Höchste Auszeichnung

Und was bitte war die Leistung, Frau Stadträtin?

Wien
09.07.2026 05:45

Eine unbekannte Politikerin ohne Ressort erhält eine der höchsten Auszeichnungen Österreichs. Auf Spurensuche nach dem Grund.

Kasia Greco hatte am Mittwoch allen Grund zur Freude, aber das stand auch schon in ihrem Horoskop. Der Waage wurde für diesen Tag prophezeit: „Heute haben Sie Gelegenheit, Ihr Können zu beweisen.“

Was damit gemeint sein könnte, steht ebenso in den Sternen – denn politisch ist die nicht amtsführende Stadträtin der ÖVP bislang kaum aufgefallen. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse im Auftrag der „Krone“ ergab: Dass Greco in der Politik eine größere Rolle spielen soll, wollen nur neun Prozent der 1000 Befragten (letzter Platz aller Stadträte). 42 Prozent wissen überhaupt nicht, wer die Frau ist. Was also macht Greco?

Kein Ressort, aber ordentliches Gehalt
Als nicht amtsführende Stadträtin hat sie zwar kein Ressort und keine Verantwortung, dafür ein ordentliches Gehalt von 11.328 Euro pro Monat. Nun traf sich am Mittwoch, um 10 Uhr, im Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses eine illustre Runde, um Kasia Greco hochleben zu lassen – und ihr eine der wichtigsten Auszeichnungen des Landes zu überreichen. Nämlich das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Applaus für die Preisträgerin im Rathaus
Applaus für die Preisträgerin im Rathaus(Bild: Imre Antal)

Freddy Quinn, Hermann Maier, Kasia Greco
Prominente Träger sind etwa Freddy Quinn, Hermann Maier oder Martin Grubinger. Also, was war die Leistung, Frau Stadträtin?

Das herauszufinden, ist kein leichtes Unterfangen. Der Hergang lässt sich so ableiten: Vorgeschlagen wurde Greco beim ÖVP-geführten Wirtschaftsministerium, das die Anfrage an das ÖVP-geführte Innenministerium weiterleitete, das die Anfrage an die Hofburg weiterleitete, wo Bundespräsident Alexander Van der Bellen für die Ehrung keine Lust oder keine Zeit oder beides hatte und deshalb Wiens Bürgermeister Michael Ludwig bat, ihn zu vertreten.

Förderung von Frauen in der Wirtschaft
Noch einmal: Was also war die Leistung? Vom Innenministerium heißt es dazu: „Insbesondere hat sich die Genannte in den letzten 15 Jahren für die Förderung von Frauen in der Wirtschaft, bzw. in der Geschäftswelt eingesetzt. Sie war mehr als sechs Jahre Sprecherin für Einzelpersonenunternehmen in der Wirtschaftskammer und hat sich in dieser Funktion vor allem für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für diese Unternehmenssparte eingesetzt.“

Klingt nach Copy-and-paste aus ihrem Lebenslauf. Weitaus wichtiger war wohl ihr Parteibuch.

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