Flach & relativ leicht

Alpine A110: Jungfernfahrt der Elektro-Ikone

Motor
10.07.2026 14:41
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit der neuen A110 will Renault-Tochter Alpine ihre Sportwagen-Ikone direkt ins Elektro-Zeitalter transformieren. Um dem Original so nahe wie möglich zu kommen, ist jede Menge Aufwand nötig. Zudem halten sich die Franzosen noch ein Verbrenner-Hintertürchen offen.

Mit der Enthüllung einer Studie namens A110 Future auf dem diesjährigen Goodwood Festival of Speed zeigt Alpine erstmals, wo die Reise hingehen soll. Der kleine E-Bolide ist gespickt mit spezieller Technik und voller ungewöhnlicher Lösungen. Dahinter steckt der Anspruch, trotz Stromantrieb und entsprechend voluminöser Batterietechnik eine Karosserie im Format der bisherigen A110 hinzubekommen. Vor allem, was die Höhe des Daches und der Sitzposition angeht.

Komplett neue Plattform
Mit einer üblichen Skateboard-Architektur, also mit dem Stromspender unter den beiden Sitzen, wäre das nicht zu realisieren gewesen: Das Gesamtpaket wäre viel zu hoch ausgefallen. Deshalb wurde die flexible neue Alpine Performance Platform (APP) entwickelt. In der werden im Zweisitzer zwei Akku-Packs verstaut, ein kleineres mit 25 Prozent der Gesamtkapazität vorne, eines mit 75 Prozent hinten. Das ermöglicht nicht nur die gewohnte A110-Silhouette und eine trotz ihrer Kompaktheit für fast alle Staturen und Körpergrößen passende Kabine. Es sorgt auch für eine alltagstaugliche Bodenfreiheit – und vor allem für eine sportwagentypische Gewichtsverteilung von 40:60 zwischen Vorder- und Hinterachse. 

Das Management der in Cell-to-Pack-Technik zusammengestellten Batterien ist zentral in einem Gehäuse untergebracht, das System läuft auf einer 800-Volt-Architektur. Deshalb sollte eine hohe Ladeleistung selbstverständlich sein. Zur Akku-Kapazität und zur Reichweite hat sich Alpine noch nicht geäußert. Auch nicht zur Leistung der zwei E-Maschinen im Heck mit Hairpin-Statoren und einer maximalen Drehzahl von 21.500 U/min - einem Spitzenwert für hochdrehende Traktionsmotoren.

(Bild: Toby Cornelius)

Nur 400 kg schwerer als die Verbrenner-A110
Vollstromfest sollen sie sein, und ihre Kraft natürlich auf die Hinterräder loslassen. Und: Sie sollen mindestens drei schnelle Runden auf der Nürburgring-Nordschleife schaffen. Das Gesamtgewicht wird unterhalb der 1,5-Tonnen-Marke angepeilt. Zur Einordnung dieses Werts: Die gerade in Rente gegangene A110 wiegt je nach Version rund 400 Kilogramm weniger. 

Das 1,5-Tonnen-Limit betrifft aber nur den Zweisitzer, der Ende nächsten Jahres als Coupé und als Spider in die Showrooms kommen soll. Aber der ist ja nur der Anfang. Auf der App-Plattform ist noch deutlich mehr möglich. Nämlich als Schritt zwei ein ebenfalls mit festem oder zu öffnendem Dach ausgestatteter 2+2-Sitzer, der mit Heck- oder Allradantrieb ausgestattet sein wird. Und deshalb auch mit zwei Motoren im Heck oder mit einem zusätzlichen Antrieb an der Vorderachse. Hier spielt die bisherige A110-Höhe und -Statur nicht die ganz große Rolle, darum packen die Ingenieure den Akku in einem Stück in den Wagenboden. Der Start des 2+2-A110 ist für 2028 geplant.

Beiden Versionen gemeinsam sind die aufwendige Fahrwerkstechnik, leistungsfähige elektronische Regelungssysteme und die intelligente Steuerung der Antriebe. Die jüngste Version des Alpine Active Torque Vectoring soll für reichlich Fahrspaß auf der Rennstrecke wie auch Sicherheit und Sportlichkeit auf öffentlichen Straßen sorgen. Bremsen, Lenkung, Batterie- und Lade-Management und die Steuerung von Temperaturkontrolle und Wärmeabfuhr sind auf maximale Dynamik und Performance ausgelegt. 

Verbrenner ist möglich
Das macht Lust auf Fahrerlebnissen mit dem Elektro-Sportler. Oder doch auch mit einer Verbrenner-Variante? Alpine-Chef Philippe Krief lässt jedenfalls ein Hintertürchen offen: „Mit kleinen Anpassungen kann die neue Plattform auch einen Verbrennungsmotor mit Getriebe und Tank aufnehmen.“ Konkrete Pläne gebe es dafür zwar noch nicht, aber im Falle eines Falles sei man vorbereitet.

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