Riesige Rauchsäulen

Kiew trifft „russisches Amazon“ bei Moskau schwer

Ausland
18.07.2026 11:13
Porträt von krone.at
Von krone.at

Das ukrainische Militär hat erneut für Angst und Schrecken in Russland gesorgt. Ein Drohnenschwarm nahm Verteilzentren des „russischen Amazon“ Wildberries ins Visier. Diese gingen an mehreren Standorten in Flammen auf – wie Videos in sozialen Medien zeigen. 

Bei den ukrainischen Drohnenangriffen in Russland sind nach Behördenangaben mindestens sieben Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Besonders intensiv schlug es im Gebiet Tambow ein. Dort starben sieben Menschen, es gebe auch 25 Verletzte, teilte Gouverneur Jewgeni Perwyschow am Samstag auf Telegram mit.

Bei den Opfern handle es sich um Mitarbeiter eines Verteilzentrums des russischen Online-Versandhändlers Wildberries. Die getroffene Stadt Kotowsk liegt rund 500 Autokilometer südöstlich von Moskau.

Hohe Rauchsäulen auch bei Moskau
Auch im Moskauer Gebiet ist das zweitgrößte Lager von Wildberries getroffen worden, wie das Unternehmen selbst bestätigte. In der Stadt Elektrostal – rund 50 Kilometer östlich von Moskau - seien 24 Menschen verletzt worden, davon einige schwer, teilte zudem Gouverneur Andrej Worobjow mit.

Die ukrainische Führung betitelte die Verteilzentren als Waffendrehscheibe: „Der Aggressor nutzte sie zur Lieferung von sanktionierten Bauteilen für die Drohnenproduktion und Navigationsausrüstung“, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj. Der Ukrainer dankte seinen Streitkräften für „die präzise Ausführung“ der Mission.

Ein hochrangiger ukrainischer Beamter teilte der „Financial Times“ mit, dass dieser Angriff Vergeltung für die russischen Angriffe auf die Einrichtungen von Nova Poshta war – dem privaten Postdienst der Ukraine.

Nach den ersten Einschlägen ergriffen viele Wildberries-Mitarbeiter zu Fuß die Flucht, wie auf Videos zu sehen ist. Im Zuge der Angriffe schob sich zudem eine dicke, dunkle Wolkenschicht über Moskau – und warf einen enormen Schatten auf die russische Hauptstadt.

Wildberries-Gründerin Tatyana Kim sprach von einer „schrecklichen Nacht“. Bergungs- und Löscharbeiten würden andauern. Sie drückte den Familien der Opfer ihr tiefes Mitgefühl aus. Finanziell hält sich die Anteilnahme laut „Moscow Times“ jedoch in Grenzen. 

Wildberries hat zum 7. Juli 2026 – also nur wenige Tage vor diesem Großangriff – seine Händlerverträge drastisch angepasst. Unter einer neu formulierten Höhere-Gewalt-Klausel ist das Unternehmen nicht mehr verpflichtet, Verkäufer für Waren zu entschädigen, die durch Drohnen-, Raketen- oder Artillerieangriffe zerstört wurden.

Den finanziellen Schaden für die verbrannten Produkte in Elektrostal und Kotowsk müssen die Händler somit selbst tragen.

Auch Öldepot in Brand
In dem Gebiet um die Hauptstadt sei außerdem in der Stadt Noginsk auf dem Gelände eines Öldepots ein Brand ausgebrochen. Dort habe aus Sicherheitsgründen auch eine Geburtsklinik evakuiert werden müssen. Überdies wurden durch ukrainische Mittelstreckenangriffe Ziele in den Gewässern des Asowschen Meeres und des Schwarzen Meeres sowie auf der vorübergehend besetzten Krim getroffen.

Russen greifen Odessa an
Bei einem russischen Angriff auf den Hafen der ukrainischen Schwarzmeer-Stadt Odessa ist laut Behördenangaben ein Mensch getötet worden. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der Regionalgouverneur Oleh Kiper auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.

Bei dem Angriff wurde demnach ein Schiff unter der Flagge von Antigua und Barbuda getroffen. Hafeneinrichtungen wie Gebäude, Lagertanks und Lagerhäuser seien beschädigt worden.

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