

Das eigentliche Problem ist nicht die Menge
Das Hauptproblem ist jedoch nicht der Verbrauch über das Jahr hinweg, sondern die wenigen Tage im Frühjahr, in denen plötzlich alle gleichzeitig den Hahn im Garten aufdrehen. Werden viele dieser Becken gleichzeitig gefüllt, geraten vor allem kleinere Versorgungssysteme rasch an ihre Grenzen. Studien zeigen, dass der Wasserbedarf in einzelnen Gemeinden kurzfristig auf ein Vielfaches ansteigen kann – in Extremfällen sogar auf mehr als das Zwanzigfache des normalen Tagesverbrauchs.

Die Auswirkungen sind längst keine Theorie mehr. In oberösterreichischen Gemeinden wie Schwertberg wurde bereits beobachtet, dass Hochbehälter leer laufen können, wenn zu viele Haushalte gleichzeitig ihre Pools befüllen. Sinkender Wasserdruck, Versorgungsprobleme und im schlimmsten Fall Schäden im Leitungssystem sind mögliche Folgen.

Rein ins kühle Nass! Für mehr als die Hälfte der Österreicher gehört ein Pool zum persönlichen ...
Rein ins kühle Nass! Für mehr als die Hälfte der Österreicher gehört ein Pool zum persönlichen Ausstattungstraum. Doch damit es funktioniert, braucht es Regeln.(Bild: Markus Wenzel)

Verbot zur Poolbefüllung „noch nie so früh notwendig“
Auch aus der Steiermark und dem Burgenland kommen Warnungen, in Griffen in Kärnten wurde erst vor wenigen Tagen per Verordnung untersagt, den Rasen zu gießen oder Pools zu befüllen. Dies gelte so lange, bis es ausreichend Niederschlag gebe und die Trinkwasserversorgung wieder gesichert sei. „Wir haben solche Verordnungen schon gehabt, aber was auffallend ist, das war noch nie so früh notwendig“, sagte Bürgermeister Josef Müller dem ORF Kärnten.

Für Gemeindebund-Chef Johannes Pressl ist klar, dass die Situation ernst genommen werden muss, ohne in Alarmismus zu verfallen: „Österreich ist grundsätzlich ein wasserreiches Land. Aber unsere Infrastruktur ist nicht dafür ausgelegt, dass innerhalb weniger Tage enorme zusätzliche Mengen entnommen werden. Genau diese Spitzen sind das Problem.“ Pressl betont, dass viele Gemeinden bereits reagieren – mit einfachen, aber effektiven Maßnahmen: „Es geht nicht um Verbote, sondern um Organisation. Wenn die Befüllung koordiniert abläuft, lassen sich Engpässe in den meisten Fällen vermeiden.“

Mit diesen „Tricks“ arbeiten die Gemeinden
Tatsächlich setzen immer mehr Gemeinden auf Poolfüllkalender, Terminvergaben oder Anmeldepflichten für größere Wassermengen. Im Burgenland etwa sind nur eine begrenzte Anzahl an Befüllungen pro Tag erlaubt, andere Orte verlangen eine Anmeldung mehrere Tage im Voraus. Digitale Tools erleichtern die Planung zusätzlich. Das Prinzip dahinter ist simpel: Nicht alle gleichzeitig – sondern gestaffelt über Wochen hinweg.

Auch Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig sieht in der Koordination den entscheidenden Hebel: „Wasser ist in Österreich ausreichend vorhanden, aber wir müssen verantwortungsvoll damit umgehen. Gerade in Zeiten zunehmender Trockenperioden ist es wichtig, Verbrauchsspitzen zu vermeiden und Ressourcen klug zu nutzen.“ Der Minister verweist außerdem darauf, dass 900 Projekte für Österreichs Wasserinfrastruktur genehmigt wurden.

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Klare Regeln sind keine Schikane, sondern dienen der Versorgungssicherheit. Trinkwasser und Löschwasser haben Vorrang. Am Ende wird jeder Pool befüllt.

Gemeindebund-Chef Johannes Pressl

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Bitte mit Wasserversorgern oder der Gemeinde abstimmen, bevor Sie ihre Pools befüllen. Unsere Infrastruktur ist leistungsfähig, aber nicht grenzenlos belastbar.

Wasserminister Norbert Totschnig

Die Ausgangslage wird komplexer: Während in manchen Regionen – wie etwa in ganz Niederösterreich – schon Waldbrandgefahr herrscht und Böden austrocknen, steigen gleichzeitig die Wasserentnahmen in den Siedlungsgebieten. Ein Widerspruch, der sichtbar macht, wie sensibel das System geworden ist. Dabei zeigt die Praxis, dass Lösungen funktionieren können. In mehreren Gemeinden beteiligen sich bis zu 90 Prozent der Poolbesitzer freiwillig an koordinierten Befüllsystemen. 

Poolsteuer „notwendig und angemessen“
Auch über eine etwaige Poolsteuer hat sich die Aufregung inzwischen gelegt – zumindest in Oberösterreich. „Die Leute sehen ein, dass es notwendig und angemessen ist“, sieht sieben Jahre nach der Einführung der ersten Poolsteuer in Österreich Josef Bleckenwegner, Bürgermeister von Eberschwang in Oberösterreich, entspannt auf die anstehenden „Fülltage“ in seiner Gemeinde. Je nach Poolgröße werden pro Jahr 37 bis 72 Euro fällig. „Das Geld ist für die Wasserversorgung gewidmet“, heißt es aus der Gemeinde, die zwei zusätzliche Hochbehälter gebaut hat, um die Versorgung auch in trockenen Zeiten, wie aktuell, sicherzustellen.

Inzwischen wurde Eberschwang zum Vorbild für andere Kommunen. „Ständig rufen Zuständige aus anderen Gemeinden bei uns an, um zu erfahren, wie wir das genau machen“, sind die Eberschwanger Gemeindebediensteten vor allem zu Beginn der Poolsaison gefragte Auskunftspersonen. Die Eberschwanger Poolsteuer wurde übrigens auch juristisch vom Land OÖ geprüft und abgenickt. Im burgenländischen Jennersdorf wurde erst heuer eine Poolabgabe bis zu 100 Euro eingeführt – auch hier gab’s nach der Ankündigung Proteste.

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