In kroatischem Badeort

Nord-Stream-Anschlag: Ukrainer erneut verhaftet

Ausland
19.08.2026 16:15
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines im September 2022 ist ein weiterer Verdächtiger gefasst worden – nachdem er schon einmal in Haft genommen worden war. Die deutsche Bundesanwaltschaft ließ den Mann in Kroatien von dortigen Beamten festnehmen, wie die Karlsruher Behörde am Mittwoch mitteilte. Sie wirft dem Ukrainer das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. 

Bei den Anschlägen gab es schwere Schäden an der direkten Verbindung für russische Erdgasexporte nach Deutschland und anderswo in Europa. Der nun inhaftierte Wolodymyr Z. war bereits im Herbst 2025 in Polen festgenommen worden. Die polnische Justiz lehnte den deutschen Auslieferungsantrag damals ab, der Ukrainer kam frei.

Laut Bundesanwaltschaft – Deutschlands oberster Anklagebehörde – soll der Mann als ausgebildeter Taucher an den Tauchgängen in der Ostsee beteiligt gewesen sein, bei denen die Sprengsätze an den Gasleitungen platziert wurden. Für den Transport nutzten er und seine Mittäter demzufolge eine Segeljacht, die aus Rostock startete. Mithilfe gefälschter Ausweispapiere soll diese über Mittelsmänner bei einem deutschen Unternehmen angemietet worden sein.

Zugriff in Badeort Pula
Der Zugriff sei am Mittwochmorgen in der kroatischen Stadt Pula erfolgt, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Z. werde des gemeinschaftlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der Zerstörung von Bauwerken verdächtigt. Der Beschuldigte solle nach einer Überstellung aus Kroatien dem Ermittlungsrichter des deutschen Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Pula ist gerade im Sommer auch bei österreichischen Touristen beliebt.
Pula ist gerade im Sommer auch bei österreichischen Touristen beliebt.(Bild: Spari)

Wie Kroatien zu den Nord-Stream-Anschlägen steht
Vor dem Hintergrund der damals gescheiterten Auslieferung stellt sich nun die Frage, ob Kroatien Wolodymyr Z. nach Deutschland überstellen wird. Kroatiens konservativer Ministerpräsident Andrej Plenković, der die Außenpolitik des EU-Landes an der Adria allein bestimmt, hat sich nie konkret zu den Nord-Stream-Anschlägen geäußert. Seine Regierung trug allerdings die Entschließung des Europäischen Rates vom Oktober 2022 mit, wonach das Gremium die „Anschläge auf die kritische Infrastruktur wie die gegen die Nord-Stream-Pipelines scharf verurteilt“.

Die Haltung von Plenković zu Nord Stream änderte sich nach der russischen Invasion in der Ukraine merklich. Davor vermied er Kritik an der Nordsee-Pipeline. Kroatien nahm Anfang 2021 den Flüssiggas-Terminal auf der Insel Krk in Betrieb, womit sich das Land weitgehend und ab etwa 2024 vollständig von russischen Gasimporten abkoppelte.

Die Festnahme von Wolodymyr Z. auf der Grundlage eines Europäischen Haftbefehls lässt erwarten, dass seine Auslieferung nach Deutschland relativ zügig erfolgen wird. Der Verdächtige hat die Möglichkeit, seine Auslieferung vor dem Gespanschaftsgericht in Pula zu bekämpfen. Nach kroatischer Rechtslage muss das Verfahren – einschließlich eventueller Berufung – innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen sein.

Anklage gegen mutmaßlichen Komplizen in Hamburg
Mehrere Sprengungen in der Nähe der dänischen Ostseeinsel Bornholm hatten die beiden Nord-Stream-Pipelines im September 2022 so sehr beschädigt, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 floss vorher russisches Erdgas nach Deutschland, Nord Stream 2 war noch nicht in Betrieb.

Bisher wurde für die Anschläge niemand zur Rechenschaft gezogen. Ende August 2025 konnte dann der mutmaßliche Drahtzieher der Operation, Serhij K., auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls an der Adria-Küste gefasst werden. Er war dort im Urlaub mit seiner Familie. Die Bundesanwaltschaft hat vor einigen Wochen Anklage gegen ihn am Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg erhoben.

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