Das Auto fährt, der Mensch darf abschalten – bis plötzlich die Aufforderung „Bitte übernehmen“ kommt. Eine US-Studie zeigt nun: Menschen mit vielen Kopfstößen aus Kontaktsportarten könnten bei diesem Wechsel Nachteile haben.
Das Faszinierende am hochautomatisierten Fahren nach Level 3 ist gleichzeitig seine größte Schwäche: Man muss nicht mehr aufpassen. Bis man plötzlich wieder aufpassen muss.
Genau diesen Moment haben Wissenschaftler der Binghamton University im US-Bundesstaat New York untersucht. Ihre Versuchskaninchen waren dabei ungewöhnlich gewählt, denn sie wollten die Auswirkungen von häufigen heftigen Stößen gegen den Kopf untersuchen, wie sie bei Eishockey-, Fußball- und Football-Spielern üblich sind.
Die Wissenschaftler ließen 17 professionelle Eishockeyspieler sowie 17 etwa gleichaltrige Personen ohne entsprechende Sport-Erfahrung in einem Fahrsimulator ein zeitweise automatisiert fahrendes Fahrzeug steuern. Untersucht wurden Situationen, in denen das System selbstständig fährt, der Mensch bei Erreichen der Systemgrenzen aber wieder die Kontrolle übernehmen muss.
Bei den Eishockeyspielern gelang die geforderte Übernahme in 81 Prozent der Fälle, in der Vergleichsgruppe in 93 Prozent. Zudem benötigten die Sportler tendenziell länger für den Wechsel zum manuellen Fahren und hielten anschließend die erfolgreiche Kontrolle kürzer aufrecht.
Bei Fragen zur unmittelbar bevorstehenden Verkehrssituation schnitten sie ebenfalls schlechter ab, was nach Einschätzung der Forscher auf Defizite beim Situationsbewusstsein hindeutet. Bei allgemeinen kognitiven Tests zeigten die Eishockeyspieler dagegen keine schlechteren Leistungen und empfanden die Aufgabe nach eigener Einschätzung auch nicht als belastender.
Die Forscher sehen darin einen Hinweis, dass eine Vorgeschichte von Gehirnerschütterungen und wiederholten Kopfstößen die Übernahme der Fahraufgabe bei automatisierten Autos anspruchsvoller machen könnte. Belastbare allgemeine Aussagen lässt die Untersuchung mit ihrer vergleichsweise kleinen Probandengruppe allerdings nicht zu, die Autoren halten daher weitere Untersuchungen für nötig. Ein lohnendwer Ansatz, denn Level 3 wird in Zukunft häufiger werden.
Level 3 unterscheidet sich grundsätzlich von den heute weit verbreiteten Level-2-Assistenten. Bei Level 2 bleibt der Mensch permanent verantwortlich und muss den Verkehr beobachten. Level 3 erlaubt ihm dagegen tatsächlich, die Aufmerksamkeit zeitweise von der Straße abzuwenden.
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