„Nicht vereinbar“

CDU-Mann Spahn tritt nach Leihmutter-Drama zurück

Außenpolitik
18.07.2026 13:43

Der deutsche Fraktionschef der CDU/CSU Jens Spahn (46) hat am Samstag seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er habe die Parteivorsitzenden Friedrich Merz und Markus Söder bereits darüber informiert, teilte er in einem Schreiben an die Mitglieder mit. Zuvor hatte es Aufregung gegeben, weil er sich mit seinem Ehemann für eine US-Leihmutter entschieden hatte – und zwar entgegen seinen früheren Aussagen zu dieser Praxis.

Er trete mit diesem Schreiben von seinem Amt zurück, schrieb Spahn nun an die Parteimitglieder. „Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt (...)“, heißt es darin. Der Spagat zwischen seiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der Erwartung an ihn als Vorsitzenden der Fraktion sei größer geworden, als er erwartet habe. „Die zunehmende Unerbitterlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung hat mich sehr nachdenklich gemacht (...)“, teilte Spahn weiter mit. Man solle immer menschlich im Ton bleiben.

Er bedankte sich für die gemeinsame Arbeit in den vergangenen 14 Monaten, insbesondere bei Alexander Hoffmann und Matthias Miersch. Wie am Samstag bekannt wurde, war der 46-Jährige von seinem Parteichef, Bundeskanzler Friedrich Merz, zum Rücktritt aufgefordert worden. Merz war damit nicht der Einzige in der Partei.

Hier sehen Sie das Schreiben von Spahn an die Parteimitglieder:

Leihmutterschaft in Deutschland verboten
Spahn war seit 2002 Mitglied des Bundesrats und seit Mai 2025 Fraktionsvorsitzender. Zuvor war er unter anderem als Gesundheitsminister unter Angela Merkel und als parlamentarischer Staatssekretär beim Finanzminister tätig.

Für Aufregung hatte Spahn jüngst gesorgt, weil er mit seinem Ehemann Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten Vater wurde. Das machten die beiden am 15. Juli öffentlich. Leihmutterschaft ist in Deutschland, wie in Österreich auch, gesetzlich verboten. Und ausgerechnet Spahns CDU lehnt eine gesetzliche Änderung ab. Sie hat erst im Februar auf ihrem Bundesparteitag beschlossen, am Verbot festzuhalten. Spahn selbst hatte 2020 als Gesundheitsminister gesagt, dass Leihmutterschaft nicht mit dem Kindeswohl vereinbar sei.

Aus seinem Umfeld hieß es, dass für die USA die dortige rechtliche Lage und wirtschaftliche Situation gesprochen habe. Leihmutter könne nur werden, wer finanziell unabhängig sei, bereits eigene Kinder habe und in geordneten Familienverhältnissen lebe. Gegnerinnen und Gegner der Praxis argumentieren zum Beispiel mit der Kommerzialisierung und einer möglichen Ausbeutung von Frauen. Befürworterinnen und Befürworter führen unter anderem an, dass eine Leihmutterschaft Paaren helfen könne, bei denen eine Schwangerschaft aufgrund von Vorerkrankungen zu risikoreich wäre oder gar nicht möglich ist. Auch die Möglichkeit für schwule Paare wird immer wieder angeführt. Bei Spahns Kind ist Funke der biologische Vater.

Kritik von linker und rechter Seite
In Deutschland ist die Frau, die das Kind geboren hat, automatisch rechtlich die Mutter. Allerdings kann die Elternschaft anerkannt werden, wenn ein ausländisches Gericht sie den deutschen Eltern zuweist.

Spahn hatte nach der Bekanntgabe der Geburt Kritik von politisch linker und rechter Seite bekommen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, warf ihm etwa Doppelstandards vor. Es irritiere ihn, wenn Politikerinnen und Politiker jede Liberalisierung ablehnten, selbst aber im Ausland auf eine Leihmutterschaft zurückgriffen. Auch FDP und Linke übten reichlich Kritik. Spahn habe ein Gesetz mitbeschlossen, das er dann selbst umgangen habe, sagte etwa der FDP-Vizevorsitzende Henning Höne.

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