Zyklusstörungen

Junge Frauen: Keine Periode durch zu viel Sport

Bleibt bei sportlichen aktiven jungen Frauen die Regelblutung aus, wird dies häufig als harmlose Folge des intensiven Trainings abgetan. Dabei handelt es sich bei der als Amenorrhoe bezeichneten Zyklusstörung um ein ernst zu nehmendes Warnsignal des Körpers. Was dahintersteckt und welche Risiken drohen.

Bis vor wenigen Jahren war das Thema Menstruation im Sport ein absolutes Tabu. Mittlerweile sprechen Profisportlerinnen, wie etwa US-Skistar Mikaela Shiffrin oder die italienische Biathlon-Ikone Dorothea Wierer, offen über den weiblichen Zyklus und die damit verbundenen Herausforderungen für die Athletinnen. Unbeachtet bleiben hingegen Sportlerinnen, deren Blutung teils gänzlich ausbleibt oder gar nicht eingetreten ist. Dabei sind derartige Hormonstörungen keine harmlose Folge intensiven Trainings und sollten unbedingt ernst genommen werden.

Ein regelmäßiger Menstruationszyklus bei jüngeren Frauen steht nicht nur für die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, sondern zeigt, dass Hormone, Stoffwechsel und Energiehaushalt im Gleichgewicht sind. Kommt es zu keiner Blutung bis zum 16. Lebensjahr oder bleibt sie bei zuvor regelmäßigem Zyklus länger als drei Monate, bei unregelmäßigem Zyklus länger als sechs Monate aus, sprechen Mediziner von einer Amenorrhö.

Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe)

Als Amenorrhoe wird die komplette Blutungsfreiheit bei jüngeren Frauen bezeichnet.

Unterschiedliche Formen:

  • primäre Amenorrhoe: Ausbleiben der ersten Blutung bis zum vollendeten 16. Lebensjahr. Zeigt sich häufig bei Leistungsturnerinnen.
  • sekundäre Amenorrhoe: Abstände zwischen zwei Blutungen länger als drei Monate (bei ansonsten regelmäßigen Zyklen) bzw. länger als sechs Monate (bei bereits zuvor unregelmäßigen Zyklen). Tritt eher bei Ausdauersportarten mit hoher Leistungsdichte, z.B. Radsport oder Marathon, aber auch bei Sportarten mit sehr schlankem Körperbild (z.B. Ballett) auf.

     Die sportassoziierte Amenorrhoe (Form der sekundären Amenorrhoe) tritt infolge intensiver körperlicher Aktivität, meist in Verbindung mit negativer Energiebilanz und chronischem Stress auf. 

Dem Körper fehlt zunehmend Energie
Eine Amenorrhö im Zusammenhang mit intensiver sportlicher Aktivität  (sportassoziierte Amenorrhö) tritt besonders häufig bei jungen Frauen mit hohem Trainingsumfang auf – und dies nicht nur im Leistungs-, sondern auch zunehmend im ambitionierten Freizeitsport. Ursache ist meist ein dauerhaftes Missverhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Der Körper spart dann an Funktionen, die er in dieser Situation nicht als lebensnotwendig einstuft. Dazu gehört auch der Menstruationszyklus.

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Fehlt dem Körper über längere Zeit Energie, gerät die hormonelle Steuerung aus dem Takt. In Folge reifen Eizellen nicht mehr heran und die Periode bleibt aus.

Dr. Imke Mebes, Gynäkologin am Endokrinologikum Kiel

Chronischer körperlicher und mentaler Stress verstärkt diesen Effekt, wie Dr. Imke Mebes, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Endokrinologikum Kiel (D) während einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) erklärt. „Fehlt dem Körper über längere Zeit Energie, gerät die hormonelle Steuerung im Gehirn aus dem Takt. In der Folge reifen Eizellen nicht mehr heran und die Periode bleibt aus“, so Dr. Mebes. 

Gesundheitliche Folgen der hormonellen Veränderung
Doch das Ausbleiben der Blutung ist nicht die einzige Auswirkung auf den Körper. Die Amenorrhö stellt eine komplexe Interaktion von Stoffwechselprozessen dar. Mit dem Ausbleiben der Menstruation sinkt auch der Östrogenspiegel. Dieses Hormon spielt eine zentrale Rolle für den Knochenstoffwechsel. Gerade in jungen Jahren ist das problematisch, da die maximale Knochendichte größtenteils bereits bis zum frühen Erwachsenenalter aufgebaut wird.

„Ein länger bestehender Östrogenmangel kann die Knochendichte verringern und das Risiko für Knochenbrüche und Osteoporose erhöhen“, betont die Gynäkologin. Aber auch das Herz-Kreislauf-System sowie Schlaf, Stimmung und Konzentrationsfähig können beeinträchtigt sein. 

Unbedingt ärztlich abklären lassen!
Bleibt die Periode länger als drei Monate aus, rät die DGE zu einer ärztlichen Abklärung. Bei zusätzlichen Beschwerden wie schnellen Verletzungen,  Knochenbrüchen, Erschöpfung oder psychischen Veränderungen, sollte sogar schon früher gehandelt werden. Ziel ist es, andere Ursachen auszuschließen und das hormonelle Gleichgewicht wieder herzustellen.

„Neben der gynäkologischen Behandlung, meist in Form einer Hormontherapie, ist hier in erster Linie wesentlich, das Energiedefizit auszugleichen. Die jungen Frauen müssen ausreichend Kalorien zu sich nehmen und sollten gleichzeitig den Trainingsumfang beziehungsweise dessen Reduktion diskutieren“, erklärt die Expertin.

Das bedeutet aber nicht, mit dem Training aufzuhören, sondern beispielsweise die Intensität zu reduzieren und Regenerationstage einzuplanen. Dr. Mebes: „Je früher insbesondere das Energiedefizit ausgeglichen wird, desto besser kann sich die hormonelle Steuerung erholen.“

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