Erst hat die Behörde den Verein um Hilfe gebeten, nun bedrohen sie ihn mit einer hohen Geldstrafe. Der Streit um die Versorgung einer Gruppe von Streunerkatzen bringt Probleme ans Tageslicht, die durch die Einhaltung der Kastrationspflicht von Freigänger-Katzen ganz einfach zu vermeiden wären.
„Ich bin mit meinem Latein am Ende. Wir wollen die Tiere eigentlich nur in Ruhe versorgen, doch unter diesen Umständen ist das unseren Helfern eigentlich unzumutbar“, resigniert „Pfötchenhilfe“-Obfrau Renate Wimmer im Gespräch mit der „Krone“-Tierecke.
Begonnen hat alles im letzten Sommer, als Frau Wimmer von der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf um Hilfe gebeten wurde. Rund 30 frei lebende Streuner in der Gemeinde Matzen sollten eingefangen und kastriert werden. Der Verein „Pfötchenhilfe“ ging an die Arbeit, sicherte die Tiere und brachte sie schrittweise zum Tierarzt.
Die Kosten von mehreren Tausend Euro für Kastration, weitere nötige medizinische Versorgung und Futter übernahm die „Pfötchenhilfe“. Die unzähligen Stunden des Aufwandes, diese Tiere zu sichern, bleiben ohnehin unbezahlt und sind dem Engagement der Tierfreunde zu verdanken.
Doch einer Anrainerin, deren Grundstück die Tiere ebenfalls zu ihrem Revier zählen, gefiel das nicht. Sie scheint eine Art Besitzanspruch entwickelt zu haben und lockt die Katzen immer wieder in ihr Haus und sperrt sie dort ein, erzählt Vereins-Obfrau Wimmer. „Sie verhält sich, als wäre sie die Tierhalterin. Doch in meinen Augen erfüllt sie diese Eigenschaft nicht, denn aktuell gibt es zum Beispiel ein krankes Tier, das von ihr bisher nicht zum Tierarzt gebracht wird“, so Wimmer.
Animal Hoarding?
„Wenn sie die rund 30 Katzen besitzen würde, würde uns die Behörde ja nicht um Hilfe bei der Kastration bitten. Sie sind nur so wohlgenährt, weil wir zufüttern. Meinen Informationen nach ist das Haus nicht durchgehende von der Dame bewohnt und auch überhaupt nicht auf die Haltung von so vielen Tieren ausgelegt. Die Fenster sind nicht gesichert, es gibt zu wenige Katzenkisterl und kranke Katzen kommen nur zum Tierarzt, wenn wir uns kümmern“, so Wimmer.
Katzen immer wieder weggesperrt, Helfer werden bedroht
Dazu kommt: Die ehrenamtlichen Helfer der „Pfötchenhilfe“ werden von der Anrainerin immer wieder bedroht. Die Futterschüsseln und die Wildkamera zur Kontrolle der Population verschwinden, das Futterhaus wurde zerstört. „Entgegen der Vereinbarung mit der Amtstierärztin werden die Katzen immer wieder längere Zeit im Haus eingesperrt. Sie schauen dann hungrig aus dem Fenster und wir stehen mit dem vollen Futternapf da“, so Wimmer, die der „Krone“ alle Vorwürfe per Videoaufnahmen glaubhaft darlegt.
Mutwillige Behördenbeschäftigung
Die Obfrau meldete diesen Umstand jedes Mal bei der Behörde, doch dort will man davon nichts wissen. Bei ihren Kontrollen seien immer Katzen im Freien gewesen und Frau Wimmer solle aufhören, diesbezügliche Mails zu schicken. „Gegen Personen, die offenbar mutwillig die Tätigkeit der Behörde in Anspruch nehmen, kann eine Mutwillensstrafe von 726 Euro verhängt werden“, droht die Bezirkshauptmannschaft (BH) der Pfötchenhilfe per Mail.
Amtstierärzte sehen kein Problem
Auf Nachfrage der „Krone“ zeigt man sich dort gesprächsbereit und verweist auf mehrmalige Kontrollen der Amtstierärzte. „Die geschilderten Zustände konnten nicht festgestellt werden und wir gehen auch von einer wesentlich geringeren Zahl von Katzen aus. Wir begrüßen die Initiative der Tierschützer, aber dennoch steht hier eine gewisse Mutwilligkeit im Raum, wenn Dinge angezeigt werden, die in unseren Augen nicht so sind“, verteidigt ein Sprecher der BH die Androhung der Strafe.
„Die Anrainerin zeigt sich kooperativ und kommt unseren Verbesserungsvorschlägen nach. Wir versuchen nun durch professionelle Gespräche Ruhe in die Sache zu bringen“, heißt es aus der BH. Im Gespräch ist herauszuhören, dass es besser wäre, wenn die Tierschützer ihre Arbeit vor Ort einstellen. Denn nur dann könne festgestellt werden, ob hier wirklich etwas im Argen liegt oder ob sich die Anrainerin wirklich selbst gut genug um die Katzen kümmert.
Katze beißt sich in den Schwanz
Für Frau Wimmer ist das nur schwer machbar. „Ich kann doch nicht einfach wegschauen und schweigen? Bei der Hitzewelle hat die Dame sogar unsere aufgestellten Wasserschüsseln entfernt und stört aggressiv unsere täglichen Fütterungen“, ist sie im Gespräch mit der „Krone“ empört. Von Kooperation und Verbesserungen sei aus ihrer Sicht nichts zu bemerken.
So hilft ihre Spende!
Damit die Kastration der 30 Streunerkatzen nicht komplett von der „Pfötchenhilfe“ getragen werden muss, unterstützt die „Krone“-Tierecke mit einer Spende in Höhe von 3.000 Euro. „Gerade Vereine wie die Pfötchenhilfe leisten tagtäglich Unglaubliches – meist ehrenamtlich und oft dort, wo sonst niemand hilft. Umso wichtiger ist es, ihnen den Rücken zu stärken, statt ihnen zusätzliche Steine in den Weg zu legen. Dank der großzügigen Unterstützung unserer Leser können wir genau dort helfen, wo jede einzelne Spende unmittelbar den Tieren zugutekommt“, sagt Tierecke-Leiterin Maggie Entenfellner.
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