„Sie ist vorbei“

Trump erklärt Feuerpause mit dem Iran für beendet

Außenpolitik
08.07.2026 11:06
Porträt von krone.at
Von krone.at

Knalleffekt beim NATO-Gipfel in der Türkei: Nach den Angriffen der US-Armee auf Ziele im Iran hat US-Präsident Donald Trump die Feuerpause mit für beendet erklärt. „Was mich betrifft, ist sie vorbei“, sagte Trump und richtete unmissverständliche Worte an die Mullahs. Sich mit ihnen abzugeben, sei „reine Zeitverschwendung“, so Trump am Mittwoch in Ankara.

Nach iranischen Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormuz sowie auf US-Stützpunkte im Nahen Osten hatten die USA erneut Ziele im Iran bombardiert. In der Hafenstadt Bushehr, wo sich das einzige zivile Atomkraftwerk des Iran befindet, kam es zu einer Reihe von Explosionen, die iranischen Revolutionsgarden meldeten außerdem den Tod eines Mitglieds in der Stadt Mahshahr.

AKW-Gelände schon mehrmals angegriffen
Das AKW Bushehr verfügt über den einzigen in Betrieb befindlichen Atomreaktor des Landes, der nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde im Jahr 2011 erstmals ans Stromnetz angeschlossen worden war. Im Laufe des Iran-Krieges war das Gelände des AKW mehrmals angegriffen worden. Bushehr liegt vor der Ölinsel Kharg, dem wichtigsten iranischen Ölterminal, über den normalerweise 90 Prozent des Rohöls aus dem Land umgeschlagen werden.

USA attackierten in der Nacht Dutzende Ziele
Die USA griffen zudem in der Nacht zum Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran an. Die US-Armee begründete die neue Angriffswelle mit einem vorangegangenen Beschuss von drei Tankern im Bereich der Straße von Hormuz, für den Washington die Führung in Teheran verantwortlich macht. Das Militär habe unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormuz getroffen. Das teilte CENTCOM, das für den Nahen und Mittleren Osten sowie Zentralasien zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte, mit.

US-Präsident Donald Trump erklärt beim NATO-Gipfel in der Türkei die Feuerpause mit dem Iran für ...
US-Präsident Donald Trump erklärt beim NATO-Gipfel in der Türkei die Feuerpause mit dem Iran für beendet.(Bild: AP/Filip Singer)

Umgehende Vergeltungsmaßnahmen des Iran
Der Iran griff nach eigenen Angaben als Vergeltungsmaßnahme US-Stützpunkte in anderen Staaten der Region an. In Kuwait und Bahrain wurde Luftalarm ausgelöst. Die iranischen Streitkräfte hätten „als Vergeltung für die Aggression des amerikanischen Feindes“ und „für die Verletzung des Abkommens“ den US-Luftwaffenstützpunkt Sheikh Isa in Bahrain mit Drohnen attackiert, erklärte die iranische Armee in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA verbreiteten Stellungnahme. Nach Angaben aus Bahrain reagierte die Flugabwehr auf mehrere iranische Angriffe. Irans „Aggression“ sei zerstört worden, teilte Nabil al-Ahmar mit, ein Berater am Königshof des Golfstaats.

Explosionen in mehreren Städten
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormuz sowie auf der Insel Qeshm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.

US-Präsident Donald Trump habe den Plan für einen Schlag gegen den Iran während seiner Teilnahme am laufenden NATO-Gipfel in der Türkei genehmigt, berichtete der gut vernetzte Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten. Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei. Am Mittwoch sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Khamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Mashhad beigesetzt werden soll.

Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft
Zudem setzten die USA die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung werde wieder zurückgenommen, teilte das US-Finanzministerium mit. Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit wieder untersagt. Der Iran profitiere nur dann von wirtschaftlichen Erleichterungen, wenn er seinen Verpflichtungen nachkomme, erklärte ein Beamter. Irans Verhalten in der Straße von Hormuz sei „völlig inakzeptabel“.

In der Folge zogen die Ölpreise wieder an. Es wächst die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war erst im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für intensive Verhandlungen über ein Ende des Krieges schaffen sollte. Diese Gespräche stocken derzeit.

Seit Anfang April brüchige Waffenruhe
Seit Anfang April gilt in dem US-israelischen Krieg gegen den Iran eine brüchige Waffenruhe. Mitte Juni einigten sich der Iran und die USA auf ein Rahmenabkommen, das weitere Verhandlungen zu einer dauerhaften Beendigung des Krieges vorsieht. Die immer wieder aufflammenden Gefechte führten bisher nicht zum Abbruch der Verhandlungen.

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