YouTube hat sich in einem Rechtsstreit um Vorwürfe der Social-Media-Sucht mit einem 15-jährigen US-Jugendlichen auf einen Vergleich geeinigt. Ein Sprecher des Mutterkonzerns Google bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch die Einigung. Die Einzelheiten sind demnach vertraulich. Ein Schuldeingeständnis sei mit dem Vergleich nicht verbunden, betonte Google.
Der Teenager hatte YouTube und weiteren Online-Diensten vorgeworfen, seiner psychischen Gesundheit geschadet zu haben. „Diese Angelegenheit wurde einvernehmlich beigelegt“, erklärte der Google-Sprecher. Das Unternehmen konzentriere sich weiterhin darauf, „altersgerechte Produkte“ und entsprechende Kontrollmöglichkeiten für Eltern zu entwickeln.
Strategie entwickelt, um Kinder früh an die Plattformen zu binden
Die Anwälte des Klägers erklärten hingegen, die Entscheidung von YouTube, den Fall beizulegen, bevor sich das Unternehmen einer Jury stellen müsse, spreche für sich. Manager von Social-Media-Unternehmen hätten seit Jahren Strategien entwickelt, um Kinder möglichst früh an ihre Plattformen zu binden, erklärten die Anwälte, die auf Funktionen wie die automatische Wiedergabe von Videos und das endlose Weiterscrollen innerhalb der Online-Netzwerke verwiesen.
Die Facebook- und Instagram-Mutter Meta, TikTok und Snapchat bleiben in dem Fall weiter beklagt. Der Prozess gegen die drei Unternehmen soll am 27. Juli in Los Angeles beginnen. Der Kläger, von dem nur die Initialen R.K.C. mitgeteilt wurden, stammt aus dem US-Bundesstaat Florida und macht geltend, jahrelange zwanghafte Social-Media-Nutzung habe bei ihm zu Angstzuständen, Depressionen und Suizidgedanken beigetragen. Deswegen sei er weiterhin in Behandlung.
Der Fall wurde als Musterverfahren für Tausende ähnliche Klagen in den USA ausgewählt. Darin werfen Betroffene den Online-Diensten vor, bei Jugendlichen eine starke Zunahme psychischer Gesundheitsprobleme verursacht zu haben.
Musterverfahren in Los Angeles
Ein erstes solches Musterverfahren war im März in Los Angeles mit einer wegweisenden Entscheidung zu Ende gegangen: Eine Jury verurteilte Meta und Google zur Zahlung von sechs Millionen Dollar an eine 20-jährige Klägerin. Sie warf Instagram und YouTube vor, sie als Minderjährige abhängig gemacht und ihr schwere psychische Schäden zugefügt zu haben. TikTok und Snapchat hatten sich in diesem Fall vor Prozessbeginn außergerichtlich auf Vergleiche in unbekannter Höhe geeinigt.
In einem weiteren Verfahren im US-Bundesstaat New Mexico wurde Meta wegen irreführender Angaben zu Sicherheitsrisiken für Kinder zur Zahlung von 375 Millionen Dollar verurteilt. Zudem hatten Meta, Snap, TikTok und YouTube im Mai vertrauliche Vergleiche mit einem Schulbezirk im Bundesstaat Kentucky geschlossen und damit einen weiteren Musterprozess abgewendet. Nach AFP vorliegenden Gerichtsunterlagen belief sich die Vergleichssumme in diesem Fall auf rund 27 Millionen Dollar.
In einem weiteren Verfahren verklagen außerdem mehr als 30 US-Bundesstaaten Meta wegen ähnlicher Vorwürfe. Dieser Prozess könnte im August in Oakland im Bundesstaat Kalifornien beginnen.
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