Bisher waren Aston Martins Motorräder sündteure Spielzeuge für die Rennstrecke. Die neue AMB 002 darf erstmals ganz legal auf öffentliche Straßen. Zum Schnäppchen wird der Spaß deshalb nicht unbedingt.
Einen Aston Martin erkennt man normalerweise daran, dass er vier Räder hat. Seit 2019 gilt allerdings auch das nicht mehr uneingeschränkt. Gemeinsam mit dem legendären Motorradhersteller Brough Superior entwickelt die britische Sportwagenmarke extrem exklusive Zweiräder.
Das Problem bisher: Mit AMB 001 und AMB 001 Pro durfte man zwar viel Geld ausgeben, anschließend aber nicht einmal damit zum Kaffeehaus fahren. Beide waren reine Rennstreckenmaschinen.
Mit der neuen AMB 002 Roadster ändert sich das. Sie ist das erste straßenzugelassene Motorrad der Kooperation – komplett mit Licht, Spiegeln und Kennzeichenhalter. Mehr als 300 Exemplare werden trotzdem nicht entstehen, erste Auslieferungen sind für das dritte Quartal 2027 vorgesehen. Bestellungen werden bereits angenommen.
Und Aston Martin hat offenbar darauf geachtet, dass nicht nur das Logo aus Gaydon stammt. Die seitliche Zierleiste interpretiert die typische „Side Strake“ der Sportwagen neu, die beiden ovalen Auspuffendrohre zitieren Vanquish, DB12 S und DBX S. Die schmalen Heckleuchten wiederum erinnern an Vulcan, Valkyrie und Valhalla. Dazu kommen Keyless Ride, beleuchteter Startknopf und handgefertigte Lederauflagen am Sitz.
130 PS treffen auf rund 190 Kilo
Gebaut wird die Maschine allerdings nicht in England, sondern bei Brough Superior in Toulouse. Dort entsteht auch der komplett neue wassergekühlte 88-Grad-V2 mit 1083 Kubikzentimetern. Er leistet 130 PS und 110 Nm, geschaltet wird über ein Sechsganggetriebe. Aston Martin verspricht bewusst kräftigen Schub im unteren und mittleren Drehzahlbereich statt eines ausschließlich auf Spitzenleistung getrimmten Rennmotors.
Das Gewicht der AMB wird mit rund 190 Kilogramm fahrfertig angegeben. Das ergibt knapp 1,5 Kilogramm pro PS. Karosserie und sogar Tank bestehen aus Carbon, viele Komponenten werden aus Aluminium gefräst. Das zentrale Rahmenrückgrat entsteht aus Titan und soll allein nur fünf Kilogramm wiegen.
Der Motor übernimmt zudem tragende Funktion. Die Schwinge lagert direkt im Motorgehäuse, Aston Martin nennt eine Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterrad.
Keine normale Gabel
Auch vorne geht Brough Superior einen ungewöhnlichen Weg. Statt einer klassischen Teleskopgabel kommt eine Fior-Vorderradführung mit zwei Dreieckslenkern und separatem Federbein zum Einsatz – wie bei BMWs Duolever.
Das Prinzip trennt Lenkung und Federung stärker voneinander als bei einer klassischen Gabel. Beim harten Bremsen soll die Front deshalb deutlich weniger eintauchen, was Geometrie und Stabilität konstanter hält. Brough Superior verspricht sich daraus vor allem beim Bremsen in Schräglage Vorteile.
Die aufrechte Sitzposition und ein vollständig freies Blickfeld sollen die AMB 002 gleichzeitig deutlich straßentauglicher machen als ihre kompromisslosen Vorgänger (die eh nicht straßenzugelassen waren).
Alltagstauglich ist allerdings relativ. Die Sitzhöhe beträgt üppige 875 Millimeter. Und spätestens beim Preis dürfte für die meisten ohnehin Schluss sein.
Fast ein Schnäppchen – in dieser Welt
Der Preis dürfte bei 120.000 Euro netto liegen, was in Österreich rund 160.000 Euro bedeutet. Billig ist das nicht. Aber im Kosmos von Aston Martin und Brough Superior relativiert sich vieles. Schon die AMB 001 kostete sechsstellig – und durfte ausschließlich auf abgesperrtem Asphalt bewegt werden. Ein Exemplar der AMB 001 Pro wird aktuell bei Mobile.de für 226.000 Euro angeboten.
Die AMB 002 bietet für ähnlich groteskes Geld immerhin einen entscheidenden Mehrwert: Man darf damit nach Hause fahren.
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