Eigentlich galten die großen Automessen in Europa als erledigt. Doch ausgerechnet der Druck aus China bringt wieder Schwung hinein, beim Autosalon in Paris sind dieser Tage wieder über hundert Marken vertreten. Natürlich auch aus dem Reich der Mitte, doch die Europäer scheinen aus ihrer Schockstarre über die China-Welle erwacht.
So kehrt VW nach zehn Jahren Abwesenheit nach Paris zurück. Mit der Elektro-Flotte ID. Tiguan, ID. Polo und ID. Cross zeigt man Autos, zuvor schon präsentiert worden sind. Allerdings zeigt man vor allem eines: Flagge. Und zwar die europäische. So besuchte Frankreichs Industrieminister Sébastien Martin ein VW-Event am Vorabend der Messe, um mit Vorstandschef Oliver Blume französisch-deutsche Geschlossenheit zu demonstrieren.
„Europas Stärken bündeln, sie schneller in den Markt bringen und daraus Wachstum, Wertschöpfung und Beschäftigung in Europa schaffen“, forderte der VW-Konzernlenker, „das ist eine gemeinsame Aufgabe: Die Wirtschaft muss wettbewerbsfähiger werden und attraktive Angebote schaffen, die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen.“
Den Ball mit den attraktiven Angeboten hat Citroën aufgenommen, zeigt in Paris die Studie des 2CV. 2028 soll der elektrische Nachfolger der „Ente“ für rund 15.000 Euro kommen. Stellantis fährt beim Heimspiel in Paris groß auf mit den Visionen für die Zukunft: Peugeot zeigt mit dem E-T16 schon recht deutlich, wie der neue 208 nächstes Jahr ausschaut.






Die Studie RCZ sieht nach Neuauflage des einst in Graz gebauten Coupés aus, allerdings bräuchte es angesichts der niedrigen Bauhöhe von nur 1,35 Metern eine extraflache Feststoffbatterie, wie Peugeot-CEO Alain Favey verrät. Die gibt es so noch nicht, also bitte warten.
Opel stellt mit dem STX Concept die Zukunft seiner Kombis vor, Fiat mit der Studie Multiplay einen praktischen Minivan.
Die Herzen höher schlagen lässt Alfa: Cuorerosso ist ein 2+2-Sitzer-Coupé, in dem etwas überraschend sogar ein V6-Hybrid steckt.
Die Chinesen zeigen lieber ihre Kernkompetenz Elektroantriebe: So feiert BYD die Premiere seines Atto 8, der Siebensitzer mit der 115-kWh-Batterie kann bis zu 650 km weit fahren, in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent „tanken“. Es ist das erste Modell für Europa, das am Megawatt-Charger laden kann. Und ein solcher wird in Kürze auch in Österreich eröffnet.
Smart bringt den Zweisitzer zurück
Dass China nicht nur als Konkurrent, sondern auch als Joint-Venture-Partner etwas taugt, zeigt Smart – das ja zur Hälfte Geely und Mercedes gehört: Mit dem #2 ist der Stadtfloh zurück, das ist der Kern der Marke.
Zum Kern in Paris gehört natürlich auch Renault – und die Franzosen reiten weiter auf der Retro-Welle: Der E-Space ist der Ausblick auf einen Elektro-Van mit drei Sitzreihen, die Alpine A310 Vision zeigt, dass auf der APP-Plattform der kommenden A110 auch ein weiterer Sportler mit 1970- Charme möglich ist. Europa fasst neuen Mut. Werden die großen Ideen verwirklicht, bleibt letztlich nur eine Frage: „Ente“ gut, alles gut?
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