Tote soll man bekanntlich ruhen lassen. Die Familie Bovensiepen, die einst hinter Alpina stand, hat statt ruhen wohl tunen verstanden – und bringt den BMW Z4 nun in einer Edelvariante auf den Markt. Limitiert auf 99 Stück uns unter dem Namen Bovensiepen Spider.
Der letzte BMW Z4 ist im Mai bei Magna Steyr in Graz vom Band gerollt. Einen direkten Nachfolger hat BMW nicht angekündigt. Nach Z3 und drei Z4-Generationen ist damit vorerst Schluss mit dem offenen Zweisitzer aus München.
Doch die Baureihe G29 erlebt nun ein letztes Aufflackern – ohne BMW-Logo, aber in besonders spektakulärer Form: Im Bovensiepen Spider schickt der Sechszylinder 435 PS an die Hinterräder und macht das, was einst der Z4 M40i war, zum Schnellsten seiner Art. 295 km/h Spitze lassen sie ihn laufen.
Unter dem Kleid steckt ein Z4 M40i
Bovensiepen selbst vermeidet in der Pressemitteilung interessanterweise die Nennung des Basisfahrzeugs. Der technische Ursprung ist dennoch eindeutig: Der Spider basiert auf dem BMW Z4 M40i der Generation G29. Anders als beim ersten Bovensiepen-Modell, dem Zagato, ist die Herkunft aber auch auf den ersten Blick erkennbar.
1864 Millimeter Breite, 1304 Millimeter Höhe und 281 Liter Kofferraum entsprechen dem Z4 praktisch auf den Millimeter beziehungsweise Liter genau. Dazu kommen Hinterradantrieb, ZF-Achtgangautomatik und der bekannte Dreiliter-Reihensechszylinder.
Nur lässt Bovensiepen den BMW keineswegs im Serienzustand. Der aufgeladene Sechszylinder leistet jetzt 435 PS und 580 Nm. Für mehr Luft wurden Ansaugwege entdrosselt, ein zusätzlicher Ram-Air-Kanal eingebaut und der Ansauggeräuschdämpfer optimiert. Auch die Sportabgasanlage wurde auf geringeren Gegendruck getrimmt.
Damit sprintet der Spider in 4,2 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht serienmäßig 260 km/h. Mit dem optionalen Performance-Paket, das unter anderem eine zusätzliche Kühlung des Hinterachsgetriebes und eine versteifende V-Strebe mitbringt, steigt die Höchstgeschwindigkeit auf 295 km/h.
Mehr als nur ein stärkerer Z4
Auch beim Fahrwerk belässt es Bovensiepen nicht bei Kosmetik. Dämpfer und Federung wurden neu abgestimmt, leichte 20-Zoll-Schmiederäder tragen Michelin Pilot Sport 4 S in 255er-Breite vorne und 295er hinten. Optional gibt es eine Hochleistungsbremse mit 395 Millimeter großen Scheiben an der Vorderachse.
Mit 1585 Kilogramm nach DIN ist der Bovensiepen etwas schwerer als der serienmäßige BMW Z4 M40i. 435 PS ergeben ein Leistungsgewicht von rund 3,6 Kilogramm pro PS.
Der Anspruch ist bewusst klassisch. Andreas Bovensiepen, der Ende der 1990er-Jahre selbst Teil des BMW-Z8-Entwicklungsteams war, schwärmt von leichten und direkten Roadstern – und stellt den Spider ausdrücklich gegen den Trend zu immer größeren und schwereren Autos und SUVs.
Auch optisch soll deshalb mehr Eigenständigkeit entstehen. Gemeinsam mit bekannten Frank Stephenson (der auch schon Bovensiepens Variation des BMW M5 Touring verantwortet) wurden Frontsplitter, Radhausentlüftungen, Seitenschweller, Diffusor und Heckspoiler neu gestaltet. Die klassischen Z4-Proportionen bleiben erhalten: lange Haube, Cockpit weit hinten, kurze Überhänge.
Auch innen bleibt die alte Buchloer Handschrift erkennbar. Serienmäßig gibt es Vernasca-Leder und Alcantara sowie Lavalina-Leder am Lenkrad. Die hauseigene Sattlerei erfüllt auf Wunsch deutlich ausgefallenere Vorstellungen – von Vollleder bis zu individuellen Stickereien oder komplett mit Alcantara ausgeschlagenen Bereichen.
Mehr als 99 Stück wird es nicht geben. Jedes Auto trägt ein nummeriertes Produktionsschild. Erste Auslieferungen sind für Ende des ersten Quartals 2027 vorgesehen. Der Grundpreis beträgt 115.500 Euro inklusive 19 Prozent deutscher Mehrwertsteuer.
Das ist deutlich mehr, als BMW zuletzt für einen Z4 M40i verlangte. Dafür bekommt man aber auch etwas, das BMW selbst nicht mehr anbietet: einen neuen Z4 mit deutlich mehr Leistung, individueller Abstimmung, Manufaktur-Anspruch und einer Stückzahl, die ihn automatisch zum Sammlerstück macht.
Wer oder was ist Bovensiepen überhaupt?
Hinter dem Namen steht jene Familie, die Alpina aufgebaut und über Jahrzehnte aus BMW-Modellen besonders schnelle, luxuriöse und fein abgestimmte Automobile gemacht hat.
2022 vereinbarten die Bovensiepens den Verkauf der Alpina-Markenrechte an BMW. Zum 1. Jänner 2026 ging die Marke endgültig an den Münchner Konzern über und wird seither als BMW Alpina innerhalb der BMW Group weitergeführt. Das Familienunternehmen in Buchloe dagegen begann unter seinem eigenen Namen ein neues Kapitel.
Der Spider ist nun das dritte Modell der jungen Marke Bovensiepennach dem Bovensiepen Zagato und dem Bovernsiepen 05 GT.
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