Obwohl Direktor und Schulinspektor positive Stellungnahmen abgaben, verlängerte die Tiroler Bildungsdirektion den Vertrag einer engagierten Junglehrerin nicht. Alteingesessenen Lehrkräften war die moderne Kollegin ganz offensichtlich ein Dorn im Auge.
Sie arbeitete als Kosmetikerin in den besten Häusern, hatte die Spa-Leitung in einem Tiroler 5-Sterne-Hotel inne. Als Fachlehrerin für Kosmetik und Fußpflege schlug die Innsbruckerin Melanie Stanojevic an der Tiroler Fachberufsschule für Ernährung, Schönheit, Chemie am Lohbachufer in Innsbruck im Herbst des Vorjahres einen neuen (Berufs)weg ein. Doch ausgerechnet dort kam ihr Äußeres mit aufgespritzten Lippen gar nicht gut bei den Kolleginnen an. „Ich fiel Mobbing zum Opfer“, kann es die 40-Jährige nicht fassen.
Beschwerde beim Innungsmeister
Ihre aufgespritzten Lippen seien zu sexualisiert, wurde getuschelt. „Dann hat sich eine Kollegin unter anderem beim Innungsmeister über mich beschwert. Ich sei für den Job nicht geeignet“, schildert die zweifache Mutter. Auch Screenshots ihres Instagram-Auftritts und von TikTok-Videos, die sie mit Schülerinnen machte, wurden an Entscheidungsträger verschickt.
Auf Instagram postete Stanojevic ein Foto mit einer Waffe am Arzler Schießstand. Die Folge: Ein Screenshot davon landete bei der Bildungsdirektion, eine Anzeige wegen angeblichen unbefugten Führens einer Schusswaffe folgte postwendend. „Das Verfahren wurde eingestellt“, betont Stanojevic. Freilich: Den Screenshot nahm eine Kollegin zum Anlass, sich in der Schule bedroht zu fühlen. Sie forderte gar Personenschutz!
Ich bin Mobbing zum Opfer gefallen. Jetzt habe ich mich an den Bildungsminister gewandt.

Melanie Stanojevic
Bild: Christof Birbaumer
Schulinspektor und Direktor auf Seite der Lehrerin
Schließlich schickte die Bildungsdirektion den Schulinspektor in die Klasse der 40-Jährigen. Der gab ein positives Urteil über die Arbeit von Stanojevic ab – genau wie der Schuldirektor.
Bei den Schülerinnen war Melanie mehr als beliebt. Diese überschütteten sie in Briefen mit Lob für ihre menschliche und fachlich kompetente Art – auch dafür, neue Wege im Unterricht gegangen zu sein. In dasselbe Horn stießen Betriebe und eine frühere Lehrerin, die Modell stand.
Bildungsminister informiert
All das ließ die Bildungsdirektion kalt. Am Freitag ist der letzte Arbeitstag für die Lehrerin. Sie hat inzwischen den Bildungsminister informiert.
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