Der kleine, zweisitzige Smart ist wieder da, und zwar nicht einfach als Neuauflage, sondern er erscheint geradezu mit einem Quantensprung. So viel Platz, so viel Reichweite und ein derart ausgefeiltes Fahrwerk waren nicht zu erwarten. Rein elektrisch, versteht sich.
Er heißt jetzt nicht mehr fortwo, sondern #2. Klar, es handelt sich weiterhin um einen richtig kurzen Zweisitzer, jetzt rund 2,75 Meter lang, 1,94 m breit (mit Spiegeln), 1,56 m hoch, mit 1,88 m Radstand und einer Tridium-Sicherheitsfahrgastzelle. Aber es wurde nicht eine Schraube vom Vorgänger übernommen. Er steht auf der eigens neu entwickelten „Electric Compact Architecture“ (ECA).
Das Heck ist wie eine Zauberkiste
Vor allem das Heck hat es in sich. Zum einen sitzt da eine Box, die den 60 kW/82 PS und 130 Nm starken Elektromotor, das Getriebe und die gesamte Steuerelektronik samt Wechselrichter enthält.
Trotzdem ist Platz für 305 Liter Kofferraumvolumen (maximal 527 Liter). Das schlägt manchen Kleinwagen, zumindest im Standardvolumen. Das Heck wird zweigeteilt geöffnet: Die Heckscheibe klappt nach oben, der Rest wie die Ladeklappe eines Pick-up nach unten.
Das wirklich Ungewöhnliche sieht man nur, wenn man von außen ganz genau hinschaut: eine Fünflenker-Einzelradaufhängung, also eine teure Fahrwerkskonstruktion, für die man sonst zumindest in die Mittelklasse aufsteigen müsste. „Man merkt das beim Fahren“, sagt Smart-Mastermind Tilo Schweers. „Ich will nicht sagen, dass der Vorgänger instabil war, aber das ist jetzt eine andere Welt.“
Es sei eine besonders große Herausforderung, ein so besonders kleines Auto in allen Fahrsituationen stabil zu bekommen. Das sei gelungen, konstatiert der Europa-Entwicklungschef. Vor allem in den höheren Ausstattungslinien dürfte der Smart #2 in Kurven richtig gut liegen – dank Reifen in der Dimension 185/50 R16 vorn und 205/45 R16 hinten (sonst 165/65 R15 bzw. 185/60 R15).
Auch bei den Bremsen lässt man sich nicht lumpen: Scheibenbremsen rundum.
Reichweite etwa verdoppelt
Die LFP-Batterie sitzt im Unterboden und hat eine Kapazität, die man für ein Stadtauto dieser Art wohl als ideal bezeichnen kann: Sie speichert 35,8 kWh und ermöglicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 290 km (homologierte Werte sind noch ausständig). Bei Smart geht man derzeit von einem Verbrauch von 13,6 kWh/100 km aus.
Die maximale DC-Ladeleistung liegt bei nur 65 kW, das reicht aber, um innerhalb von 20 Minuten von 10 % auf 80 % nachzuladen. Wechselstrom zapft der Smart #2 mit bis zu 11 kW. Auch eine Vehicle-to-Load-Funktion ist an Bord.
Eine echte „Pocket Rocket“
Mit seinen 1140 kg Leergewicht wird sich der Smart #2 wohl richtig spritzig anfühlen, vor allem in der Stadt. In 11,6 Sekunden sprintet der Hecktriebler von 0 auf 100 km/h, 6,95 Meter Wendekreis werden sich anfühlen, als würde er auf der Stelle wenden. Das ist übrigens exakt das Wendemaß des Vorgängers.
Auf der Autobahn wird der #2 nicht nur wegen seines aufwendigen Fahrwerks kein Fremdkörper sein, sondern auch weil er ein adäquates Höchsttempo hat: 140 km/h.
Sitzbank zum Durchsteigen
Wir öffnen die Türen mit den rahmenlosen Seitenscheiben und nehmen Platz auf einer durchgehenden Sitzbank. Man kann also seitlich ganz nah an einer Wand oder einem anderen Hindernis parken – beide Insassen können problemlos auf einer Seite austeigen. Und findet man bei der Rückkehr ein zugeparktes Auto vor, wird man wohl auch durch den Kofferraum einsteigen können. Zwischen den beiden Plätzen hat man einerseits ein Ablagefach unter einem Deckel in der Bank, andererseits eine Armlehne zum Herunterklappen.
Das Cockpit schlängelt sich S-förmig vor den beiden Insassen und trägt ein 8,8-Zoll-Tachodisplay sowie einen zentralen 10,1-Zoll-Touchscreen samt 4G-Konnektivität, WLAN und Bluetooth (Connectivity Package mit vernetzten Fahrdiensten für acht Jahre an Bord).
Drei Kern-Ausstattungslinien
Es gibt die Ausstattungslinien Pure, Pure+ und Premium – ergänzt durch die in Europa auf 999 Exemplare limitierte Couture Edition. Allen gemein ist das komplette Assistenzpaket mit smart Pilot Assist, Adaptivtempomat mit Stop-and-Go-Funktion, Highway Assist, Totwinkelwarner, Heckkollisionsminderung und Querverkehrswarnung hinten. Parksensoren und Rückfahrkamera sind auch dabei. Dazu sieben Airbags, LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten sowie die V2L-Funktion - alles zu einem Basispreis von 19.990 Euro.
Der Smart #2 Pure+ bietet um 20.990 Euro zusätzlich AC-Laden mit 11 kW sowie einen beheizbaren Fahrersitz.
Der Smart #2 Premium bietet um 24.490 Euro etwa ein Glasdach, beheizbare Kunstledersitze für Fahrer und Beifahrer sowie das speziell abgestimmte Sennheiser-Soundsystem mit sieben Lautsprechern. Hier bekommt man auch mehr mögliche Farbkombinationen, darunter auch Zweifarblackierungen, die mit passenden Interieurvarianten kombiniert werden können.
Der Smart #2 Couture Edition kostet nochmals 1200 Euro extra und ist einfach speziell und hochwertig designt.
Bestellbar ist der Smart #2 ab 13.Oktober. Die ersten Auslieferungen werden Stand jetzt in einem halben Jahr erwartet.
Unterm Strich
Smart hat den #2 in Paris vorgestellt, wo vor genau 30 Jahren im Louvre das erste Concept Car präsentiert wurde. Paris ist auch heute noch gemeinsam mit Rom eine der Hauptstädte des Smart fortwo. Es wäre kein Wunder, wenn der Neue, der Smart #2, einen noch größeren Siegeszug antreten würde.
Wir sind nun jedenfalls sehr gespannt darauf, wie sich die rasende Knutschkugel fährt. Fünflenkerhinterachse, niedriger Schwerpunkt und das Versprechen des Herstellers, für eine „direkte Lenkgeometrie“ sowie „sportlicheres Handling und höheren Komfort“ gesorgt zu haben. Beim Wendekreis von 6,95 Meter könnte einem glatt schwindelig werden. Beim Preis eher nicht – wenn man nicht Euro pro Sitzplatz rechnet, sondern sich vor Augen führt, wie kompliziert es ist, ein so kleines Auto zu konstruieren.
Und es ist erst der Anfang, da wird noch mehr kommen. Was, wird noch nicht verraten. Nur eine Brabus-Version wurde schon angekündigt.
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