Patientin gerettet

Wegen Abnehmspritze: Ärzte verschreiben Cola

Gesund
13.07.2026 22:14
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine 63-jährige Frau wollte eigentlich nur abnehmen – doch plötzlich kämpfte sie mit starken Bauchschmerzen, Übelkeit und ständigem Erbrechen. Was zunächst wie eine typische Nebenwirkung ihres Abnehm-Medikaments wirkte, entpuppte sich als seltene Komplikation. Die überraschende Lösung der Ärzte: 1,5 Liter Diät-Cola statt einer Operation.

Die Frau litt an Typ-2-Diabetes und Adipositas und nahm seit rund einem Jahr Semaglutid ein – denselben Wirkstoff, der auch in den Medikamenten Ozempic und Wegovy enthalten ist. Nachdem sie rund 18 Kilogramm abgenommen hatte, traten anhaltende Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie brennende Schmerzen im Oberbauch auf, die bis in den Rücken ausstrahlten. Säureblocker aus der Apotheke brachten keine Besserung, weshalb sie schließlich die Notaufnahme aufsuchte.

Im „The New England Journal of Medicine“ beschrieben Ärzte den ungewöhnlichen Fall. Untersuchungen zeigten, dass der Magen der Patientin mit teilweise unverdautem Nahrungsbrei gefüllt war. Eine Magenspiegelung bestätigte schließlich die Ursache: einen sogenannten Magenbezoar – eine verhärtete Ansammlung unverdaulicher Nahrungsreste.

Warum Wirkstoff das Risiko erhöhen kann
Semaglutid gehört zur Gruppe der GLP-1-Medikamente. Diese senken den Blutzucker, dämpfen den Appetit und verlangsamen die Magenentleerung. Genau dieser Effekt unterstützt zwar die Gewichtsabnahme, kann in seltenen Fällen aber dazu führen, dass Nahrung ungewöhnlich lange im Magen verbleibt und sich zu einem Bezoar verdichtet.

Die ungewöhnliche Therapie
Die Ärzte setzten das Medikament zunächst ab und entschieden sich anschließend für eine ungewöhnliche, aber bereits bekannte Behandlung. Unter ärztlicher Aufsicht erhielt die Patientin innerhalb kurzer Zeit insgesamt 1,5 Liter Diät-Cola. Da sie an Diabetes litt, fiel die Wahl bewusst auf die zuckerfreie Variante.

Der Erfolg stellte sich rasch ein: Bereits am zweiten Tag besserten sich die Beschwerden deutlich. Kontrolluntersuchungen zeigten, dass der Bezoar verschwunden war oder den Magen auf natürlichem Weg verlassen hatte. Eine Operation war dadurch nicht notwendig. Die Frau konnte wieder normal essen und wurde kurze Zeit später aus dem Krankenhaus entlassen. Einige Monate danach ging es ihr weiterhin gut, allerdings hatte sie einen kleinen Teil ihres verlorenen Gewichts wieder zugenommen.

Kein Hausmittel für zu Hause
Die Ärzte betonen jedoch ausdrücklich, dass der Fall nicht bedeutet, Diät-Cola sei ein Hausmittel gegen Beschwerden durch Abnehm-Medikamente. Cola werde in bestimmten Fällen zwar bereits seit Jahren zur Behandlung von Bezoaren eingesetzt, doch ausschließlich nach gesicherter Diagnose und unter medizinischer Überwachung. Je nach Größe und Zusammensetzung eines Bezoars können auch endoskopische Eingriffe oder eine Operation erforderlich sein.

Die mögliche Komplikation von Semaglutid gilt als äußerst selten. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass Medikamente wie Ozempic oder Wegovy für viele Menschen mit Diabetes oder Adipositas sehr wirksam sind und schwere Verdauungskomplikationen nur selten auftreten. Wer während der Behandlung über Wochen unter Erbrechen, starker Übelkeit, Appetitverlust oder heftigen Bauchschmerzen leidet, sollte diese Beschwerden dennoch ärztlich abklären lassen und keinesfalls eigenständig zur vermeintlichen „Cola-Therapie“ greifen.

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