Halb tot geprügelt

„Pedo Hunter“-Gruppe bestreitet Mordversuch

Salzburg
27.05.2026 17:45

Als selbst ernannte Pädophilen-Jäger prügelte eine Gruppe Pinzgauer (21 bis 25 Jahre) zwei Männer im Oktober 2024 in Salzburg spitalsreif. Sie schlugen ein Opfer so brutal, dass die Anklägerin ihnen versuchten Mord vorwirft. Eine Tötungsabsicht bestritten alle. „Ich dachte, das wäre was Gutes“, erklärte der mutmaßliche Banden-Anführer (24). Jetzt wisse er es besser.

Still war es am Mittwoch im Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes Salzburg, als der Vorsitzende das zentrale Beweisstück abspielte: ein Video voll blanker Gewalt. Szenen, die sich am 31. Oktober 2024 auf der Arzhofbrücke in Lend abgespielt hatten. „Bitte, lasst mich in Ruhe. Ich tue euch nichts“, waren die Schreie des Opfers mehrfach zu hören.

Baseballschläger und Stahlkappenschuhe
Die Angreifer – vor allem der Erst- und Zweitangeklagte – prügelten aber weiter auf den 56-Jährigen ein, traten mit Stahlkappenschuhen gegen Kopf und Gesicht, droschen mit einem Alu-Baseballschläger auf den am Boden liegenden Mann ein. Die Kamerafrau – die drittangeklagte Ex-Freundin (25) vom Rädelsführer – rief dabei, dass er den Mund halten solle und sprühte Pfefferspray in Richtung des Opfers.

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Die Videos sind mehr als verstörend, so etwas habe ich in 30 Berufsjahren selten gesehen. Es ist bedenklich, dass solche Gruppen auf Instagram und TikTok sind.

Verteidiger Robert Morianz

Dem Mann wurden die Haare abrasiert, das Gesicht mit Edding beschmiert – zur Demütigung. Eine Geschworene hielt während des Videos ihre Hand vor den Mund, in den Gesichtern der Laienrichter war das Entsetzen anzusehen. Und auch die Staatsanwältin sprach wortwörtlich von „sehr, sehr massiver Brutalität“.

Als 14-Jährige ausgegeben, um Opfer anzulocken
„Ich habe das in sozialen Medien gesehen und dachte, das wäre was Gutes“, erklärte sich der „Admin“ der sogenannten Pedo-Hunter-Gruppe, ein im Pinzgau lebender Deutscher (24).

Der mutmaßliche Anführer (24) räumte die Körperverletzung ein, bestritt aber eine ...
Der mutmaßliche Anführer (24) räumte die Körperverletzung ein, bestritt aber eine Tötungsabsicht.(Bild: Markus Tschepp)

Seine Idee war es, ein Fake-Profil mit dem Namen „BadLisa16“ zu erstellen: In Chatrooms gaben sich er und seine damalige Freundin als 14-jähriges Mädchen aus, um die Opfer anzulocken. Sie vermuteten, dass es sich um Pädophile handelte und wollten solchen Leuten eine Abreibung verpassen.

Mehrmals „auf Jagd“ gewesen
Bereits Mitte August plante der 24-Jährige, dies erstmals zu tun – doch da erschien das Opfer nicht. Am 27. Oktober 2024 war die Gruppe zu fünft, als sie einen Mann mittleren Alters verprügelte. Vier Tage später folgte die nächste „Jagd“ in Lend, die beinahe tödlich endete. Die Videos der Blutszenen wurden in den „Pedo Hunter“-Chats mit bis zu 130 Mitgliedern geteilt und wohlwollend kommentiert – mit Worten wie „geil“. 

Und was denke er jetzt darüber, fragte der Richter den 24-Jährigen. Dieser antwortete mit nur einem Wort: „Scheiße.“ Festgenommen wurden sie alle erst im März 2025. Seither sitzen vier der fünf Angeklagten in U-Haft.

Alle räumten eine absichtlich schwere Körperverletzung ein, drei auch den Vorwurf der kriminellen Vereinigung. Nur eine Tötungsabsicht wird bestritten.

Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. 

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