Besteht der BMW iX3?

Neu bei Euro NCAP: Fahrerüberwachung ist Trumpf

Motor
10.07.2026 05:00

Die ständige Fahrerüberwachung ist für viele Lenker ein Dauerärgernis. Neuerdings verhilft das Dauerpiepsen bei der geringsten vermuteten Ablenkung sogar zu fünf Sternen in der Euro-NCAP-Bewertung. Zwei Autos wurden bereits nach den verschärften Kriterien getestet.

Euro NCAP bewertet schon lange nicht mehr nur Crashtests, längst geht es u.a. auch um Assistenzsysteme. Nach der weitreichendsten Reform seit mehr als zehn Jahren will die Prüforganisation nun auch checken, wie gut Fahrerassistenzsysteme den Menschen unterstützen, wie zuverlässig Tempolimits erkannt werden, ob zentrale Funktionen weiterhin über gut bedienbare Schalter erreichbar sind und wie ein Auto nach einem Unfall Rettungskräfte unterstützt.

Bei Elektroautos spielt außerdem die sichere Abschaltung des Hochvoltsystems eine Rolle. Euro NCAP reagiert damit auf die wachsende Bedeutung von Assistenzsystemen, Software, Touchscreen-Bedienung, Fahrerüberwachung und Elektroantrieben.

Im Autotesteralltag ist die Fahrerüberwachung unbeliebt. Vor allem viele chinesische Fabrikate fangen schon hektisch zu piepsen an, wenn man den Touchscreen bedient, was aber für so ziemlich alle Funktionen notwendig ist. Die Folge: Man schaltet die Überwachung ab, wenn man sie in den Tiefen des Menüs findet. Diese Programmierung wird nun bei Euro NCAP offenbar belohnt.

Das zeigt die Bewertung der beiden ersten getesteten Fahrzeuge, BMW iX3 50 xDrive und Zeekr 7GT Privilege AWD.

Der BMW iX3 50 xDrive erzielte in den vier Kategorien 73 Prozent beim sicheren Fahren, 83 Prozent bei der Unfallvermeidung, 86 Prozent beim Crashschutz und 95 Prozent bei der Sicherheit nach dem Unfall. Positiv bewertete Euro NCAP unter anderem die weiterhin vorhandenen physischen Bedienelemente für wichtige Funktionen sowie die Notbrems- und Spurhaltesysteme. Beim Fahrer-Monitoring wurde zwar Müdigkeit gut erkannt, kurze visuelle Ablenkung aber weniger zuverlässig. Im „Krone“-Test führte die leichte Zurückhaltung des Überwachungssystem dazu, dass es auch auf langen Strecken aktiv blieb.

Der chinesische Zeekr 7GT Privilege AWD schnitt unterm Strich mit einer noch besseren Bewertung ab. Er kam auf 79 Prozent beim sicheren Fahren, 89 Prozent bei der Unfallvermeidung, 93 Prozent beim Crashschutz und ebenfalls 95 Prozent bei der Sicherheit nach dem Unfall. Sehr gut schnitten unter anderem die Fahrerüberwachung, die automatische Notbremse und die Karosseriestruktur ab. Abzüge gab es dagegen für die starke Konzentration vieler Funktionen auf den zentralen Touchscreen. Also: Mehr Touchscreen und mehr Überwachung als im BMW – ob das im Sinne des Fahrers und der Sicherheit ist, ist die Frage.

Ärgernis Tempolimitwarnung
Ebenfalls bewertet wird die Erkennung von Tempolimits und die Warnung bei Überschreitung. Die Funktion ist seit Juli 2024 in allen Neuwagen Pflicht. Das Ärgernis an der Sache: Bisher schafft es kein Hersteller, Limits mehr oder weniger zuverlässig zu erkennen. Die einen können es besser, die anderen schlechter, aber als wirklich verlässlich und brauchbar hat sich das bisher noch nie erwiesen – obwohl es die Tempolimiterkennung bereits seit 18 Jahren gibt (damals zuerst im Opel Insignia). Dass ein noch immer nicht ausgereiftes Feature Pflicht in Neuwagen ist, ist nicht nachvollziehbar

Hier die neuen Kriterien im Einzelnen
Bisher lag das Hauptaugenmerk bei Euro NCAP vor allem auf dem Verhalten und der Sicherheit des Fahrzeugs im Augenblick eines Unfalls. Das ändert sich mit dem neuen Bewertungsschema, das den Fokus auf verschiedene Phasen – im Wesentlichen also den zeitlichen Ablauf – des Unfallgeschehens legt:

Fahrsicherheit (Safe Driving): Wie gut unterstützt das Fahrzeug Lenker und ermöglicht ein sicheres Fahren? Bewertet werden hier auch intuitive, physische Bedienelemente – z. B. echte Tasten statt Touch-Funktionen – sowie zuverlässige Fahrerbeobachtungssysteme.

Unfallvermeidung (Crash Avoidance): Wie wirksam erkennt das Fahrzeug Gefahren und verhindert oder entschärft einen Unfall? Autonome Notbrems- und Spurhaltesysteme sind Beispiele für solche Systeme, die helfen können, zumindest die Unfallfolgen zu mindern.

Unfallschutz (Crash Protection): Wie gut schützen Struktur, Airbags und Rückhaltesysteme die Insassen, aber auch andere Verkehrsteilnehmer, z. B. Radfahrer?

Rettung & Bergung (Post Crash): Helfen das Fahrzeug und die Bordsysteme, Einsatzkräfte zu verständigen und sie nach einem Unfall bei der bestmöglichen Versorgung von Verletzten zu unterstützen? Ein Beispiel dafür sind Systeme, die automatisch einen Notruf absetzen, wenn sie einen Unfall erkennen.

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