Totgesagte rotieren länger: Mazda hat neue Abgastechnik für einen turboaufgeladenen Zweischeiben-Wankelmotor patentiert. Ein neuer RX ist damit noch nicht bestätigt. Doch gemeinsam mit Mazdas jüngsten Studien ergibt sich ein ziemlich interessantes Bild.
Der Wankelmotor hält sich – mit Unterbrechungen – schon lange in der Mazda-Geschichte. Erst trieb er RX-7 und RX-8 an, später kehrte er im MX-30 R-EV als Stromgenerator zurück. Jetzt deutet die neue Patentanmeldung darauf hin, dass die Japaner mit dem Kreiskolben wieder Größeres vorhaben.
Interessant ist weniger der Turbo als das Problem, das Mazda damit lösen will. Der Wankelmotor ist kompakt, leicht und vibrationsarm, hatte aber schon immer Nachteile bei Verbrauch und Emissionen. Sein langer, ungünstig geformter Brennraum sorgt für hohe Wärmeverluste und erschwert eine saubere Verbrennung.
Mazdas neue Konstruktion arbeitet deshalb mit zwei getrennten Abgaswegen. Der heißere und energiereichere Strom aus den seitlichen Auslässen treibt die Turbine des Turboladers an. Ein zweiter, bereits kühlerer Abgasstrom wird für die Abgasrückführung genutzt und dabei teilweise direkt im Motorgehäuse zusätzlich heruntergekühlt. So sollen Verbrennungstemperaturen und Schadstoffausstoß sinken.
Die Technik könnte entscheidend sein, wenn Mazda die Technik wieder in einem leistungsstarken Serienauto einsetzen möchte.
Dass die Japaner gerade jetzt solchen Aufwand treiben, ist kein Zufall. Bereits 2024 stellte Mazda wieder eine eigene Entwicklungsgruppe für Kreiskolbenmotoren zusammen. 36 Ingenieure sollten sich unter anderem mit strengeren Emissionsvorschriften und CO₂-neutralen Kraftstoffen beschäftigen.
Damals konnte man das noch vor allem mit dem MX-30 R-EV erklären. Dort arbeitet ein kleiner Einrotor-Wankel ausschließlich als Generator für den Elektroantrieb. Inzwischen hat Mazda allerdings nachgelegt.
Auf der Japan Mobility Show 2025 präsentierte die Marke das Vision-X-Coupé. Unter dessen langer Haube steckt ein Plug-in-Hybrid mit turboaufgeladenem Zweischeiben-Wankelmotor, Elektromotor und 510 PS Systemleistung. Rein elektrisch soll die Studie rund 160 Kilometer schaffen, insgesamt sind bis zu 800 Kilometer vorgesehen.
Noch wichtiger: Der Wankelmotor soll hier nicht nur Strom erzeugen. Mazda bestätigte, dass er das Auto auch direkt antreiben kann.
Und plötzlich passen die Puzzleteile ziemlich gut zusammen: ein eigenes Wankel-Entwicklerteam, eine 510-PS-Studie mit Zweischeiben-Turbo und nun ein Patent für moderne Abgastechnik eines solchen Motors.
Das bedeutet trotzdem nicht, dass morgen ein neuer RX-7 oder -8 beim Händler steht. Patente schützen zunächst technische Ideen, und Autohersteller melden regelmäßig Konstruktionen an, die niemals in Serie gehen. Die Chancen, dass der Wankelmotor künftig wieder mehr darf als nur einen Generator anzutreiben, wirken aber deutlich größer als noch vor ein paar Jahren.
Seit dem Ende des RX-8 im Jahr 2012 warten Fans auf ein echtes Comeback des Kreiskolben-Sportwagens. Verschärfte Abgasvorschriften und hoher Verbrauch machten dem ungewöhnlichen Motor damals den Garaus.
Noch hat Mazda nichts bestätigt. Aber für einen eigentlich toten Motor rotiert der Wankel auffallend munter.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.